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Hochgenuss für Schleckermäuler

Andrea Linne / 21.06.2017, 06:44 Uhr
Elisenau (MOZ) Asia, Malwina, Letitia, Faith - die fantasievollen Namen deuten vor allem auf die Herkunft der Zucht hin, an der die roten Früchte reifen. Fachmann für Erdbeeren im Besonderen und Obst im Allgemeinen ist Martin Nagel. Der gebürtige Schwabe ist der Liebe wegen in die Region gekommen. Nun leitet er die Selbstpflücke.

Schon zum Frühstück, gesteht der 33-Jährige, hat er die ersten Erdbeeren im Mund. Allerdings: "Wenn ich nach Hause komme, dann ist es auch gut, dann will ich kein Obst mehr sehen."

Auf acht Hektar Fläche baut die Firma Pomona Gartenbau GmbH zwischen Bernau und Blumberg Erdbeeren an. Die kleinen Runden sind dabei ein sehr junges Obst in unseren Gefilden. Von einem Holländer aus einer amerikanischen Wildfrucht heraus kultiviert, werden die süßen Beeren, die zur Familie der Rosengewächse zählen, erst gut hundert Jahre in Europa gepflanzt.

Allein in Elisenau wachsen inzwischen zehn verschiedene Sorten. Als Erstes kommt die süße Clery in die Körbe, später folgen die schmackhafte Asia, ehe Malwina den Erdbeerreigen des Jahres beschließt. Die Saison geht bis in den Juli hinein, dann folgen Himbeeren, Johannisbeeren, Heidelbeeren, Brombeeren, Äpfel und Plfaumen. Mit Birnen und Kirschen sieht es laut Martin Nagel schlecht aus. Die Blüte ist erfroren. Auch einige Erdbeersorten haben dem kalten Frühjahr Tribut gezahlt. Doch jetzt ist alles, wie es sein soll.

Gebückt schieben sich die Erntehelfer in eigener Sache durch die 300 Meter langen Reihen. Ab und an geht der Blick verstohlen nach links und rechts. Hat der Nachbar vielleicht die Größeren? Dass das nicht passiert, dafür hat Ronny Mosler aus Ahrensfelde gesorgt. Er ist ganz nach hinten durch die Reihen gelaufen, verrät er seine Taktik. "Wir sammeln fürs Naschen. Ich pflücke gern verschiedene Sorten, dann habe ich später die Auswahl." Diesmal kommt auf diese Weise die Sorte Faith in den Korb, die probeweise wächst und mit besonders großen saftigen Beeren besticht. Saft tropft über die Finger, wenn sich Zähne in die dicken Dinger hacken. Wichtig ist, den Kelch beim Zupfen an der Beere zu lassen, verrät Nagel. Die Blätter schützen auch vor Wasser.

"Ob wir die Sorte Faith im kommenden Jahr anbauen, hängt davon ab, ob wir die Pflanzen bekommen", erzählt der Gartenbauingenieur Martin Nagel. Schon im Herbst werden auf einer drei Hektar großen Fläche 45 000 neue Pflanzen gesetzt, die im kommenden Jahr bereit für die Hände der Pflückenden sind.

Im Moment steht der junge Obstbauer, der seine Haare in einem Knoten am Hinterkopf trägt, täglich gut zwölf Stunden auf dem Acker. Acht Mitarbeiter sorgen dafür, dass die Erdbeeren gut gewässert werden und fröhlich wachsen. "Die Pflanze muss sich kühlen, sonst verbrennt sie", berichtet Nagel. "Sie bekommt dann Sonnenbrand." Das macht sich mit matschigen Stellen bemerkbar. Auch hängen die Pflanzen, und die Beeren bleiben ganz winzig. Gegen verschiedene Pilzsporen aus dem Erdreich hilft die Strohlage, die unter den Pflanzen liegen. So bleiben Phytophtera oder Grauschimmel weg von den Früchten. Im Herbst wird das Feld gemäht. Auch das hilft gegen Rot- und Weißflecken. "Aber auf das Herz der Pflanze ist zu achten, denn daraus treiben die neuen Blätter", so Obstfachmann Nagel.

Mandy Bonin interessiert das nicht. Mit ihren 42 Jahren ist sie absoluter Neuling in der Pflückerkolonne. "So eine anstrengende Arbeit", sagt die Panketalerin. Schnell wird bezahlt, damit die Ernte heimgefahren werden kann. "Aber Spaß hat es gemacht!" Der Rücken schmerzt auch Thekla und Manfred Ladewig. Die Berliner sind alte Hasen im Geschäft. "Wir kommen jedes Jahr." Ihre Erdbeeren werden zu Marmelade, aber auch Smoothies und wandern auf den Kuchen. "Wir kommen noch öfter", kündigt das Paar an.

Wer selbst pflücken möchte, kann der Ausschilderung von Bernau, Blumberg und Schwanebeck folgen. Geöffnet ist das Feld in Elisenau täglich von 8 bis 18.30 Uhr. Parkplätze sind reichlich vorhanden. Ein Kilo Erdbeeren kostet aktuell 3,50 Euro.

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