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Todesfall wirft Fragen zur Sicherheit auf

Hans Still / 21.06.2017, 17:33 Uhr
Lanke (MOZ) Nach dem Tod einer 44-jährigen Berlinerin am Ufer des Liepnitzsees, die von einem Ast erschlagen wurde, haben Kriminaltechniker den Unglücksort untersucht und Beweise gesichert. Unter anderem wurden Teile des morschen Astes geborgen, der am Dienstag gegen 15.15 Uhr die Frau tötete.

Am Mittwochmorgen liegt über dem Lanker Teil des Liepnitzsees eine fast beängstigende Stille. Wanderer schauen unterhalb der Fähre zur Insel betroffen auf das Flatterband der Polizei, mit dem der Unglücksort abgesperrt worden war. Unterbrochen wird die bedrückende Atmosphäre vom Anreißen einer Kettensäge: Der Bernauer Stadtförster Dirk Reinhardt schneidet ein 50 Kilogramm schweres Stück des Astes ab, sodass die Bruchstelle nun bei der Kriminaltechnik der Polizei als Beweis vorliegt. Deutlich zu sehen sind im Astinneren Segmente beschädigten Holzes. Dabei macht der gut 15 Meter lange Ast äußerlich einen vitalen Eindruck und ist durchaus kräftig mit jungem Laub bewachsen. Der Blick auf den Rest des Baumes zeigt allerdings zwei Meter unterhalb der acht Meter hohen Bruchstelle großflächige Schäden an der Baumrinde. Ein Kriminaltechniker verrichtet derweil schweigend seine Arbeit, fotografiert den Baum und vermisst den Ast. Direkt daneben: Eine Decke mit Resten eines Picknicks. Gläser und Becher, ein Messer. Der Boden ist blutrot gefärbt.

Im Barnim herrscht am Tag nach dem tragischen Unglücksfall Betroffenheit. So drückt Pressesprecher André Ullmann in Namen der Stadt Bernau sein Bedauern aus. "Den Angehörigen der Verstorbenen gilt unser tiefes Mitgefühl", heißt es. Zum Sachverhalt wollte sich die Stadt hingegen zunächst nicht äußern. Bestätigt wurde aber, dass das Waldstück zum Bernauer Stadtwald gehört. Dies war am Dienstag noch unklar geblieben, da die Berliner Forst ebenfalls Eigner großer Flächen rund um den Liepnitzsee ist. "Die Umstände, wie es zu diesem Vorfall kam, müssen jetzt geklärt werden. Hierfür wird die Stadt eng mit den ermittelnden Behörden zusammenarbeiten", reagierte Pressesprecher Ullmann auf MOZ-Anfragen. Diese Position überarbeitete die Stadt später. Immerhin stellen sich zunehmend Fragen zur Verkehrssicherheit. Zumal der Liepnitzwald im Sommer von Touristen geradezu überrannt wird und keineswegs ausgeschlossen werden kann, dass sich Vergleichbares wiederholt. In einer zweiten Antwort räumt die Stadt Bernau pauschal eine "Verkehrssicherungspflicht" ein. Der Zusatz "Anspruch und Aufwand ist hier weit geringer als bei der Verkehrssicherungspflicht in einem Park", weist auf die Besonderheiten im Wald hin. Dort gilt nach dem Bundeswaldgesetz (BwaldG) zunächst "Betreten auf eigene Gefahr". Allerdings verändert sich die juristische Sachlage, wenn beispielsweise ausgewiesene Wanderwege durch den Wald führen. Im konkreten Fall führt eine gerade erneuerte Holzbrücke über ein Fließ zum lauschigen Platz, der mit Tisch und Bänken zum Verweilen einlädt.

Der Liepnitzwald gehört zum 775 Quadratkilometer großen Naturpark Barnim, der sich über die Landkreise Oberhavel, Märkisch-Oderland und Barnim erstreckt und zu 55 Prozent aus Wald besteht. In der Naturpark-Verwaltung war am Mittwoch niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

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Joachim Streeck 22.06.2017 - 21:03:08

Fragen zum Fall.

Sehr geehrtes Redaktionsteam, mit großer Bestürzung lese ich als ausgebildeter Baumpfleger Ihren fachlich gut recherchierten Artikel. Ich lese den Text, schaue auf die Bilder und Gänsehaut lässt mich kalt erschauern. Was für ein bedauerlicher Vorfall. Eine Frau aus dem Leben gerissen, einer Familie genommen. Nun stellen sich mir Fragen auf, insbesondere da ich seit vielen Jahren in der Baumpflege tätig bin und als sachverständiger Baumpfleger, Baumkontrolleur sowie Gutachter einen tiefen Einblick in die interessanten Baumwelten bekommen habe. Fragen wie: Wurde der besagte Baum kontrolliert? Waren die Baumkontrolleure auf ihre Aufgaben vorbereitet bzw. ausgebildet? Gibt es eine Historie über die erfolgte Baumkontrolle oder war der Schaden der zum Ausbruch des Stämmling führte vorhersehbar…? Fragen die nun hoffentlich in einer transparenten Art und Weise geklärt werden. Ungeheuerlich allerdings die bescheidenen Versuche der Verantwortlichen, sich mit den waldtypischen Gefahren raus reden zu wollen. Es ist ganz klar zu sehen, dass die Besucher aufgefordert werden zu verweilen und an Bank und Tisch Platz zu nehmen. Eine freundliche Geste mit Konsequenzen. Denn jeder Nutzer einer öffentlichen Einrichtung, auch Parkanlagen oder Wälder mit touristischen Anlagen wie Tische und Bänke oder Parkplätze, darf sich darauf verlassen, dass bei sinngemäßer Nutzung der Eigentümer alle Maßnahmen unternimmt, um Gefahren für Dritte zu begegnen und abzuwenden. § 823 BGB bildet hierfür die Grundlage. Also was soll das Gerede über Wald und Aufwand. Ganz klar äußern sich hierzu die Gerichte in ihren Urteilen vergangener Schadensfälle. Es ist unerheblich, wie oft die Parkbank besucht wird. Es reicht völlig aus, wenn saisonal mit einem Ansturm von Besuchern ob Jung oder Alt gerechnet werden kann. Dann haben wir es hier mit einer erhöhten Sicherheitserwartung im Sicherheitsbereich um die Bebauung zu tun und müssen dem Gerecht werden. Bäume die weiter entfernt stehen aber sich noch im Sicherheitsbereich einer Bebauung befinden sind mit einer geringeren Sicherheitserwartung zu betiteln. Doch eine regelmäßige Kontrolle entsprechend der Baumkontrollrichtlinien der FLL sind für alle Bäume im Sicherheitsbereich Pflicht. Kein Problem wenn Baumbesitzer oder deren Amtsgehilfen sich dem stellen und entsprechend ihrer Verantwortung handeln, dann haben wir es tatsächlich mit einem tragischen Zufall zu tun. Andernfalls ist es jetzt an der Zeit sich seiner Verantwortung zu stellen und die Konsequenzen zu tragen, die ein fahrlässiges Verhalten nach sich ziehen. Das sind wir alle der Familie mindestens schuldig.

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