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Starthilfe in die Bio-Branche

Stallrundgang: Rasmus Hartwich, Betriebsleiter im Gut Kerkow, führt die Teilnehmer des Brandenburger Umstellertages beim Hofrundgang auch durch den Milchkuhstall. Der Bio-Betrieb stellt auf die alte, seltene Rasse Schwarzbuntes Niederungsrind um
Stallrundgang: Rasmus Hartwich, Betriebsleiter im Gut Kerkow, führt die Teilnehmer des Brandenburger Umstellertages beim Hofrundgang auch durch den Milchkuhstall. Der Bio-Betrieb stellt auf die alte, seltene Rasse Schwarzbuntes Niederungsrind um © Foto: Stefan Csevi
Daniela Windolff / 22.06.2017, 06:25 Uhr
Kerkow (MOZ) Brandenburger Landwirte informierten sich am Mittwoch im Naturland-Betrieb Gut Kerkow über den Weg der Umstellung von konventionelle auf ökologische Landwirtschaft und Rahmenbedingungen im Land Brandenburg.

Die Preise fallen, die Auflagen werden immer härter, die Bedingungen insgesamt schlechter, so beschreibt Wolfgang Knie aus eigener Erfahrung die Situation vieler konventioneller Landwirte in Brandenburg. "Es macht keinen Spaß mehr." Der Kerkower Bauer überlegt deshalb, langfristig seinen Betrieb auf Öko umzustellen. Wie das geht, welche Voraussetzungen und Kriterien dafür erfüllt sein müssen, welche Rahmenbedingungen und Förderungen im Land Brandenburg gelten und welche Erfahrungen andere Bio-Betriebe gemacht haben. Darüber konnte er sich beim Brandenburger Umstellertag des Naturland-Verbandes im Gut Kerkow unverbindlich informieren. Und so wie er taten es unter anderem auch Landwirt Michael Böhling aus Schmargendorf, Bettina Locklair aus Flemsdorf, die privat einen alten Bauernhof übernahm und ihn ökologisch bewirtschaften möchte, Vertreter der Stiftung Nationalpark "Unteres Odertal" mit einem eigenen Bio-Grünlandbetrieb oder Landwirt Steffen Panzer aus dem Spreewald mit einem konventionellen Familienbetrieb.

Organisiert wurde die Veranstaltung vom Öko-Anbau-Verband Naturland, der bundesweit 3000 Mitgliedsbetriebe, davon 50 in Berlin und Brandenburg zählt und damit zu den weltweit größten Öko-Verbänden gehört.

Gut Kerkow, das 2015 von Sarah Wiener und ihren Partnern gekauft wurde, wirtschaftet seit 2016 nach den Naturland-Richtlinien. Zum Service des Verbandes gehören die kompetente fachliche Beratung und Begleitung von der Umstellung bis zu speziellen Fragen zum Anbau, zur Tierhaltung oder Betriebsentwicklung sowie Schulungen, Feldtage, Unterstützung bei der Vermarktung unter der Naturland-Marke, Öffentlichkeitsarbeit und auch politische Lobbyarbeit. Die hat unter anderem mit dazu beigetragen, dass Brandenburg seine im Bundesvergleich ohnehin niedrigen Fördersätze für den Öko-Landbau angehoben hat und die Umstellungsförderung, die Brandenburg 2012 bis 2014 als einziges Bundesland komplett gestrichen hatte, wieder einführte. "Den Bruch spüren wir noch heute. Mecklenburg-Vorpommern hat Brandenburg im Ökolandbau mittlerweile überholt. Aber in jüngster Zeit gibt es hier wieder starke Nachfragen umstellungswilliger Landwirte", berichtet Christina Menne, Fachberaterin bei Naturland, die mit ihren Kollegen Anne Rheinsberg und Harmen Gehrke in Vorträgen auf alle wichtigen Fragen rund um die Umstellung von konventionell auf Bio eingingen und Fragen der Teilnehmer beantworteten.

In Brandenburg gibt es 664 Ökobetriebe, die 137008 Hektar bewirtschaften, sowie 250 Verarbeitungs- und 47 Handelsunternehmen. Bio boomt. Deutschland sei mit 8620 Euro Umsatz im Jahr je Einwohner für Bio-Produkte führend in Europa und der Ökolandbau verzeichne Wachstumsraten von fünf bis zehn Prozent, macht Christina Menne die Chancen für Bauern deutlich, die davon profitieren könnten, denn die Nachfrage ist viel höher als das Angebot, so dass ein Großteil der Bio-Produkte importiert werden muss.

An die Umstellung von konventionell auf ökologisch sind jedoch eine Reihe von Bedingungen gebunden, die die Naturland-Fachberater erläuterten. Wichtige Voraussetzung: "Der Betrieb sollte wirtschaftlich gesund sein. Bio kann nicht die letzte Lösung sein", betonte Christina Menne. Es müssen ausreichend Flächen mit langfristigen Pachtverträgen vorhanden sein, denn Umstellerbetriebe müssen sich mindestens fünf Jahre lang für Öko binden. Die Stallanlagen müssen für den Umbau geeignet und genügend Auslauf für Tiere vorhanden sein.

Ist dann die Entscheidung zur Umstellung gefallen, muss sich der Betrieb eine von 20 zugelassenen Kontrollstellen suchen, die prüfen, ob alle Vorgaben des ökologischen Landbaus erfüllt werden. Diese Kontrollen werden in der Regel einmal im Jahr wiederholt. Öko bedeutet beispielsweise Einhaltung der Fruchtfolge, Sortenvielfalt, Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel, Saatgut aus ökologischer oder eigener Produktion, organische beziehungsweise natürliche Düngemittel, artgerechte Tierhaltung mit ökologisch produziertem Futter. Erst drei Jahre nach der Umstellung können die Produkte in der Regel unter "Bio" verkauft werden. Die Erträge sind geringer, die Qualität dafür besser, der Preis dementsprechend höher.

Fördermittel können aus dem KULAP beantragt werden. Seit 2016 gibt es in Brandenburg eine neue Förderung "Artgerechte Tierhaltung".

Wie Öko in der Praxis funktioniert, das konnten sich die Teilnehmer des Umstellertages bei einer Hofführung und Feldbegehung mit dem Betriebsleiter von Gut Kerkow, Rasmus Hartwich, anschauen. Gut Kerkow betreibt auf 750 Hektar Futter- und Getreideanbau, von Roggen, Weizen, Gerste, Dinkel bis Buchweizen. Rund 90 Milchkühe, 100 Aberdeen-Angusrinder und 40 Sattelschweine, eine alte Haustierrasse, gehören zum Hof, der in einem komplett geschlossenen Kreislauf wirtschaftet, vom Futteranbau, über Aufzucht, Schlachtung bis zur Verarbeitung und Verkauf im eigenen Hofladen.

Informationen: www.naturland.de; www.gut-kerkow.de

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