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Windrad stoppt neues Wohngebiet

Ragt in den Himmel: die neue fast 200 Meter hohe Mega-Windkraftanlage in Sichtweite des Tierheimes am Ladeburger Weg. Sie ist so laut, dass Wohnbebauung am Kirschbergweg nicht mehr infrage kommt.
Ragt in den Himmel: die neue fast 200 Meter hohe Mega-Windkraftanlage in Sichtweite des Tierheimes am Ladeburger Weg. Sie ist so laut, dass Wohnbebauung am Kirschbergweg nicht mehr infrage kommt. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Sabine Rakitin / 24.06.2017, 07:20 Uhr
Lobetal (MOZ) Die Pläne für ein neues Wohngebiet mit Einfamilien-, Doppel- und Reihen- sowie Mehrfamilienhäusern in Lobetal sind geplatzt. Die Errichtung einer Windkraftanlage machte der Hoffnungstaler Stiftung einen Strich durch die Rechnung.

Im Frühjahr 2015 wurde durch die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal ein Antrag zur Ausweisung eines neuen Baugebietes in Lobetal eingereicht. Auf einer Fläche von etwas mehr als vier Hektar sollten 45 Baugrundstücke und damit eine neue Heimat für mehr als 250 Menschen geschaffen werden. Unter dem Motto "Wohnen in Vielfalt" waren Einfamilien-und Doppelhäuser sowie Reihen- und Mehrfamilienhäuser auch für Mieter vorgesehen. Mit der geplanten Wohn- und Bebauungsstruktur wurde eine Besiedelung und Belebung Lobetals durch die Herstellung von Wohnraum für zuziehende Menschen und deren dörfliche Integration und Inklusion angestrebt.

Doch die Pläne sind geplatzt, weil südlich des geplanten Wohngebietes inzwischen ein Mega-Windrad steht. Ein schalltechnisches Gutachten belegt, dass sich die vorgesehene Wohnnutzung wegen den von der Anlage ausgehenden Immissionen nicht verwirklichen lässt. Die Investoren haben das Baugebiet für gescheitert erklärt. Das Bebauungsplanverfahren wird abgebrochen.

"Bernau hat das Windhundrennen mit dem Landesumweltamt verloren", kommentiert Baudezernent Jürgen Jankowiak sarkastisch. Denn die Behörde in Potsdam genehmigte die Windkraftanlage exakt drei Tage, bevor die Bernauer Stadtverordneten die Aufstellung des Bebauungsplanes für das neue Wohngebiet in Lobetal samt Flächennutzungsplanänderung beschlossen.

Im Umwelt- und Wirtschaftsausschuss am Donnerstagabend ist sogar der Bündnisgrüne Thomas Dyhr, sonst erklärter Befürworter alternativer Energien und damit auch Fürsprecher von Windkraftanlagen, außer sich. Er wundert sich, "auf welche wundersame Weise im Landesumweltamt Genehmigungen erteilt werden - so wenige Tage, bevor der Beschluss der Bernauer Stadtverordnetenversammlung zu einer Veränderungssperre für das Gebiet erfolgte". Die drei Tage "stinken zum Himmel", erregt sich der Schönower. "Sind die verbürgt und überprüft worden?" fragt er Vize-Bürgermeisterin Michaela Waigand. Eine direkte Antwort auf diese Frage gibt sie nicht, stellt allerdings fest, dass die Windkraftanlage ja bereits stehe und in Betrieb sei.

Möglichkeiten, das Ganze zu stoppen, habe die Stadt nicht, sagt Baudezernent Jankowiak. "Die Lage der Windkraftanlage und die Fortführung des B-Planverfahrens schließen sich aus", erklärt er. Dass der Investor das B-Planverfahren nicht weiter verfolge, sei die logische Konsequenz, stellt Jankowiak fest.

Für die Bernauer Christdemokraten ist klar: "Hier zerstört Windkraft ländliche Entwicklung", heißt es in einer Pressemitteilung von Fraktionschef Daniel Sauer. Besorgt ist auch der Lobetaler CDU-Stadtverordnete, Randolph Hankel: "Wenn das neue Baugebiet wegen der neuen Windkraftanlage nicht errichtet werden kann, frage ich mich, wer schützt die bereits seit 1998 hier lebenden Menschen?" Für ihn ist offen, "ob auch die Anwohner des Wohngebietes "An der einsamem Kiefer' betroffen sind. Das muss geklärt werden", fordert Hankel. Doch Jürgen Jankowiak weiß die Antwort: "Der Abstand der Windkraftanlage zum Wohngebiet "An der einsamen Kiefer' ist so groß, dass die dortigen Einwohner nicht betroffen sind", sagt er.

Die CDU-Fraktion will das Thema in der Stadtverordnetenversammlung am 6. Juli zur Sprache bringen. Außerdem wird über eine Kleine Anfrage an die Landesregierung nachgedacht - wegen der überraschenden Genehmigung des Landesumweltamtes drei Tage vor den Beschlüssen in Bernau.

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