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Verein Eichendorfer Mühle feierte 25-jähriges Bestehen / Alkoholkranke bekommen hier Langzeitbegleitung

Das Leben wieder lernen

Bei der Feier: Bernd Wittchow (r.) ist einer der Begründer des Vereins. Bernd Thater (3. v. r.) hat es geschafft, vor 21 Jahren mit dem Alkohol aufzuhören.
Bei der Feier: Bernd Wittchow (r.) ist einer der Begründer des Vereins. Bernd Thater (3. v. r.) hat es geschafft, vor 21 Jahren mit dem Alkohol aufzuhören. © Foto: MOZ/Margrit Meier
Margrit Meier / 26.06.2017, 06:40 Uhr
Hermersdorf (MOZ) Mit einem Fest wurde am Sonnabend das 25-jährige Bestehen des Vereins Eichendorfer Mühle gefeiert. Die sozialtherapeutische Einrichtung hilft Alkohol- und Tablettenabhängigen, zurück in ein selbstständiges Leben zu finden.

"Ohne die Eichendorfer Mühle wäre ich wohl schon tot. Ich hätte meine Katrin nicht kennen gelernt und wir hätten nicht unseren zwölfjährigen Sohn." Bernd Thater sitzt mitten unter den Feiernden. 21 Jahre ist es her, dass er sich nachts bei der Polizei meldete. "Da hatte ich acht Flaschen Klaren á 0,7 Liter intus. Sie sollten mich wegsperren. Weg von diesem Zeug, bei dem ich mich morgens nicht besser fühlte als abends." Der 56-Jährige kam ins Krankenhaus. Zur Entgiftung. Er hörte dort von der Eichendorfer Mühle. Von Januar 1996 bis Oktober 1997 blieb er in Therapie, wohnte noch viele Jahre in unmittelbarer Nähe und nutzte die vom Verein angebotene Nachsorge. Zwischendurch, bekennt der ehemalige Schlosser, hatte er einen Augenblick, in dem er dachte, alles hinzuwerfen. "Mein Rentenbescheid kam. Ich musste mich nicht mehr mit dem Arbeitsamt herumärgern, Ich war frei. Ich habe überlegt, ob ich wieder saufe. Ich bin froh, dass ich mich für das richtige entschieden habe", sagt Bernd Thater, der mit Freundin und Kind längst eigenständig in einem Ort in der Region lebt. Rund 460 Männer und Frauen, schätzt Bernd Wittchow, einer der Väter des Vereins und heute stellvertretender Vorsitzender, sind in den vergangenen 25 Jahren im Therapiehaus betreut und im Gartenbereich und der Landschaftspflege eingesetzt worden. 43 von ihnen wohnen mittlerweile in Hermersdorf, nutzen die Langzeit-Nachsorge, die jedem angeboten wird "Unser Ziel ist es, dass diese Menschen, die so weit unten sind, wieder sich und das Leben entdecken. Dass sie lernen, wieder Tagesrhythmen zu haben. Wir knüpfen in unserer Langzeittherapie an Ressourcen an, die dieser Bewohner gehabt haben muss", sagt der Pfarrer im Ruhestand. Er hat mit Gleichgesinnten Mitte der 1980er-Jahre eine christliche Kommune in der Eichendorfer Mühle gegründet, die auch immer offen war für Menschen, die eine Auszeit vom Leben brauchten, um wieder das Leben zu lernen. Daraus ist dann 1992 der Verein gegründet worden. "Wir gehören zu einem von sechs Pilotprojekten dieser Art Langzeittherapie mit christlichem Ansatz im Land Brandenburg", sagt Bernd Wittchow.

Entertainerqualitäten bewies bei der Feier der therapeutische Leiter der Einrichtung, Erhard Wendt. Er hatte eine Fotorückschau auf 25 Jahre Verein vorbereitet und ging mit Anekdoten gespickt auf viele Bewohner - die Einrichtung hat 26 Betten -, Unterstützer und Mitarbeiter ein. "Ohne die 40 Diakonissen der Diakoniegemeinschaft Bethel würde es diese Einrichtung heute so nicht geben", sagte er.

Ohne die Eichendorfer Mühle, sagt Bernd Thater, würde es ihn nicht mehr geben. "Sie haben mir hier Vertrauen geschenkt, dass ich es schaffe. Und, sie haben mir vertraut. Denn ich habe ehrenamtlich auch in der Buchhaltung mitgearbeitet. Da gab es nie Probleme", sagt er.

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