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Badingen setzt Maßstäbe

Lockruf des Kuchens: Das reichhaltige Bufett erzeugte einen riesigen Andrang, selbst gemachte, leckere Süßspeisen aller Art konnten genossen werden. Die Frauen des Dorfes hatten viel aufgeboten.
Lockruf des Kuchens: Das reichhaltige Bufett erzeugte einen riesigen Andrang, selbst gemachte, leckere Süßspeisen aller Art konnten genossen werden. Die Frauen des Dorfes hatten viel aufgeboten. © Foto: MZV
Ingmar Höfgen / 26.06.2017, 07:30 Uhr
Badingen (GZ) Mit einem furiosen Festumzug haben die Badinger am Sonnabend das 750-jährige Bestehen ihres Dorfes gefeiert. Während die eine Hälfte der Einwohner im Jubiläums-Tross mitlief, applaudierte die andere am Straßenrand und am Festen Haus.

Es waren rund 50 Fahrzeuge, die sich aus Osterne zur großen Fahrt aufmachten. Chronologisch geordnet, wurden detailgetreue Nachbauten des Festen Hauses und der Dorfkirche durch die Straßen gezogen. Der Einfluss der Familie Trott zu Solz fand ebenso Erwähnung wie zwei große Brände im Ort. Rund 20 dieser prägenden Ereignisse wurden in sogenannten Bildern präsentiert. Dazu passend, hatten die Teilnehmer zeitgerechte Kleidung gefunden, mit der sie leicht als Magd, Pfaffe, Ritter oder Landarbeiter erkennbar waren. Die Organisatoren um Sven Kautel hatten in einem Jahr der Vorbereitung ganze Arbeit geleistet und viele Badinger für den Umzug begeistern können. Sie alle heimsten viel Applaus ein auf dem Weg, der aus Osterne zunächst Richtung Gransee führte, ehe am Badinger Ortsausgang gewendet wurde und die Fahrt Richtung Festes Haus fortgesetzt wurde.

Mit dabei waren natürlich nicht nur jene Wagen, die die Badinger aus Chroniken oder als von Generation zu Generation erzählte Geschichten kennen. Ein Schild "Junkerland in Bauernhand" erinnerte an die im Zuge der Bodenreform erfolgte Landumverteilung nach dem Zweiten Weltkrieg, und DDR-Fahnen oder -Embleme waren weit häufiger zu sehen als jene der SED. Auch Uniformierte von Volkspolizei und Nationaler Volksarmee, die Ende der 80er-Jahre in Osterne Flugabwehrraketen stationierte, schauten nach dem Rechten. Die Badinger Gegenwart symbolisierten die riesigen modernen Landmaschinen sowie eine Demonstration im Jahr 2006 gegen genveränderte Lebensmittel, die bundesweit für Aufsehen und ein großes Aufgebot an Sicherheitskräften sorgte. Fachkundig erklärte Gunter Züge am Festen Haus per Mikrofon, was die zahlreichen Zuschauer zu sehen bekamen.

Dass in Badingen früher einiges mehr los war, daran erinnern seit neuestem kleine Infotafeln an der Landesstraße. Auch die Enkel der Betreiber, die heute meist noch an selber Stelle wohnen, unterstützten den Umzug am Sonnabend, stellten altes Inventar und alte Arbeitsmittel auf die Straße. Außerdem öffnete der Gasthof Tönnies wieder für einen Tag, der eigentlich seit den 60er-Jahren geschlossen ist. Gegenüber der Einfahrt zur Dorfstraße schenkte Anita Heiser ihren Freunden ein, so wie es ihre Oma und ihre Mutter jahrzehntelang mit den Gästen getan hatte. Früher, sagt Anita Heiser, hätte es alles im Dorf gegeben: Bäcker, Fleischer, Gastwirte, Schuster, Sattler.

Ortsvorsteher Claus-Dieter Wilksch (Linke) war am Nachmittag zufrieden. Seit einem Jahr hätten "alle ortsansässigen Vereine und Betriebe" den Umzug vorbereitet, regelmäßig waren zwölf bis 13 Mann bei den Vorbereitungen dabei, lobte Wilksch. Zehdenicks Bürgermeister Arno Dahlenburg (SPD) war beeindruckt. "Badingen hat Maßstäbe gesetzt". Die Zehdenicker Schützen mit dem neuen Schützenkönig Bernd Manzel schossen Salut, das Feuerwehrblasorchester der Stadt Gransee sorgte für stimmungsvolle Musik, und die Schlange am Kuchenstand wollte einfach nicht abreißen. Größeres Interesse zogen auch die Bruderschaft der Askanier auf sich.

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