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Dorf mit Dichter und Geschichte

Pfarrer Michael Heise eröffnet die Festwoche in Biesenbrow, die mit großem Theater beginnt.
Pfarrer Michael Heise eröffnet die Festwoche in Biesenbrow, die mit großem Theater beginnt. © Foto: MOZ/Daniela Windolf
Daniela Windolff / 27.06.2017, 07:55 Uhr
Biesenbrow (MOZ) Nach dem Zwölf-Stunden-Theater "Die Heiden von Kummerow" am Sonnabend feiern die Biesenbrower eine Woche lang ihr Dorfjubiläum und beleuchten auf vielfältige Weise 725 Jahre Ortsgeschichte.

Kaum sind die Besucher wieder abgereist, Bänke und Bühnen abgebaut und die Aufführungsstätten der ungewöhnlichen Theaterpremiere, in der die Biesenbrower ihre eigene Geschichte spielten, wieder aufgeräumt, stehen die nächsten Höhepunkte an. Am Sonntag fand anlässlich der 725-Jahrfeier Biesenbrows in der Dorfkirche ein Festgottesdienst statt, bei dem anschließend auch ein prächtiger Bildband über Biesenbrow vorgestellt wurde, der allerdings noch im Druck ist. Aber die Biesenbrower und auch interessierte Nachbarn und ehemalige Dorfbewohner wurden schon einmal neugierig darauf gemacht und erfuhren Interessentes aus mehr als sieben Jahrhunderten Dorfgeschichte.

In der Dorfkirche wurde übrigens auch der berühmteste Biesenbrower getauft: der Dichter, Journalist und Gründer der Volkshochschule Ehm Welk, der eigentlich Emil hieß. Er wurde am 29. August 1884 als Sohn eines Bauern in Biesenbrow geboren und machte später das Dorf seiner Kindheit mit seinen Romanen "Die Heiden von Kummerow" (1937) und "Die Gerechten von Kummerow" (1943) berühmt. Die scheinbar unpolitischen Bücher, die er während seines Schreibverbotes nach einer zynischen politischen Glosse gegen den Nazipropagandisten Goebbels schrieb, zeichnen ein sensibles und authentisches Zeitbild vom Alltag der Landbevölkerung um 1900 und geben durch den Blick der Dorfkinder seiner Sehnsucht nach einer gerechteren, friedlichen Welt ohne Armut und Ausbeutung Ausdruck. Die Biesenbrower sind bis heute stolz auf den berühmten Sohn ihres Dorfes, das literarische Kummerow, und pflegen Ehm Welks Erbe. Der Landkulturverein trägt dieses Vermächtnis sogar in seinem Namen und initiiert jedes Jahr die große Völkerwanderung nach einer Episode aus den Heiden von Kummerow, sowie mit der Uckermärkischen Literaturgesellschaft auch das Literarische Picknick. In der ehemaligen Dorfschule und in der Kirche gibt es Ausstellungen über Ehm Welk.

Doch Biesenbrows Geschichte ist nicht nur Ehm Welk. Legendär ist der Biesenbrower Goldschatz aus der Zeit der Völkerwanderung. Über diesen Fund und seinen historischen Kontext wird der Historiker Professor Felix Biermann am Freitag um 18 Uhr in der Kirche berichten. Mittwoch wird an der Feuerwehr ein Film über Biesenbrow gezeigt und bei Wildschwein am Spieß am Lagerfeuer geklönt. Am Sonnabend feiert das Dorf ab 14 Uhr ein buntes Kinderfest. Bei Kaffee und Kuchen lässt Heidi Rades ein musikalisches Feuerwerk erklingen.

Und dann beginnen schon bald die Vorbereitungen für den 2. Teil der "Heiden von Kummerow" im Juni 2018. Nach dem Theater ist vor dem Theater.

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