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Angriffslust gegen Bauernstand

Oliver Schwers / 28.06.2017, 06:15 Uhr
Grünow (MOZ) Mit einem kritischen Rundumschlag hat der Bauernverband Uckermark auf akute aktuelle Probleme aufmerksam gemacht. Die Situation vieler Betriebe im Landkreis sei schwierig. Der Bauernstand müsse sich gegen eine gesellschaftliche Angriffslust wehren.

Massive Kritik richtet der Bauernverband Uckermark gegen die Bundesagrarpolitik. In vielen ländlichen Räumen würden die Menschen Sorge haben, abgehängt zu werden. Agrarbetriebe fragen sich, wie stabil die Landwirtschaft überhaupt noch bleibt. Es herrsche "eine gesellschaftliche Angriffslust gegenüber der Landwirtschaft", so Manfred Mesecke, Vorsitzender des Bauernverbands Uckermark, bei seinem Grundsatzreferat auf dem Bauerntag in Grünow bei Prenzlau.

Hintergrund sei ein "populistisch einseitiger Blick" auf die Landwirtschaft. Politische Kräfte wie auch Tierschutz und Naturschutz würden versuchen, die Landwirtschaft auseinanderzudividieren. So spiele man Groß- und Kleinbetriebe ebenso gegeneinander aus wie ökologisch und konventionell arbeitende Unternehmen.

Als Beispiel für akute Schwierigkeiten, mit denen Landwirte zunehmend zu kämpfen hätten, nennt Mesecke die Wolfsdiskussion, bei der Deutschland an anderen Ländern vorbei eigene Lösungen schaffe. Dabei werde der Tierschutzaspekt in der Landwirtschaft überhaupt nicht berücksichtigt. Mit der brandenburgischen Wolfsverordnung könnten sich die Bauern deshalb nicht einverstanden erklären.

Als noch schlimmer bezeichnet er die Situation bei den Milchbetrieben. Aufgrund der niedrigen Preise für gelieferte Milch sei die Existenzfrage noch nie so offen angesprochen worden. Allein in der Uckermark haben nach Angaben des Verbandes wiederum sieben Betriebe innerhalb eines Jahres aufgegeben. "Da hängt das Schicksal von Familien dran", so Mesecke. Ebenso jahrelange Zuchterfolge. Um die Situation zu verbessern, müssten endlich Instrumente geschaffen werden, um die Milcherzeugung planbar zu machen. Dies könne zum Beispiel durch eine geforderte Preisuntergrenze geschehen.

Der Bauernverband bekennt sich auch zur Einhaltung des Tierwohls. In der Diskussion um Massentierhaltung in der Landwirtschaft sei in Brandenburg ein Kompromiss geschlossen worden. Bei der Betrachtung des Tierschutzes müsse man aber feststellen, dass vor allem private Tierhalter häufig vollkommen überfordert seien. Allerdings räumt Mesecke auch ein, dass ebenso Landwirte negativ auffielen. "Wir haben ein Leitbild zur Tierhaltung. Und wir zeigen allen ehrlich interessierten Menschen unsere Ställe."

Kritik von Bauern kommt auch immer wieder zur EU-Förderung. So würden eigentlich für den ländlichen Raum gedachte Mittel nicht direkt dem privatgewerblichen Sektor zur Verfügung stehen. Stattdessen hätten Projekte der Daseinsvorsorge und andere Zielstellungen von öffentlicher Seite Vorrang.

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