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Am Sonnabend wird neues digitales Kirchturm-Uhrwerk eingeweiht / Nach rund 60 Jahren wieder Geläut

Döbberinern schlägt die Stunde

Ines Weber-Rath / 30.06.2017, 07:00 Uhr
Döbberin (MOZ) Die Döbberiner und Freunde des kleinen Zeschdorfer Ortsteils sind am Sonnabend Nachmittag in die Dorfkirche eingeladen, um einen weiteren Meilenstein in der Ortsgeschichte zu feiern: Nach der Orgel funktioniert auch die Kirchturmuhr wieder. Sie hat ein neues Uhrwerk bekommen, das es auch ermöglicht, die Glocke zu schlagen.

Mehr als zehn Jahre sind vergangen, seit Initiatoren aus dem Döbberiner Heimat- und Kulturverein begannen, sich der alten Kirchturmuhr anzunehmen. Die hatte seit der Mitte der 50-er Jahre still gestanden. Das mechanische Kirchturmuhrwerk des Kaiserlich-Königlichen Hof-Uhrmachers Albert Eppner hatte bis dahin etwa 75 Jahre lang die Zeiger der Uhr gedreht und den Döbberinern die Stunde geschlagen. Nun übernimmt ein digitales Funkuhrwerk diese Aufgabe. Es wird am Sonnabend, um 15 Uhr, in der Dorfkirche feierlich eingeweiht.

"Möglich war das nur dank vieler Spenden der Döbberiner, des Alt Zeschdorfer Agrarbetriebes, der Gemeinde und anderer Unterstützer", betont Helke Baltz. Die Neu-Döbberinerin ist seit März die 1.Vorsitzende des Döbberiner Heimat- und Kulturvereins. Als die nötigen rund 6500 Euro Spendengeld zusammen waren, konnte die Gemeinde im Frühjahr den Auftrag zur Herstellung des neuen Uhrwerks an ein Heidenauer Unternehmen erteilen.

Wie mit der eben beendeten Restaurierung der Sauerorgel, hätten die Döbberiner mit dem Kirchturmuhr-Projekt einen weiteren wertvollen Beitrag zum Erhalt des kulturellen Erbes des Dorfes und der Region geleistet, lobt Helke Baltz.

Das 125 Jahre alte ursprüngliche Uhrwerk, dessen Instandsetzung der Frankfurter Hobby-Uhrmacher Frank Reimer 2004 in Angriff genommen hatte, hat im Vorraum der kleinen Döbberiner Dorfkirche einen Ehrenplatz bekommen. Die im Uhrenwerk im schlesischen Silberberg hergestellte Mechanik ist ein Zeugnis historischer Uhrmacherkunst.

Ortsvorsteher Mario Hartmann hat dafür gesorgt, dass auf zwei Messingschildern am alten Uhrwerk an die restauratorische Leistung von Frank Reimer und von Waldemar Kunckel erinnert wird. Letzterer hatte 2005/06 die vier Zifferblätter und Zeiger der Kirchturmuhr restauriert. Das erste Spendengeld war damals anlässlich der 600-Jahrfeier Döbberins 2005 geflossen.

Die Uhr hatte daraufhin den Döbberinern eine Zeit lang auch wieder - mehr oder weniger genau - die Zeit angezeigt. Jedoch nur, weil es der damalige Ortsvorsteher Ralf Tomczik auf sich nahm, jede Woche einmal auf den Kirchturm zu klettern und die Uhr aufzuziehen. Denn nur für so lange reichte die Mechanik. Als Ralf Tomczik aus Döbberin wegzog, stand die Kirchturmuhr wieder still.

"Ich habe den Job als Ortsvorsteher, aber nicht den des Uhr-Aufziehers übernommen", sagt Mario Hartmann. Er wollte zudem, dass die Kirchturmuhr wieder voll funktioniert: Bis dahin hatte sie nur auf den Zifferblättern an der West- und Ostseite des Turms die Zeit angezeigt. Und es gab keine Kopplung zur Glocke. Die wurde nur zu besonderen Anlässen per Seil vom Döbberiner Ralf Beier geläutet.

Das hat sich mit dem neuen Uhrwerk jetzt geändert. Die elektronische Steuerung betätigt einen Magnethammer, der anstelle der beiden einstigen schweren Metallhammer jetzt die Glocke aus dem 14. oder 16. Jahrhundert - die Angaben dazu gehen auseinander - schlägt.

Zur Einweihungsfeier am Sonnabend, um 15 Uhr, wird die Glocke drei mal schlagen, bevor Pastorin Rahel Charlotte Mielke eine Andacht hält und Barbara Krüger aus Lietzen die Döbberiner Sauerorgel erklingen lässt.

Ob es dabei bleibt, dass das neue Uhrwerk jede volle Stunde anzeigt, auch die Nacht hindurch, muss sich zeigen. Bei der von ihm gestarteten Befragung dazu hätten sich 80 Prozent der Döbberiner für ein durchgehendes Stunden-Geläut ausgesprochen, sagt Ortsvorsteher Hartmann. Er hat im Vorfeld der Uhr-Weihe zwei alte Psalmen-Tafeln aufgearbeitet, die er im Turm gefunden hatte. Im Kirchenvorraum wird auf ihnen jetzt den Sponsoren der Orgel- und Uhr-Rekonstruktion gedankt.

Im Anschluss an die Andacht laden Heimatverein und Kirchengemeinde am Sonnabend zu einem gemütlichen Beisammensein und zum Gedankenaustausch ein. Denn weitere Ideen gibt es längst. Die Kirche selbst müsste dringend saniert werden, meint Mario Hartmann.

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