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Trauer um Ekkehard Hinke

Setzte sich sein Leben lang aktiv für die Natur ein: Ekkehard Hinke (9.Januar 1939 bis 29. Juni 2017)
Setzte sich sein Leben lang aktiv für die Natur ein: Ekkehard Hinke (9.Januar 1939 bis 29. Juni 2017) © Foto: MZV
Brian Kehnscherper / 30.06.2017, 18:44 Uhr
Linum (kus) Ekkehard Hinke ist tot. Der Naturschützer und Kranich-Experte, den die meisten freundschaftlich Ekke nannten, verstarb am Donnerstag im Alter von 78 Jahren nach kurzer aber schwerer Krankheit auf der Intensivstation im Hennigsdorfer Krankenhaus.

Sein Fernglas und eine Thermoskanne mit Tee hatte Hinke fast immer mit dabei. Wenn es um den Naturschutz und um Kraniche ging, war Hinke kein Weg zu weit und kein Morgen zu früh. Trompeteten die Zugvögel in Linum war Hinke nicht weit. Als ehrenamtlicher Rastplatz-Betreuer sorgte er über Jahre dafür, dass die anmutigen Tiere während ihrer Zugpause nicht gestört wurden. Er verhandelte mit Landwirten, organisierte Ablenkfütterungen und führte Statistik.

"Ekke war hier eine der Leitfiguren - einer, der andere mitreißen konnte, auch viele junge Leute", sagt Dr. Norbert Schneeweiß von der Naturschutzstation Rhinluch. Hinke sei ein ausgesprochener Menschenfreund gewesen. Er habe jeden für die Natur sensibilisieren und begeistern können. "Ihm ging es dabei aber nicht darum, alles zu verbieten und eine Käseglocke darüber zu stülpen", so Schneeweiß.

In Linum, wo er einst auch lebte, war Hinke ein verlässlicher Vermittler. "Er hat uns allen die Kraniche sehr nahe gebracht und mit seinem Engagement sehr viel geschafft", sagt Ortsvorsteherin Wilma Nickel, die bis vor Kurzem noch mit ihm an neuen Projekten für die naturinteressierten Touristen gearbeitet hat. Die Belange des Dorfes und des Naturschutzes seien nicht immer auf einer Linie. "Es gab oft Pro und Kontra. Aber zum Schluss ist man mit Ekkehard immer auf einen Nenner gekommen", so Nickel. Die Trauer um Hinke ist auch beim Landschaftsförderverein Oberes Rhinluch groß. Dort war der Hennigsdorfer, der einst im Stahlwerk arbeitete, seit Anfang der 1990er-Jahre Mitglied. "Er war wie Hans Dampf in allen Gassen", beschreibt der Vereinsvorsitzende Sebastian Bartsch den aktiven Mann mit dem grauen Bart. Hinke hat nicht nur in jedem Herbst die Kranichzählung mit vielen Ehrenamtlern organisiert. Auch Einsätze des Vereins im Linumer Teichgebiet koordinierte er. Neben den Kranichen hatte es ihm auch die Vogelwelt vor seiner Haustür in den Hennigsdorfer Havelwiesen angetan. Jedes Jahr luden er und befreundete Naturliebhaber zu einer vogelkundlichen Wanderung über die Dämme der Havelwiesen ein.

Sein Interesse für die Kraniche und die Natur führte ihn in den vergangenen Jahren fast um die ganze Welt. Er bereiste unter anderem Japan, Korea, China, Schweden, Frankreich, Südafrika und Polen, wo er auch Freunde und Mitstreiter fand. An manchen Abenden berichtete er in Vorträgen von seinen Reisen.

Politisch war Hinke in der SPD in Hennigsdorf aktiv. Als Stadtverordneter sei er "zwar eigensinnig", aber "grundsätzlich immer ansprechbar, offen und hilfsbereit" gewesen, teilten seine Genossen mit. Wichtig war Hinke die Aufarbeitung der NS-Geschichte. Zufällig traf er vor mehr als zehn Jahren die ehemalige Zwangsarbeiterin Leokadia Korzelska bei ihrem ersten freiwilligen Besuch in Hennigsdorf. Von 1942 bis 1945 war sie eine von vielen Frauen, die Zwangsarbeit in den Fabriken der AEG leisten mussten. Hinke konnte das Herz der alten Dame gewinnen. Aus dieser Begegnung haben sich rege gegenseitige Besuche entwickelt und es ist eine innige Freundschaft entstanden. Leokadia Korzelska ist am 20.April gestorben. Hinke führte die Delegation der sozialdemokratischen Senioren zur Beisetzung nach Warschau an.

Ekkehard Hinke war es nicht mehr vergönnt, ein ganz großes Dankeschön entgegenzunehmen. Am 20. Juni sollte ihm im Potsdamer Landtag die Medaille des Landes zur Anerkennung von ehrenamtlichen Verdiensten verliehen werden.

Sowohl Ortsvorsteherin Wilma Nickel als auch Sebastian Partzsch vom Landschaftsförderverein sagen, dass Hinke "große Fußstapfen" hinterlässt. Die Linumer Naturschützer haben mit dem Tod von Ekke nicht nur einen "ganz wichtigen Helfer und eine tragende Figur" verloren. "Ich verliere damit auch seinen sehr guten Freund", sagt Norbert Schneeweiß.

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