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Junge Kamerunerin nimmt Neues zur Landwirtschaft mit

Arbeiten unterm Bio-Siegel

Evokolo Nangoh aus Kamerun will in Lobetal lernen, wie hier mit Tieren gearbeitet wird.
Evokolo Nangoh aus Kamerun will in Lobetal lernen, wie hier mit Tieren gearbeitet wird. © Foto: Renate Meliß
Renate Meliß / 30.06.2017, 19:36 Uhr
Lobetal (MOZ) "Brot für die Welt", weltweites Entwicklungswerk der evangelischen Kirche, ist in über 90 Ländern aktiv. Nach Lobetal hat dieses Netzwerk Evokolo Nangoh vermittelt. Die Kamerunerin sammelt Erfahrungen in der Landwirtschaft, hilft im Tagesförderbereich.

Der Morgen ist frisch, noch liegt der Tau auf den Gräsern. Als die ersten Sonnenstrahlen den nahen Waldrand erreichen, ist Evokolo Nangoh bereits dabei, den Zaun für ein neues Gatter zu errichten. Von der Weide nebenan muhen glückliche Kühe. Schwarz-weiß gefleckte Holstein-Frieser-Jungrinder, denen es gut geht. Rings herum nur Felder, Wiesen und Weiden zwischen Himmel und Erde, die zur Landwirtschaft der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal gehören.

Evokolo ist seit letztem Herbst auf Vermittlung von "Brot für die Welt" als Bundesfreiwillige in Lobetal. Das weltweite Entwicklungswerk unterstützt gemeinsam mit lokalen Partnern arme und ausgegrenzte Menschen, die aus eigener Kraft ihre Lebenssituation verbessern sollen. Das ist auch mit Bildung und Wissen möglich.

Evokolo Nangoh unterstützt innerhalb eines Praktikums die Arbeit im Tagesförderbereich sowie in der Landwirtschaft der Hoffnungstaler Stiftung. Die 24-Jährige kommt aus dem Kamerun. "Ich habe mein Studium der Landwirtschaft an der Katholischen Universität in Kamerun abgeschlossen und bin im Juli letzten Jahres nach Deutschland gekommen. Hier habe ich zunächst einen Sprachkurs absolviert", erzählt Evokolo, deren Name in Kamerun "Wilder Vogel" bedeutet. Wichtig ist ihr, hier viel zu lernen, um es zuhause anwenden zu können. "Vor allem, wie hier mit den Tieren und in der Landwirtschaft gearbeitet wird. Im Kamerun ist die Arbeit mit den Tieren reine Männerarbeit. Und wir haben kaum Technik, denn die können sich nur die Reichen leisten. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. Da wird noch alles traditionell mit viel Handarbeit erledigt. Die Kühe bei uns geben auch nicht so viel Milch wie hier. Etwa nur drei bis vier Liter pro Tag. Sie sind auch das ganze Jahr draußen und fressen nur Gras. Und in der Trockenzeit bei großer Hitze haben die Tiere richtig Stress. Aber unsere Kühe werden ausschließlich zur Fleischproduktion gezüchtet. Deshalb kann man das auch nicht so direkt vergleichen."

In Lobetal werden die Kühe für die Milchproduktion gezüchtet, bekommen viel mehr und auch anderes Futter, wie Luzernegras, Süßlupinen oder Futtererbsen und Eiweiß. Dass hier alles Bio ist, findet Evokolo toll, denn der Mist wird auf die Felder gebracht, dient zum Düngen der Pflanzen, welche die Tiere dann wieder als Futter erhalten.

Etwa 60 Milchkühe und 150  Jungrinder gibt es in Lobetal sowie 220 Hektar Ackerland. Mit den Betrieben an den anderen Standorten in Dreibrück, Blütenberg sowie Reichenwalde werden etwa 662 Hektar bewirtschaftet. Zweimal täglich werden die Kühe gemolken und geben im Schnitt bis zu 30 Liter Milch.

Landwirtschaft wird in Lobetal seit der Gründung im Jahr 1905 betrieben. Damit ist dies eines der traditionsreichsten Arbeitsfelder der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, seit zehn Jahren auch unter dem Siegel der ökologischen Landwirtschaft. Gerade rollt der Traktor mit Trinkwasser für die Tiere über die Wiese. Aufgeregtes Muhen beginnt. Die Jungrinder wedeln mit dem Schwanz. Die Sonne ist inzwischen höher gestiegen.

Evokolo erzählt von ihrer Arbeit. Dazu gehört das Melken mit der Melkmaschine, das Füttern und Ausmisten der Tiere. Sie erinnert sich an den Winter, es war ihr erster und auch der erste Schnee. "Das war schlimm für mich - diese Kälte. Aber der Schnee war ein sehr schönes Erlebnis." Sie lacht und ihre weißen Zähne blitzen.

Etwa fünfzehn Bewohner betreut Evokolo zudem gemeinsam mit anderen Betreuern im Tagesförderbereich, den sie wöchentlich mit der Arbeit in der Landwirtschaft wechselt. "Wir arbeiten kreativ, gehen spazieren, bereiten Essen zu. Ich war überrascht, wie viel diese Menschen können", sagt sie. "Am Anfang war es schwer, weil ich noch nie Kontakt mit behinderten Menschen hatte. Aber sie sind alle so freundlich und süß", lacht sie. Wenn Evokolo Ende August in ihre Heimat zurückkehrt, möchte sie in verschiedenen Projekten, die von der Regierung in Kamerun unterstützt werden, arbeiten, vor allem bei der Beratung in der heimischen Landwirtschaft. "Es geht darum, wie wir unsere Landwirtschaft verbessern können. Was können wir zum Beispiel auch anpflanzen? Wie können wir die Arbeit erleichtern?" Evokolo, die hier in einer Wohngemeinschaft lebt, telefoniert oder chattet mitunter mit ihrer Familie und freut sich schon aufs Wiedersehen. "Doch ich werde die Menschen hier auch vermissen. Hier habe ich viele nette Leute kennengelernt", resümiert sie schon jetzt.

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