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Eva Schulze und Margarete Huber begeistern mit barocken Arien und Sonaten in der Schinkelkirche / Auch Improvisationen mit dem Publikum

Klassik trifft Avantgarde beim Cöthener Kultursommer

Schöner Kontrast nicht nur zum Wetter: Eva Schulze am Cembalo und Margarete Huber in ihren roten Kleidern. Die Farbwahl für diesen Abend sei purer Zufall gewesen, hieß es.
Schöner Kontrast nicht nur zum Wetter: Eva Schulze am Cembalo und Margarete Huber in ihren roten Kleidern. Die Farbwahl für diesen Abend sei purer Zufall gewesen, hieß es. © Foto: MOZ/Anett Zimmermann
Anett Zimmermann / 03.07.2017, 07:19 Uhr
Cöthen (MOZ) Vom Regen draußen war am Freitagabend in der Cöthener Schinkelkirche nichts zu hören. Stattdessen drangen kräftiger Gesang und eher zarte Cembaloklänge nach draußen. Fast so, als würden sie noch den einen oder anderen Vorbeikommenden hinein locken wollen. Drinnen freute sich die Fördervereinsvorsitzende Marlies Sydow über 35 aufmerksame und mitgehende Zuhörer zum Auftakt, wohl wissend, dass beim Kultursommer "Sommers Blau" in der Cöthener Kirche auch schon mal an die 80 Besucher in den Reihen gezählt worden sind. "Und der Aufwand für die Veranstaltungen ist doch enorm", sagte sie. So musste diesmal später noch das in Rot gehaltene Cembalo von Eva Schulze wieder abgeholt werden.

Mit Sopranistin Margarete Huber hatte sie im ersten Teil des Abends mit barocken Arien und Sonaten von Grandi, Händel, Lully, Couperin und Purcell begeistert. Inge Gellert, Initiatorin und Koordinatorin des Kultursommers, heizte dem ohnehin schon stark applaudierenden Publikum zusätzlich ein und so gab es als Zugabe noch Vivaldis "Se a me rivolge il ciglio".

Toll, wenn man fremde Sprachen so beherrscht, raunte eine Frau ihrer Nachbarin bei der Ankündigung der Arie zu. Und nicht ausgeschlossen scheint, dass die beiden Musikerinnen auch ein drittes Mal gemeinsam nach Cöthen kommen könnten. Das jedenfalls war dann in einem der zahlreichen Pausengespräche herauszuhören. Ein Gast wandte sich dabei direkt an Eva Schulze und wünschte sich Bachs "Wohltemperiertes Klavier". "Das ist eine sehr gute Idee", meinte die Cembalistin, selbst fast ein bisschen erstaunt, denn mit Klavier waren zu Bachs Zeiten alle Tasteninstrumente gemeint. Weil das Werk allerdings so bekannt ist, komme es selbst ihr seltener für ein neues Programm in den Sinn.

Inge Gellert warb unterdessen für ordentlichen Austritt (statt Eintritt) und längeres Bleiben, sollte es bei "Klassik trifft Avantgarde" doch mehrere Überraschungen geben. Neben Kristoff Becker am Cello, sonst bekannt als Stummfilmvertoner, saß dabei Margarete Huber an der Orgel und überredete sogar Eva Schulze zur gemeinsamen Improvisation. Zudem forderte die Sängerin das Publikum zu Zischlauten auf und der Cöthener Uwe Berger griff zur Rassel, auch Gläsern, die er mit Wasser füllte, und zu einem Löffel, mit dem er obendrein noch einen Holzkasten zum Klingen brachte.

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