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Carmen Orlet und Hugo Dietrich gestalten Regine-Hildebrandt-Abend auf dem Kunsthof Lietzen

Sensible Annäherung an eine Power-Frau

Regine Hildebrandts Nachbarn: Carmen Orlet und Hugo Dietrich erzählen in ihrem Programm "Liedergeschichten" von der ungewöhnlichen Frau aus Woltersdorf
Regine Hildebrandts Nachbarn: Carmen Orlet und Hugo Dietrich erzählen in ihrem Programm "Liedergeschichten" von der ungewöhnlichen Frau aus Woltersdorf © Foto: Heike Mildner
Heike Mildner / 05.07.2017, 06:40 Uhr
Lietzen (MOZ) Tief hinein in das Leben der Regine Hildebrandt ging es auf dem Kunsthof Lietzen. Noch lange nach den "Liedergeschichten" von Carmen Orlet und Hugo Dietrich saß man zusammen, um Erinnerungen zu teilen und den Anregungen des Abends für das Hier und Heute nachzuspüren. Stand doch in den Liedern und Texten der beiden Künstler weniger die Politikerin als der Mensch Regine Hildebrandt im Vordergrund - ihr Leben, ihre Motivation, ihr Glaube, ihr Wirken für ein menschenfreundlicheres Miteinander im Kleinen wie im Großen.

Ein Brief, den Regine Hildebrandt 1999 an ihre Enkel Franz, Antonia und Cecilia schrieb, fungiert als leitmotivisches Rückgrat der "Liedergeschichten". Darin erzählt sie von den gesellschaftlichen Gegebenheiten ihrer eigenen Kindheit (Flucht, Nachkriegsjahre), von der Kindheit ihrer Kinder (geteiltes Deutschland) und beschreibt die Herausforderungen für ein gelingendes Leben im wiedervereinten (Konsum-)Deutschland.

Die Lieder setzen sich mit dem Brief collageartig in Beziehung, kommentieren, vertiefen, erweitern dessen Gedanken. Es entsteht ein neues Ganzes, das mehr ist als die Summe seiner Teile. Die meisten Lieder singt Carmen Orlet, stimmungsvoll und facettenreich, an der Gitarre virtuos begleitet von Hugo Dietrich. Viele Lieder stammen aus der Feder von Gerhard Gundermann (1955-1998), dem baggerfahrenden Liedermacher. Neben populären wie "Vögelchen", "Weißt du noch" oder "Nur'n Lied" sind auch eher unbekannte dabei, wie der Tango von der Demokratie, den Hugo Dietrich in der Hoyerswerdaer Band "Brigade Feuerstein" noch gemeinsam mit Gundermann sang. Auch Titel wie "Nach Süden" (Lift) und "Paragraph 218" (Brecht, Eisler) setzen Akzente, besonders aber die neuen, speziell für dieses Programm geschriebenen Lieder mit Texten von Tobias Burger, vertont von Hugo Dietrich.

Das melancholische "Wind, Wind" knüpft eindrucksvoll an die Seite von Regine Hildebrandt an, die sich bei aller Bodenständigkeit über den Alltagstrubel hinweghebt, sich über Natur- und Vogelbeobachtung mit göttlichem Geist verbindet und daraus neue Kraft schöpft. "Erinnern tut gut" greift ganz konkrete Beobachtungen bei einem Spaziergang am Woltersdorfer Flakensee auf. Carmen Orlet und Hugo Dietrich wohnen an diesem See, schräg gegenüber steht das Mehrgenerationenhaus der Hildebrandts. Auch darum wohl verloren die beiden Musiker ihr Vorhaben, ein Programm über die "Mutter Courage des Ostens" zu machen, über viele Jahre nicht aus den Augen. Die Annäherung ist gelungen und sehr sensibel. Im Herbst wird ein Mitschnitt des Programms aus der Woltersdorfer Kirche auf CD erscheinen.

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