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Brutzeit auf der Farm Liebenstein

Kleine Strauße starten ins Leben

Züchterin Katrin Krampitz kontrolliert die Aufzucht des Nachwuchses im Brutkasten jeden Tag.
Züchterin Katrin Krampitz kontrolliert die Aufzucht des Nachwuchses im Brutkasten jeden Tag. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Julia Lehmann / 07.07.2017, 07:50 Uhr
Hohenfinow (MOZ) Brutzeit ist die schönste Zeit: Auf der Straußenfarm Liebenstein in Hohenfinow schlüpft nun wöchentlich der Nachwuchs aus den Eiern. Über 20 Jungtiere sind bereits hinzugekommen. Bis in die erste Augustwoche wird das kleine Wunder noch mehrfach zu erleben sein.

Erschöpft kauert das Straußenküken in seinem Ei. Ein mehrere Zentimeter breites Loch hat das Kleine bereits geschafft, in seine Schale zu schlagen. Der Schnabel und die schon jetzt kräftigen Beine helfen ihm dabei. Ein kräftezehrender Akt, von dem sich das Jungtier immer wieder erholen muss. Durch das Loch ist bereits der Kopf mit Gefieder und einem der großen Augen zu erkennen. Bis es sich ganz aus dem Ei befreit hat, kann es mehrere Stunden dauern. So läuft es in der Natur und so läuft es auch auf der Straußenfarm Liebenstein in Hohenfinow. "Nur ganz selten helfen wir mal nach", sagt Katrin Krampitz. Auf der Straußenfarm ist wieder Brutzeit. Bis in den August hinein schlüpfen dort nun jede Woche eine Handvoll kleiner Strauße.

Eine besondere Zeit auf dem Hof und beeindruckend anzusehen noch dazu. Zuerst bekommt die dicke Schale des Eies einen kleinen Knacks. Anschließend ein Loch, das immer weiterwächst. Irgendwann wird ein Bein, Gefieder oder ein Flügel sichtbar - manchmal alles gleichzeitig. So läuft das immer, berichtet Katrin Krampitz. Und trotzdem ist es immer wieder ein schön anzusehendes Phänomen. Die kleinen Strauße ziehen mit ihren großen, glänzenden Augen mächtig in ihren Bann. Ihre federlosen Beine mit den zwei Zehen und der dicken Haut erinnern stark an Dinosaurierbeine. Nach dem Schlüpfen wachsen sie durchschnittlich eineinhalb Zentimeter am Tag. In wenigen Monaten sind sie uns Menschen somit über den Kopf gewachsen. Nach einem Jahr sind sie etwa zwei Meter hoch. Männliche Tiere können bis zu 2,50 Meter groß und 130 Kilogramm schwer werden, Weibchen immerhin bis zu 1,90 Meter und 110 Kilogramm schwer.

Strauße sind die größten unter den flugunfähigen Vögeln auf der Welt. Dementsprechend groß sind auch ihre Eier und die Küken, die daraus schlüpfen. Auf dem Hohenfinower Hof können Besucher gerade verschiedene Schlupfstadien bestaunen. Die Kleinsten sind gerade dabei zu schlüpfen. Die Ältesten sind drei Wochen alt. Über 20 der Neuankömmlinge hat die Familie Krampitz in diesem Jahr schon bei sich begrüßen können. Die Brut erfolgt immer gleich. Die Eier werden den Altvögeln nach Ablage aus den Nestern genommen und im Brutkasten bebrütet. Nach 38 Tagen dort drin kommen sie in den Schlupfkasten.

Um einen gleichmäßigen Schlüpf-Rhythmus zu haben, werden die Eier stets donnerstags in den Brutkasten gelegt, bis Sonntag sind die Tiere dann geschlüpft. "Bereits in den Eiern geben die Küken Piep-Geräusche von sich, um ihre Geschwister zu animieren", erklärt Katrin Krampitz. Die 50-Jährige geht ihrem Mann Steffen bei der Zucht zur Hand, der die Farm seit 14 Jahren im Haupterwerb betreibt.

Nach dem Schlupf kommen die Kleinen, die mit einem schützenden Daunenkleid zur Welt kommen, in einen extra Bereich. Dort bleiben sie die ersten Tage. "Bis sie sicher stehen und picken können", sagt Katrin Krampitz. In der Natur verlassen die Tiere bereits nach drei Tagen das Nest und laufen mit ihren Eltern mit. In Hohenfinow haben sie ein bisschen mehr Zeit. Die Tiere nehmen es geduldig hin und schmiegen sich derweil unter einer Wärmelampe aneinander oder trainieren ihre Beinmuskulatur. Acht Wochen bleiben sie auf dem Hof, mit Schutz vor Greifvögeln. "Danach geht es in den eigentlichen Kindergarten", so die Züchterin. Strauße sind eigentlich in Afrika beheimatet und leben in der Savanne. In Hohenfinow leben sie so artgerecht wie eben möglich, können sich auf dem Gelände frei bewegen.

Mit dem zwölften Lebensmonat folgt das, wofür die Tiere bestimmt sind. Jede Woche wird eines geschlachtet. Der Familienbetrieb bringt es dazu in die Fleischerei Künkel nach Lunow-Stolzenhagen. Vereinzelt werden Tiere für die Zucht ausgewählt. Dabei hat Katrin Krampitz genaue Vorstellung davon, welche Eigenschaften so ein Zuchtstrauß haben muss: "Groß muss er sein und darf keine Aggressionen zeigen. Er muss einen vernünftigen Charakter haben." Zwölf Wurstsorten produziert der Hof. Federn, Eier und das gering im Körper vorhandene Fett werden weiterverarbeitet.

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