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Zum vorerst letzten Mal gehen 30 Sportler auf die 64,7 Kilometer beim Finowkanallauf

Ein bisschen Wehmut bei den Ultras

Start beim vorerst letzten Finowkanallauf, vorneweg Michael Brandt und der Panketaler Achim Dierkopf.
Start beim vorerst letzten Finowkanallauf, vorneweg Michael Brandt und der Panketaler Achim Dierkopf. © Foto: Andreas Gora
Britta Gallrein / 12.07.2017, 07:40 Uhr
Eichhorst (MOZ) Mit ein bisschen Wehmut gingen 30 Läufer am Sonntag auf die 64,7-Kilometer-Strecke beim Finowkanallauf. Denn es war der vorerst letzte Lauf über die Ultra-Strecke.

Rund 162 mal müsste man um einen Sportplatz laufen, um auf 64,7 Kilometer zu kommen. Aber das würde sicher nicht annähernd so viel Spaß machen wie die Strecke am Finowkanal, denn sie führt durch landschaftlich reizvolle Umgebung, entlang des Werbellinkanals und später direkt am Finowkanal entlang. Das und das kleine Starterfeld macht den Finowkanal zu einem heißen Tipp unter Ultraläufern - die auf 30 Personen reduzierten Startplätze sind daher immer sehr schnell vergeben.

Einer, der einen der begehrten Plätze ergattern konnte, war Jörn Seelig aus Schönow. Der 45-Jährige entdeckte vor zwei Jahren sein Herz für die "Ultras". "Angefangen hat es damit, dass ich mich nicht mehr richtig wohlgefühlt habe in meinem Körper, ich war einfach zu dick und faul geworden", erinnert er sich lachend. Das war vor sechs Jahren. Er begann zu joggen. Erst vier Kilometer, dann fünf. "Ich war dann ganz stolz, als ich mal zehn Kilometer geschafft hatte", sagt er. Dann hatte er Blut geleckt, trainierte weiter. Als er davon las, dass es anlässlich des Jubiläum des Mauerfalls einen Halbmarathon in Teltow gab, war er Feuer und Flamme. "Den Anlass fand ich toll, also hab ich das mal versucht." Der Schönower merkte - die langen Kanten liegen ihm. Ein halbes Jahr später lief er den ersten Marathon und schon im November seine erste Ultra-Strecke. Inzwischen ist er voll infiziert.

"Langweilig wird es nie", findet er. Wenn er drei- bis fünfmal pro Woche trainiert und dabei zwischen zehn und 25 Kilometer zurücklegt, hat er Musik dabei. "Ich stehe oft um 5 Uhr auf und laufe dann vor der Arbeit. Oder eben am Wochenende", verrät er, wie er das zeitaufwendige Training neben Familie und Job hinkriegt. Damit es während eines Wettkampfs nicht monoton wird, gebe es ein einfaches Mittel. "Ich laufe ja gemütliches Tempo, bei dem man sich noch unterhalten kann. Das wird dann auch nie langweilig", versichert er.

30 Läufer waren am Sonntag in Eichhorst am Start, um entweder die gesamten 64,7 km oder einen Teil davon laufend zu absolvieren. Das Wetter verhieß einen schönen Lauf, die Versorger im Abstand von etwa sechs bis acht Kilometer entlang der Strecke waren gut vorbereitet mit Getränken und kleinen Leckerbissen für die Läufer. Und auch der Schleusengraf in Marienwerder, der stets ein Herz für die Sportler hat, die an seiner Einkehr vorbeikommen, war mit kalten Getränken vorbereitet. Jörg Stutzke war schon mit dem Rad unterwegs, um für die Läufer die Strecke zu markieren.

Aus dem Barnim waren neben Jörn Seelig, Achim Dierkopf, Marlies Jost, Corinna Splinter und Silke Stutzke dabei. Außer Jörn Seelig nahm auch Achim Dierkopf aus Panketal die Gesamtstrecke unter die Füße, die Damen begnügten sich mit Teilstrecken zwischen 21 und 32 Kilometern. Bei Silke Stutzke hatte das ganz praktische Gründe, als Mitorganisatorin war sie doch sehr eingespannt und wurde rechtzeitig wieder erwartet, um die Laufzeiten zu erfassen, auszuwerten und die Urkunden zu erstellen.

Nach 7:45 Minuten war Jörn Seelig im Ziel, gemeinsam mit seinem Vereinskollegen Steffen Bruntsch. "Das war ganz gut, dass wir zusammen gelaufen sind", berichtet er. "Ich hatte ein wenig Fußschmerzen, weil ich vor zwei Wochen erst bei der Deutschen Meisterschaft über 100 Kilometer in Berlin gelaufen war. Und Steffen tat das Knie weh. Dadurch, dass wir uns gegenseitig gezogen haben, haben wir es aber ohne Geh-Pause geschafft, konnten uns immer wieder gegenseitig motivieren." Allerdings gibt er lachend zu: "Die letzten 20 Kilometer war es dann auch etwas ruhiger bei uns."

Mit seinem Ergebnis ist er zufrieden. "Natürlich guckt man schon auch immer etwas auf die Zeit. Ich nehme mir immer vor, um die sechs Minuten pro Kilometer zu laufen, aber momentan schaffe ich das noch nicht ganz", sagt Seelig.

Er bedauert sehr, dass es der letzte Finowkanallauf war. "Die Veranstaltung ist wirklich toll. So schön organisiert. Alle frühstücken gemeinsam und im Ziel wird man mit Applaus empfangen und der Grill ist schon an - für mich ist das die schönste Laufveranstaltung, an der ich je teilgenommen habe", verteilt er ein dickes Lob an die Organisatoren, die Familien Stutzke und sowie Jost aus Eichhorst, die sich nun eine Pause gönnen.

23 Sportler insgesamt schafften die ganzen 64,7 Kilometer von Eichhorst bis Niederfinow und wieder zurück. Gewonnen hat bei den Herren Sascha Pantel vom LG Nord Ultrateam mit tollen 5:22 Stunden. Bei den Damen war Sonia Isabel Goebel vom Team Erdinger Alkoholfrei die Schnellste, sie brauchte 6:45 Stunden.

Olaf Kampe von den Bernauer Stadtmauerläufern war mit 6:20 Stunden der schnellste Barnimer. Achim Dierkopf brauchte 6:56 Stunden.

Alle Ergebnisse unter http:// finowkanallauf.over-blog.de/

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