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Plädoyer für vernünftiges Essen

Frauen mit Visionen: Simone Peter, Bundesvorsitzende der Bündnis-Grünen trifft Köchin und Neu-Bäuerin Sarah Wiener auf ihrem Hof Gut Kerkow. Mit dabei ist Robert Schindler, Stadtverordneter in Angermünde (r.).
Frauen mit Visionen: Simone Peter, Bundesvorsitzende der Bündnis-Grünen trifft Köchin und Neu-Bäuerin Sarah Wiener auf ihrem Hof Gut Kerkow. Mit dabei ist Robert Schindler, Stadtverordneter in Angermünde (r.). © Foto: MOZ/Daniela Windolff
Daniela Windolff / 13.07.2017, 06:40 Uhr
Kerkow (MOZ) Die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen traf sich in dieser Woche mit Sarah Wiener auf ihrem Hof Gut Kerkow, um sich über ökologische Landwirtschaft und gesunde Ernährung auszutauschen und aus der Praxis zu erfahren, welche politischen Rahmenbedingungen Ökolandbau braucht.

Als Star-Köchin ist sie bekannt geworden, als Botschafterin für gesundes Essen engagiert sie sich mit ihrer Stiftung in Kitas und Schulen und als frischgebackene Bäuerin und Imkerin will sie mit dem Gut Kerkow den Beweis antreten, dass man auch einen 820 Hektar großen Betrieb als geschlossenes System ökologisch nachhaltig, wirtschaftlich und zukunftsfähig führen kann. Das vom Öko-Verband Naturland zertifizierte Gut Kerkow ist seit 2015 im Besitz von Sarah Wiener und ihren Partnern und produziert Milch und Fleischerzeugnisse in Bioqualität für Hofläden, Bio-Supermärkte und Gastronomie.

Zur Hof-Philosophie gehört das Konzept der ganzheitlichen Landwirtschaft. Vom Futteranbau über die Tieraufzucht bis zur eigenen Schlachtung und Verarbeitung sowie dem Verkauf findet alles in geschlossenen Kreisläufen an einem Ort statt. Das findet man heute kaum noch irgendwo in Deutschland.

Für Sarah Wiener ist es ein Weg, dem, was sie als "Basis der Zivilisation" bezeichnet, wieder mehr Respekt und Beachtung zu schenken: dem Essen. "Das sage ich nicht nur als Köchin. Das sage ich auch aus Verantwortung für unsere Umwelt, für die Natur und ihre Geschöpfe. Wir müssen wieder lernen, vernünftig zu essen. Und dazu gehört, Nahrungsmittel so natürlich wie möglich zu belassen, vom Rohstoff bis zur Verarbeitung", betont Sarah Wiener. Damit trifft sie voll den Nerv von Simone Peter. "Wir müssen eine gesamtgesellschaftliche Debatte führen, was sind uns Lebensmittel wert? Was sind uns Umwelt und unsere Gesundheit wert, wenn wir an die enormen Belastungen durch Antibiotika oder Nitrate aus der industriellen Massentierhaltung denken?"

Die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen besucht auf ihrer Sommertour viele landwirtschaftliche Betriebe. "Wir erleben, dass auch die konventionellen Landwirte enorm unter Druck stehen. Es gibt ein massives Höfesterben. Es kann nicht sein, dass die klassische bäuerliche Landwirtschaft keine Existenz mehr hat", sagt Simone Peter und kritisiert, dass die Agrarlobby konventionelle und Öko-Bauern gegeneinander ausspielt. Da stimmt Sarah Wiener zu: "Wenn ich als Bäuerin zum Feind meines Nachbarn gemacht werde, stimmt das System nicht. Es gibt nicht nur einen Weg."

Die Stellschrauben für die Politik seien riesig, bestätigt Simone Peter. Als Grünen-Politikerin steht sie dafür ein, den Ökolandbau zu stärken und strengere Grenzwerte für den Einsatz von Antibiotika oder Nitrate einzuführen sowie Viehbestände zu begrenzen. Das müsse jedoch auch auf EU-Ebene diskutiert und die jährlich 60 Milliarden Euro Subventionen auch nach ökologischen und sozialen Aspekten gerechter verteilt werden. Zukunftsfähige Landwirtschaft müsse ökonomische, ökologische und soziale Aspekte miteinander verknüpfen.

Auf Gut Kerkow gehört das zur Philosophie. Der Hofleiter wohnt mit seiner sechsköpfigen Familie im Gutshaus. Eines der denkmalgeschützten Gebäude wurde ebenfalls als Wohnhaus für die Mitarbeiter saniert und auch ein Wohnheim für Lehrlinge gibt es. Man soll nicht nur zur Arbeit auf den Hof kommen, sondern sich als Gemeinschaft fühlen.

Gut Kerkow gilt als Vorbild für ganzheitliche und artgerechte Tierhaltung. Eine siebenjährige Fruchtfolge wurde eingeführt, um den Boden natürlich zu verbessern. Die Herden wurden verkleinert, um mehr Platz pro Tier zu haben. Außerdem werden sie schrittweise auf die alte Haustierrasse Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind umgestellt und die Ammenkuhhaltung eingeführt, bei der die Kälbchen in den ersten Monaten nach der Geburt bei den Müttern bleiben, erklärt Sarah Wiener den Politikern bei der Hofführung. Es ist ein Weg zu nachhaltiger Landwirtschaft.

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