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Sven Klamann 17.07.2017 06:40 Uhr - Aktualisiert 17.07.2017 14:28 Uhr
Red. Eberswalde, eberswalde-red@moz.de

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Klassik-Experiment auf Holzpaletten

Eberswalde (MOZ) Spätestens als das Publikum am Freitagabend auch nach der erklatschten Zugabe minutenlang nicht damit aufhören wollte, Beifall zu spenden, stand fest, dass das Experiment geglückt war. Erstmals hatte es auf dem Hof der alternativen Kultur- und Begegnungsstätte ein Klassikkonzert unter freiem Himmel gegeben.

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Romatische Klänge an einem ungewöhnlichen Ort: Wo sonst vor allem Punk zu hören ist, lauscht das Publikum Chopin, Rachmaninow, Liszt und Filmmusik.

© MOZ/Thomas Burckhardt

Der Pianist Ulugbek Palvanov, in Usbekistan geboren und in Berlin zu Hause, ist schon an exotischeren Orten aufgetreten. "Zum Beispiel auf einem Klosterberg auf einer griechischen Insel - mit Blick aufs Mittelmeer", erinnert sich der mit zahlreichen Preisen bedachte Musiker von Weltrang. Und auch Klassikkonzerte an der frischen Luft sind für ihn beinahe Alltag. Zu seinen häufigen Open-Air-Auftritten in Dresden kommen bis zu 1000 Besucher. Dennoch dürfte der Auftritt von Ulugbek Palvanov im Exil auch für ihn etwas Besonderes gewesen sein. Wegen der berührenden Geschichte des Ortes, der ein Außenlager des KZ Ravensbrück beherbergte, in dem Zwangsarbeiterinnen unter unmenschlichsten Bedingungen hausten. Und weil das Exil heute vor allem als Treffpunkt der Punkszene bekannt ist, in der sich die meisten Lieder so anhören, als würden sie gegrölt und nicht gesungen. Zugleich ist die Stätte aber auch der Proben- und Aufführungsort des Eberswalder Kanaltheaters, zu dessen vielbeachteten Produktionen Anastasia Suvorov, Wahl-Eberswalderin mit Wurzeln in Nowosibirsk, Russland, die Musik beisteuert. Die gute Freundin des Pianisten hatte Ulugbek Palvanov zu diesem Abstecher überredet, den er nicht zu bereuen brauchte.

Das Ambiente allerdings war speziell: Der Flügel, eine Leihgabe von Anastasia Suvorov, stand auf einer provisorisch gezimmerten Bühne, die an jeder Ecke auf vier übereinandergestapelten Paletten ruhte. Fünf Scheinwerfer tauchten den Musiker und das Instrument in ein sanftes Licht, drei Mikrofone sorgten dafür, dass auch die leisesten Töne nicht verloren gingen. Über die Bühne war ein Zelt gespannt - ein Schutz vor Regen, der sich schließlich als überflüssig herausstellen sollte. Etwa 60 zahlende Zuschauer hatten sich im Exil eingefunden - und lauschten vom ersten Stück an, dem "Scherzo Nr. 2" von Frédéric Chopin, begeistert den Tastenspiel Ulugbek Palvanows.

Im ersten Teil seines Konzertes kam der Pianist ohne Noten aus. Aus dem Kopf trug er noch den bekannten fünften Abschnitt aus dem Klavierzyklus "10 Préludes op 23" von Sergej Rachmaninow und den "Mephisto-Walzer" von Franz Liszt vor. Nach der Pause ging es mit Filmmusik weiter - und Ulugbek Palvanov spielte vom Blatt. Zu hören waren unter anderem Melodien aus "Herr der Ringe", "Forest Gump" oder "Love Story".

Ein Kontrapunkt zu diesem Klassik-Erlebnis wird am 25. Juli ab 20 Uhr geboten. Da treten die Antifa-Ska-Core-Punker von The Dead President aus Moskau auf.

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