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Teuflische Bass-Klänge aus Bötzow

Komponiert selbst: Paul Vogler in seinem Heimstudio. In Bötzow schreibt er seine Songs und Melodien. "Zuerste kommt der Text, dann der Klang", verrät der 42-Jährige. Seine Musik ist mal brachialer, mal melancholischer Rock.
Komponiert selbst: Paul Vogler in seinem Heimstudio. In Bötzow schreibt er seine Songs und Melodien. "Zuerste kommt der Text, dann der Klang", verrät der 42-Jährige. Seine Musik ist mal brachialer, mal melancholischer Rock. © Foto: MZV
Marco Winkler / 18.07.2017, 06:25 Uhr
Bötzow (ORA) Paul Vogler pendelt musikalisch zwischen fetten Gitarrenriffs und melancholischen Akustikklängen. Der 42-Jährige will nach seinem Ausstieg aus der Band Ziethen jetzt alleine durchstarten - von seiner Heimat Bötzow aus.

Die Hecken sind akkurat geschnitten, der Rasen scheinbar mit der Nagelschere Halm für Halm gestutzt. Die Zäune frisch gestrichen, das Blau der Pools auf den Grundstücken makellos. Kaum vorstellbar, dass diese Vorstadt-Idylle, die einem amerikanischen Film entsprungen sein könnte, auch zu brachialer Lautstärke fähig ist. Doch der Schein trügt - wie auch in einem US-Streifen. Dafür sorgt Paul Vogler in Bötzows Mustergegend. Hinter der Fassade bastelt er im eigenen kleinen Tonstudio an epischer Musik. Laut, energisch, mitreißend. Doch der Weg ist steinig. Nicht wegen der Nachbarn, die werden von den Rock-Riffs gar nicht tangiert, sondern wegen fehlender Musiker für die Solo-Karriere.

Aber der 42-Jährige bleibt entspannt. "Ich kann ganz in Ruhe mein Ding machen, kein Zwang mehr", sagt er. "Und wenn ich mal keine Lust habe, dann mache ich eben nichts." Das war einmal anders. Paul Vogler gehört zu den Gründungsmitgliedern der Band Ziethen. "Die gibt es noch, aber ohne mich." Ende 2016 verließ er die Band wegen musikalischer Differenzen. "Wir hatten verschiedene Vorstellungen vom Vorankommen." Doch das Aus - anders als viele einst glanzvolle Hollywood-Ehen - kam ohne Rosenkrieg aus. Es ist nicht die erste Band, in der Paul Vogler Gitarrist, Bassist und Songschreiber war.

Zur Musik kam er spät, erst vor rund zehn Jahren. Der Anreiz: "Ich wollte etwas spielen können, um meine Kinder an einige Instrumente heranführen zu können." Also suchte er einen Gitarrenlehrer. "So habe ich Schulle kennengelernt." Gemeint ist Andreas Schulz von der Deutschrock-Band TXL. Schulle unterrichtet an der Rock'n'Roll-Musikschule Hohen Neuendorf. "Das war mein Einstieg." Über Ebay-Kleinanzeigen stieß er auf der Suche nach Musikern auf zwei Jungs aus Leegebruch. "Mit denen war ich vor 20 Jahren beim Bund", erzählt er noch heute überrascht von diesem Zufall. Aus der Zusammenarbeit ging die Band Bassterz hervor. Als die Gruppe mehr Songs covern wollte, stieg Paul Vogler aus. "Ich bin da ein sturer Bock", sagt er. "Aber covern geht für mich gar nicht, ich schreibe schließlich eigene Texte." Die Chance auf einen Aufritt sei mit nachgespielter Musik zwar höher. Aber ihm ist der künstlerische Anspruch wichtiger. "Eine Band als Team funktioniert nicht", sagt er resigniert. "Meist kommen Arbeit und Ego dazwischen." Alleine könne er kompromissfreier arbeiten.

Bassterz ging auseinander, bei Ziethen hielt es ihn nicht lange. Doch er nahm seine Ziethen-Songs, die rechtlich ihm gehören, mit. Aktuell arbeitet er im eigenen Studio und in dem von Mentor Andreas Schulz an einem Album. "Anfang 2018 sollte es fertig sein." Seit fünf Jahren arbeitet er an der Platte. Er lässt sich Zeit. Braucht diese auch mit zwei Kindern, Frau, Haus, Garten und Arbeit. "Ich arbeite vier Schichten bei Orafol in Oranienburg." Der Folienhersteller verlangt ihm einiges ab - hält aber auch Überraschungen parat. Als er einen Sänger für einige seiner Songs suchte, fand er einen begabten unter seinen Kollegen. Denn: "Selbst kann ich nicht singen, das hört sich furchtbar an."

Paul Voglers Musik kann in der Rock-Ecke verortet werden. Epische Gitarrenwelten, fordernde Bässe, und dennoch sind die Melodien eingängig. Mit seinem Instrumentalstück "Des Teufels Beitrag" nimmt er am Songcontest des Musikstudios Hofa teil. "Seit Tag eins bin ich auf Platz ein in der Kategorie Rock und Heavy. Ich hoffe, es bleibt so." Der Titel spiele darauf an, dass er sich wie ein Teufel fühle, "weil ich nichts so mache, wie andere es wollen."

Anfragen für Auftritte bekommt der gebürtige Hennigsdorfer hin und wieder. Problem: "Ohne Musiker geht das schlecht." Eine richtige Band möchte er aber nach wie vor nicht - trotz des Wunsches, eines Tages mit der Musik auch etwas Geld zu verdienen.

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