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Keine Wiederholung der Vergangenheit

Stolz präsentieren einige der Schüler der Hans-Klakow-Oberschule ihre Urkunden über die Teilnahme am Rassismus-Projekt
Stolz präsentieren einige der Schüler der Hans-Klakow-Oberschule ihre Urkunden über die Teilnahme am Rassismus-Projekt © Foto: Ilse-Dore Hahn
Ilse-Dore Hahn / 19.07.2017, 15:38 Uhr
Brieselang (MOZ) Seit vier Jahren werden die Schüler der Klassenstufe 9 der Hans-Klakow-Oberschule mit einer Präventionswoche in die Sommerferien verabschiedet. Gemeinsam mit drei Tutoren vom Berliner Verein BildungsBausteine, der neue pädagogische Ansätze zur "Bearbeitung der Verknüpfungen von Antisemitismus und Rassismus" entwickelt hat, produzierten die Brieselanger Oberschüler unterschiedliche Filme, die sie am Mittwoch in der Sporthalle der Schule den Mitschülern vorstellten.

Schüler unter der Leitung von Tanja Kinzer.

Unter dem Titel "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist" ging Projektleiter Arnon Hampe mit seiner Gruppe auf Spurensuche nach Falkensee. Sie besuchten hier das Außenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen Danach wurden die in Finkenkrug verlegten Stolpersteine gesucht, die dazu gehörigen jüdischen Schicksale erkundet und Passanten dazu befragt."Wir hatten vorher noch nie auf diese Stolpersteine geachtet oder gesehen, erklärten die Projektteilnehmer Lea, Samantha und Justin, Klasse 9b, übereinstimmend.

"Mein Opa wurde in Sachsenhausen geboren", fügte Samantha noch an.

"Ich habe in unserem Film die Vorurteile und die Morde an den Sinti und Roma und den Mord an der Völkergruppe der Hereros in der deutschen Afrika-Kolonie Sambia zum Thema gemacht", erklärte Horst Peter Gerlich von BindungsBausteine.

So wussten viele der Schüler nicht, dass die Sängerin Marianne Rosenberg, deren Musik vielen bekannt war, eine "Sintesse" ist.

Den dritten Film mit dem Titel "Lasst die Vergangenheit nicht noch mal geschehen" drehten die Schüler unter der Leitung von Tanja Kinzer: "Das Thema wurde in gemeinsamen Gedankenaustausch entwickelt." Nach den historischen Fotos vom Entstehen des Nationalsozialismus, Hitler und Bildern von Gefangenen in den Konzentrationslagern, stimmten Fotos aus heutiger Zeit mit Versammlungen der NPD oder deutsch-nationalen Parolen sehr nachdenklich.

Im zweiten Teil des Kurzen Films wurden ein zwölf Jahre altes jüdisches und ein Flüchtling aus Kamerun zu ihren Lebensumständen befragt. "Die Fragen in den Interviews haben sich die Schüler selbst ausgedacht. Die Interviewpartner fanden wir mehr zufällig. So war die zwölfjährige die Schwester eines Projektteilnehmers und den dunkelhäutigen Asylsuchenden trafen wir in der Begegnungsstätte in Falkensee", berichtete Tanja Kinzer.

Besonders das Interview mit dem Kameruner war etwas schwieriger, da es in Englisch geführt werden musste. Für die jüngeren zuhörenden Schüler der Oberschule, die des Englischen noch nicht so mächtig sind, war dieser teil ein wenig langweilig, obwohl der Schutz suchende sehr gestenreich von seinem Zuhause in Afrika, seiner Flucht über das Mittelmeer und seinen Erfahrungen in deutschen Flüchtlingsheimen erzählte."

Den jungen Projektteilnehmern hat hauptsächlich das Filme machen mit Drehen und Schneiden eine Menge Spaß gemacht. "Die theoretische Aufbereitung des Themas von Montag bis Donnerstag war nicht so ganz das, was wir uns von der Projektwoche versprochen hatten", meinten einige der Schüler.

"Da der Nationalsozialismus erst Schwerpunkt im Lehrplan der 10. Klassenstufe ist, müssen die jüngeren Schüler erst damit in bekannt gemacht werden", sagte der stellvertretende Schulleiter, Daniel Franz. "Doch da die Hans-Klakow-Oberschule das Prädikat "Schule für gemeinsames Lernen" trägt und wir eine "Wertschätzung für Vielfalt" vermitteln wollen, haben wir uns bei dem Verein BildungsBaustein als Partner für das Bundesmodellprojekt "Verknüpfungen", das bis 2019 läuft beworben."

Die drei pädagogischen Tutoren zogen eine positive Bilanz der Projektwoche. "Mit Memory-Spielen, die Bilder und schwierige Sprüche zeigten, sind doch eine Menge Informationen hängen geblieben. Der Blick für die Vielzahl an Stolpersteinen wurde ebenso geschärft wie die Kenntnisnahme von der Verfolgung der Roma und Sinti. Auch der Begriff "Herero" ist bestimmt hängen geblieben", erklärte Horst Peter Gerlich. "Alle Schüler der 9.Jahrgangsstufe haben das Projekt jetzt durchlaufen und viel gelernt ", bilanzierte Daniel Franz.

Für die jüngerem Schüler der Oberschule verkürzte die Stunde "Filme anschauen"die Wartezeit auf die Zeugnisausgabe.

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