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Magnus Knigge (32) will mit seiner Görlsdorfer Bio-Gärtnerei uckermärkisches Gemüse auf die Wochenmärkte bringen

Mit Maraichère gegen das Unkraut

Magnus Knigge hat eine Handhacke nach französischem Vorbild für seine neue Bio-Gärtnerei erworben. Sie heißt Maraichère (Französisch: Gemüsebäuerin) und schont den Boden.
Magnus Knigge hat eine Handhacke nach französischem Vorbild für seine neue Bio-Gärtnerei erworben. Sie heißt Maraichère (Französisch: Gemüsebäuerin) und schont den Boden. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Oliver Schwers / 20.07.2017, 07:55 Uhr
Görlsdorf (MOZ) 30 Familien können von einem halben Hektar Erde leben. Das behauptet Magnus Knigge. Der frisch gebackene Bio-Gärtner hat 5000 Quadratmeter Land in Görlsdorf gepachtet und zieht dort Gemüse aller Art für den Direktverkauf auf dem Markt. Ein Existenzgründer mit Mut.

Maraichère nennt sich das eigentümliche Ding, mit dem Magnus Knigge quer über seinen kleinen Acker zottelt. Er hat kein Zugpferd und keinen Traktor. Er hat nur sich und Maraichère. Das aus Frankreich stammende Gerät verfügt über ein einziges Rad, darauf montiert ein pflugähnliches Gestell, unten dran eine Metallhacke. Funktioniert erstaunlich gut. Maraichère lässt sich mittels Handkraft von Magnus Knigge durch den nicht so festen Boden ziehen. Das Unkraut - teilweise steht es bis 70 Zentimeter hoch - kippt um. Zum Vorschein kommen prächtig gedeihende Zwiebeln. Und die grünen Büschel von Möhren. Und Rote Beete, Petersilie, Mangold, Rosenkohl oder Fenchel.

Auf dem halben Hektar Acker wächst mehr, als es zunächst den Anschein hat. Das vor den gefräßigen Mäulern der wilden Rehe mit einem Zaun geschützte Areal in Görlsdorf war früher ein Parkplatz für Jagdgesellschaften. Jetzt gründet hier der frisch gebackene Öko-Gärtner Magnus Knigge seine uckermärkische Unternehmer-Existenz. "Alles mit der Hand", lautet sein Credo zu dem im Studium erworbenen Wissen um den Schutz des Bodens. Der Fachmann setzt das um, was er auf der Eberswalder Hochschule gelernt hat.

Sein Experiment soll ihn ernähren. Ein Geschäftsplan hat genau errechnet, wie viel Ertrag der Boden bringen kann, was er wie teuer verkaufen muss, wie die Direktvermarktung funktioniert. Alles unter dem angestrebten Bio-Siegel. Und natürlich ohne Chemie. Die IHK hat ihn bei seiner Idee ebenso unterstützt wie die Arbeitsagentur mit einem kleinen Gründerzuschuss.

"Was ich hier mache, ist eigentlich das ganz Normale", sagt er mit Bescheidenheit. "Das haben die Menschen bis vor 100 Jahren genau so gemacht und waren damit satt. Und jetzt versuchen die Menschen, das wieder hervorzuholen." So einfach. Keine langen ideologischen Vorträge, keine Vorschriften, wer was essen soll, keine Weltrettung. Oder doch ein wenig davon: Denn Magnus Knigge weiß, dass breite Traktorenreifen den Boden verdichten, dass versprühtes Pflanzengift irgendwann im menschlichen Organismus landet. "Wenn die Böden irgendwann unfruchtbar werden, ist der Mehrwert eines Traktors dahin", so seine Einschätzung. Die Antwort heißt Maraichère.

Doch wenn der Betrieb wächst und er es allein nicht mehr schaffen sollte, könnte durchaus ein Esel als Zugtier mit auf den Acker. Außerdem denkt der Bio-Gärtner auch an die Idee der "kleinen Beete". Das betreibt ein Freund von ihm erfolgreich in Leipzig: Nutzer können mithelfen und miternten.

Der Arbeitsweg ist biologisch kurz. Magnus Knigge lebt mit seiner Frau in einer vom Naturschutzbund gemieteten DDR-Baracke an den in der Nähe gelegenen Fischteichen der Blumberger Mühle und fühlt sich dort wohl. Sein Gemüse soll den ebenso kurzen Weg in die Bio-Läden der Umgebung finden. Außerdem will er den Angermünder Donnerstagsmarkt bereichern. Heute zum ersten Mal. Und schließlich könnte er sich eine Belieferung von Einzelhaushalten vorstellen: Wer frisches Gemüse benötigt, bekommt es direkt in die Vorratskammer.

Magnus Knigge erfüllt damit auch den Wunsch früherer Kleingärtner, die aus Altersgründen ihre eigene Scholle nicht mehr bewirtschaften können. Denn gerade die älteren Menschen wissen noch den echten uckermärkischen Geschmack von hier gewachsenem Porree, Wirsing oder Rosenkohl zu schätzen. Der Kürbis hat ja bereits eine Renaissance auf dem Speiseplan erlebt.

Wenn nur das Unkraut nicht wäre. Der Regen in diesem Jahr begünstigt das Wachstum wie nie. Doch bisher ist auf Maraichère Verlass. Treu furcht die rollende Hacke Reihe für Reihe dank Manneskraft zwischen dem Bio-Gemüse hindurch.

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