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Pfarrer Martin Meyer verlässt Manker

Martin Meyer
Martin Meyer © Foto: MZV
Markus Kluge / 21.07.2017, 22:39 Uhr
Manker (RA) Pfarrer Martin Meyer verlässt Manker. Nach knapp zwei Jahren quittiert er den Dienst in der Gesamtkirchengemeinde Temnitz. Eigentlich wollte sich Meyer in den Dörfern deutlich mehr einbringen. Eine halbe Stelle, die frei ist, hat er nicht bekommen. Deswegen ist auch der Wildberger Manfred Mann als Vorsitzender der Ortskirche zurückgetreten.

Im Süden der Gesamtkirchengemeinde rumort es wieder. Martin Meyer, der Ende 2015 mit seiner Familie nach Manker zog, geht Anfang September nach Luckau. Er hat seinerzeit keine einfache Aufgabe übernommen. Nach der jahrelangen Auseinandersetzung zwischen dem damaligen Pfarrer Stephan Scheidacker und der Kirchenleitung lagen einige Ortskirchen nahezu am Boden (RA berichtete).

Meyer übernahm die Stelle mit folgender Aufteilung: 25Prozent Gemeindearbeit, 75Prozent Religionsunterricht. "Das war so, wie es sich Herr Meyer gewünscht hat. Dem haben wir Rechnung getragen", so Matthias Puppe, Superintendent des Kirchenkreises Wittstock-Ruppin.

Da in der Gesamtkirchengemeinde mit dem altersbedingten Ausscheiden von Pfarrerin Ilona Kretzschmar eine halbe Stelle für den ortsbezogenen Dienst frei wurde, wollte Meyer diese übernehmen und beim Religionsunterricht, den auch andere Kollegen ausüben müssten, kürzer treten. Dem stimmte die Kirchenleitung allerdings nicht zu. "Es war anders verabredet", so Puppe.

An der Basis stößt diese Haltung auf Unverständnis - vor allem weil die Gemeindesynode per Beschluss mehr ortsbezogenen Dienst von und für Meyer gefordert hat. Manfred Mann, der mehr als 20Jahre lang Vorsitzender der Ortskirche Wildberg war, legte nach der Ablehnung Anfang des Monats alle seine Ämter nieder. "Für mich ist die Entscheidung der Kirchenleitung völlig unverständlich", so Mann. Nach Jahren des Streits habe Martin Meyer entscheidend dazu beigetragen, dass sich in der Gemeinde viele Menschen wieder gerne zur Kirche bekennen. "Er engagiert sich im Dorf, bringt sich mit ein und nimmt am Leben hier teil. Das ist mehr, als seine Stelle eigentlich hergibt", lobt Manfred Mann, der von der Kirchenarbeit nun "erst einmal durchatmen" müsse.

Die Aufstockung seiner Gemeindearbeit war aber nur ein Punkt, den Meyer beschäftigt hat. "Ich habe schnell gemerkt, dass die 25 Prozent für die Gemeindearbeit nicht effizient und effektiv sind", so der Pfarrer, der in jedem der 19 Dörfer - von Vichel bis Frankendorf - im Einsatz sein sollte. Eine Viertelstelle ortsbezogener Dienst bedeute aber, dass er in manchen Orten nur einmal im halben Jahr sein kann. "Da kann man keine Beziehung und kein Vertrauen zu den Menschen aufbauen", sagt er. Aus diesem Grund habe schnell gemerkt, dass eine Aufstockung dieser Arbeit nötig ist. "Und wenn eine Kollegin in den Ruhestand geht, sollte man doch darüber nachdenken, was mit diesen Prozenten wird", findet Meyer.

Allerdings sei für ihn die Zusammenarbeit in dem kleinen Team und mit der Kirchenleitung nicht immer einfach gewesen, sagt Meyer. Das habe daran gelegen, dass es unterschiedliche Auffassungen von Gemeindearbeit gibt. Sein Wunsch, dezentrale Angebote in den Dörfern zu schaffen, habe den Zielen der Gesamtkirchengemeinde entgegengestanden. "Die Kinder- und Jugendarbeit findet beispielsweise in Walsleben statt. Das sind von Manker aus 16 Kilometer. Für Eltern gibt es aber keinen Grund, in Walsleben zu bleiben. Also fahren sie zurück. Am Ende waren sie 64 Kilometer unterwegs. Das möchte niemand", sagt er. Angebote für Kinder und Jugendliche in anderen Orten würden aber als Konkurrenz betrachtet. Laut Meyer hatte sich in Manker auch ein Chor etabliert. "Weil Manker aber zu weit weg ist, sollte die Chorarbeit in Dabergotz stattfinden", so Meyer. Das hatte wiederum zur Folge, dass der eigentlich aufblühende Chor geschwächt wurde. "Die Frage ist: Wie viel Autonomie dürfen die Menschen vor Ort noch haben?", sagt Meyer. Für viele Christen sei die Arbeit in ihrem Ort am wichtigsten. "Sie müssen das doch selbst entscheiden können", meint er.

Stolz ist Meyer darauf, dass er dabei helfen konnte, die alten Konflikte in Manker-Temnitzal beizulegen: "Das ist jetzt wieder eine richtig aktive Ortskirche." Gerne hätte er sich weiter eingebracht und wäre noch ein paar Jahre im sanierten Pfarrhaus geblieben. "Ein Umzug mit der Familie ist auch kein Spaß." Die Gemeindearbeit möchte Meyer aber anders gestalten können.

Seinen Abschiedsgottesdienst hält Martin Meyer am 3. September um 15 Uhr in der Kirche von Manker.

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