Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Posaunenchor Eggersdorf erreicht auf Sommertour Bliesdorf und spielt diesmal auch eine Nationalhymne

Mal ohne Fahrräder von Tür zu Tür

Zwischenstopp an einem Vier-Generationen-Hof in Bliesdorf: der Posaunenchor Eggersdorf mit Pfarrer Arno Leye (gelbe Jacke) und Mareike Brune (rechts) bei Herbert Biebermann (in der Laube sitzend) mit Tochter Marlies Jesse und Ehemann Jürgen (links) sowie
Zwischenstopp an einem Vier-Generationen-Hof in Bliesdorf: der Posaunenchor Eggersdorf mit Pfarrer Arno Leye (gelbe Jacke) und Mareike Brune (rechts) bei Herbert Biebermann (in der Laube sitzend) mit Tochter Marlies Jesse und Ehemann Jürgen (links) sowie © Foto: MOZ/Anett Zimmermann
Anett Zimmermann / 25.07.2017, 19:34 Uhr
Bliesdorf (MOZ) Der Eggersdorfer Posaunenchor hat am Dienstag Bliesdorf erreicht. Die acht jungen Männer und Frauen sind hart im Nehmen. Angesichts des Dauerregens am Vormittag ließen sie dann aber doch die Fahrräder stehen.

In Regenjacken, meist kurzen Hosen und barfuß, höchstens Sandalen, spielt der Eggersdorfer Posaunenchor am Dienstag kurz nach zehn Uhr ein Geburtstagsständchen auf einem Grundstück am Bliesdorfer Anger. Die Bewohnerin ist sichtlich überrascht und ein bisschen traurig, dass die Tochter mit dem Enkelkind nicht dabei sein kann. "Beide sind gerade beim Arzt", heißt es und schon geht es mit Pfarrer Arno Leye und Mareike Brune von der Kirchengemeinde weiter zum nächsten Einsatz.

Kurzentschlossen doch nicht auf Fahrrädern, sondern in zwei Autos, die Instrumente meist auf dem Schoß. "Jetzt die holländische Nationalhymne", fordert Martin Leue, auch diesmal wieder Kopf der Gruppe, beim nächsten Halt. "Und das bei dem Wetter, super", ist sich Familie von Casteren einig und lädt zum Kaffee ein. Doch die Musiker lehnen dankend ab. Die Liste derer, die an diesem Tag noch besucht werden soll, ist lang. Und das Wetter scheint auch gar nicht so schlimm, dass jetzt schon eine Erfrischung oder Erholungspause gefragt wäre. "Das Wasser ist ja warm", stellt eine der Frauen fest, als sie durch eine Pfütze watet.

Weiter geht es nach Emilienhof, danach Herrnhof. "In Biesdorf haben wir gestern 23 Leute besucht", erzählt Martin Leue, während er die nächste Adresse ansteuert. Abends im Gottesdienst seien dann mehr als 50 Leute in der Kirche gewesen. "Wir fangen an mit ,Aus der Jugendzeit'", gibt er das nächste Lied vor. Der ältere Mann ist sichtlich gerührt und tief bewegt. "Seine Frau ist vor Kurzem gestorben", erklärt Mareike Brune, die die Tour durch Bliesdorf abgestimmt hat und auch weiß, wo die Musiker zwar gern gehört werden, aber nicht ins Haus kommen sollen. "Die Scham, alt und krank im Bett zu liegen, ist heute größer als früher", bedauert Martin Leue. Es ist seine 18. sommerliche Radtour. Die Idee selbst sei an die 50 Jahre alt und gehe auf die Stephanus-Siftung in Berlin zurück. "Damals waren Autos noch rar." Und wieso barfuß? "Um die Schuhe zu schonen", erklärt der Strausberger zwischendurch immer wieder. Doch so unernst meint er das nicht. "Bei der ersten Pfütze sind die Schuhe nass und barfuß laufen oder fahren, kann man doch nur hier und nicht in der Stadt."

Dann haben die Handys wieder Empfang. "Ja, wir kommen, noch heute Nachmittag", verspricht Martin Leue am Telefon. Eine Familie in der Nähe rechnet mit dem Tod eines Angehörigen. "Er hat die Musik geliebt", sagt Leue und fügt hinzu: "Wir werden wohl vor dem Fenster spielen." In kleinerer Formation habe er bei ähnlichen Fällen auch schon neben dem Bett gestanden: "Da waren wir nur zu viert und haben natürlich auch viel leiser gespielt."

Für das Asylbewerberheim am Gewerbepark reicht die Zeit vor dem Mittagessen bei Claudia Marquardt und ihrem Bliesdorfer Mittagstisch allerdings nicht mehr. Da hat der Posaunenchor, dem auch Benjamin und Fabian Stegemann, Matthias und Benjamin Albrecht, Constantin Wiesner, Sebastian von Eitzen (alle Petershagen-Eggersdorf), Marcel Materne (Rehfelde), Julia Haase (Müllrose) und Isabel Karweger (Neuenhagen bei Berlin) angehören, bereits 33 Kilometer zurückgelegt. Und klar, vor dem Essen wird noch einmal gespielt.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG