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Bastler Ralf Heinrich hat die legendäre Dampflok "Emma" nachgebaut - und als Robinson Crusoe gewonnen

Döbberins größter Hobby-Reeder

Mit Liebe zum Detail gebaut: Die aus dem Kinderbuch, aus Theater und Film bekannte Dampflok "Emma" bei ihrer Jungfernfahrt zum Alt Zeschdorfer Admiralscup-Rennen in diesem Jahr auf dem Hohenjesarschen See. Als Lokführer Lukas fungierte der Döbberiner Jens
Mit Liebe zum Detail gebaut: Die aus dem Kinderbuch, aus Theater und Film bekannte Dampflok "Emma" bei ihrer Jungfernfahrt zum Alt Zeschdorfer Admiralscup-Rennen in diesem Jahr auf dem Hohenjesarschen See. Als Lokführer Lukas fungierte der Döbberiner Jens © Foto: Matthias Lubisch
Ines Weber-Rath / 26.07.2017, 20:15 Uhr
Döbberin (MOZ) Die Döbberiner sind beim Admiralscup, der alle drei Jahre im benachbarten Alt Zeschdorf ausgetragen wird, die gefürchtetste Konkurrenz. Der kleinste Zeschdorfer Ortsteil hat sich durch seine Bootsbauer allmählich einen Namen gemacht. Ralf Heinrich ist einer von ihnen.

Seine "Emma" würde, da war Ralf Heinrich im Vorfeld des diesjährigen Admiralscup-Rennens zuversichtlich, den Döbberinern den Sieg bringen. Denn ein solches Boot würde wohl kaum noch jemand auf dem Hohenjesarschen See zu Wasser lassen: Mehr als 100 Stunden Arbeit stecken in dem originalgetreuen Nachbau der legendären Dampflok von Lokomotivführer Lukas und seinem Heizer Jim Knopf.

Kinderbuchautor Michael Ende hatte die beiden 1960 in seinem Buch über die Insel Lummerland fahren lassen. Berühmt wurden sie durch die Adaptionen der Augsburger Puppenkiste und durch eine Zeichentrickserie ab 1999.

In der "Bootswerft" auf seinem Hof hatte Ralf Heinrich den Lokomotivkörper aus Styropor-Platten heraus geschnitten und mit viel Bauschaum konstruiert, aus einem Plastikfass wurde der Dampfkessel. Die Räder und das "Seitenruder" sind ausgediente Alufelgen und als Grundlage für den Lokführerstand hat der Döbberiner Fahrradpedale genutzt, die per Hand bedient werden. - Schließlich musste "Emma" nicht nur schwimmen, sondern auch schnellstmöglich den Wettkampfkurs auf dem See zurücklegen.

Den Schwimmtest hatte das Boot, gemeinsam mit den drei anderen Döbberiner Gefährten - dem "Super-Mario" von Ortsvorsteher Mario Hartmann, Mario Raaschs "Kakamaran" (ein schwimmendes Dixi-Klo) und Heinrichs Zweitboot, die Robinson Crusoe - auf dem kleinen heimischen Krebssee bestanden. Dass "Emma" nicht die Schnellste sein würde, zeichnete sich da schon ab. Doch dass die Admiralscup-Jury ihr nicht einmal die beste "Kürnote" gab, das hat den 46-jährigen Bastler schwer enttäuscht.

Hat Ralf Heinrich doch wirklich alles bis ins Detail nachgebaut: 595 Bierdeckel sind die Nieten der Dampflok. Im Führerstand gibts "Emma"-Armaturen. "Im Tender war sogar echte Kohle und aus dem Schornstein dampfte weißer Rauch, den wir mit einer Pyrotechnik-Bombe erzeugt haben", berichtet der stolze Konstrukteur. In Tochter Jette (12) hatte er eine fleißige Helferin fürs Verstreichen von drei Litern schiefergrauer Farbe.

Gewonnen hat Heinrich dennoch - mit seinem Zweitboot, das er selbst im Robinson-Kostüm steuerte. "Für das Robinson-Floß hab' ich kaum acht Stunden gebraucht", sagt der Döbberiner, der sein Brot auf dem Bau verdient.

Seine "Emma" ließ er einen Freund steuern, den Döbberiner Jens Gierl. "Der 135-Kilo-Mann hat die richtige Lokführer-Lukas-Statur", begründet Heinrich. Die Rolle des Jim Knopf übernahm der 12-jährige Paul Voigt.

Die Schwimm-Lok wird der Bastler nun gut unterstellen. Denn zum nächsten Admiralscup in drei Jahren soll sie noch einmal an den Start gehen und die über Jahre erkämpfte Döbberiner Bootsbauer-Ehre verteidigen.

Am Anfang war Ralf Heinrich noch nicht mit im sprichwörtlichen Boot. "Ich hatte genug zu tun, bei den Diedersdorfer Alten Herren Fußball und in Alt Mahlisch Kegelbillard zu spielen", sagt er. Als es dann darum ging, den ersten Sieg eines Bootes aus seinem Dorf zu verteidigen, stieg er ein: Im rosa-roten "Love-Boot" holten die "Reeder" aus dem Zwergendorf, als Frauen verkleidet, erneut den Sieg.

Nachdem es drei Jahre später im stolzen Mississippi-Dampfer nichts mit der Titelverteidigung wurde, rüsteten die Döbberiner auf: In diesem Jahr sind die Mannen um Ortsvorsteher Mario Hartmann erstmals mit vier Booten angetreten. Denn für jedes Boot darf man ein Jury-Mitglied entsenden. Zum nächsten Wettbewerb will Ralf Heinrich ein neues Zweitboot bauen.

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