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Löwen haben ausgebrüllt

Das letzte Mannschaftsbild: Männerfußball wird es beim FSV Golzow vorerst nicht geben.
Das letzte Mannschaftsbild: Männerfußball wird es beim FSV Golzow vorerst nicht geben. © Foto: Verein
Dirk Hiller, Dirk Schaal / 27.07.2017, 07:40 Uhr
Golzow (MOZ) Der Abschied aus dem Wettkampfsport von der Fußball-Männermannschaft des FSV Golzow ist schon einige Zeit verkündet. Doch bis jetzt haben einige im Verein versucht, im Hintergrund wieder ein Team mit Zukunftsperspektive aufzubauen. Doch dieser Versuch ist ebenfalls gescheitert.

Nach 38 Jahren verabschiedet sich die Fußballmannschaft des FSV Golzow aus dem aktiven Spielbetrieb. "Natürlich glaube ich immer daran, dass es weitergeht. Aber jetzt habe ich auch erst einmal die Hoffnung aufgegeben", sagte der Golzower Mannschaftsbetreuer Dirk Hiller. "Wir möchten uns bedanken für die vielen, netten sportlichen Begegnungen, für die entstandenen Sportfreundschaften bei unseren Fans, Familien, Sponsoren, Schiedsrichtern, der Gemeinde Britz-Chorin-Oderberg und den Unterstützern im Verband", sagte Hiller wehmütig, eigentlich ja auch eine Grabrede.

Am 1. Dezember 1978 gründete sich die BSG Landbau Golzow aus enthusiastischen Anwohnern. Zu den Gründungsvätern gehörten u. a. Werner Wojahn, Werner Kübler, Peter und Roland Beier, Klaus-Dieter Schulz und Willi Heimbach. Der Verein bestand damals nur aus der Sektion Fußball. Im Jahre 1990 nach der Wende erfolgte die Umbenennung in FSV Golzow. Im Laufe der Jahre kam die Frauensportgruppe, als eigene Sektion, dazu. Den Beinamen "Golzower Löwen" behielten sie jedoch, weil die Mannschaft stets wie der König der Tiere gekämpft haben soll, so besagt es die Überlieferung.

Über den sportlichen Erfolg hinaus stand auch stets das Vereinsleben im Fokus des Vorstandes. "Für die Gemütlichkeit und den Zusammenhalt außerhalb des Spielfeldes wurde mit Vereinsgründung in Eigeninitiative mit vielen, fleißigen ehrenamtlichen Helfern das Sportlerheim gebaut", berichtete Hiller. Im Laufe der Zeit wurde dieses Sportlerheim das Wohnzimmer des Vereins. Nach Niederlagen gab es Trost und Auswertungen sowie bei Erfolgen auch große Siegesfeiern. So wie bei den größten sportlichen Erfolgen der Golzower, dem Sieg im FDGB-Kreispokal 1981/82 und der Aufstieg in die Kreisliga 1997/98. "Erreichen konnten wir das durch das Engagement unserer Trainer Werner Kübler, Heinz Heimbach, Gerd Beier, Peter Beier, Roland Beier, Hans Latendorf, Klaus Marx, Wolfgang Fricke, Egbert Beuster, Olaf Beier, Gerhard Schneider, Werner Nütschke und Manuel Neils", erklärte Hiller.

Als große Gemeinschaft verstanden sich stets die Golzower, wo jeder im Verein anpackte, wo Hilfe notwendig war. Das fing an beim engagierten und sehr aktiven Vorstand. Hier waren es besonders Burkhart Beuster, als langjähriger Vorsitzender, Klaus Marx, als engagierter Sportwart und gute Seele des Vereins, Willi Liese, als sorgfältiger Finanzwart, und Mike Hilliges, als aktueller Vorsitzender, die die Fäden des Vereins spannen. Firmen aus der Region griffen den Golzowern bei finanziellen Dingen unter die Arme. "Ein riesiges Dankeschön dafür", sagte Hiller.

Er selbst absolvierte im Dress der Golzower mit 589 Einsätzen die meisten Spiele seit der Saison 1992/93. Ihm folgen Manuel Neils (450), Enrico Petereit (401), Mike Hilliges (387), Ralf Heimbach (363), Heiko Speidel (323), Olaf Beier (318) und Alexander Schwadtke (309). Die meisten Punktspieltore erzielten in diesem Zeitraum Robert Kreuzer (192 Tore), Manuel Neils und Alexander Schwadtke (je 121), Mike Milliges (110), Ralf Heimbach (104), Olaf Beier (83), Michael Dupont (78), Uwe Hardtke (76) und Dieter Jestel (64). Rekorde für die Ewigkeit, wenn in Zukunft nichts Unerwartetes in Golzow geschieht.

"Trotz der langjährigen Erfahrungen und des Engagements ist es uns in den letzten Jahren nicht gelungen, junge Spieler in die erste Mannschaft zu integrieren. Wir haben es versäumt, frühzeitig eine Kinder- und Jugendmannschaft aufzubauen, aus denen die künftigen Löwen hervorgehen", sagte Hiller zu den Fehlern der Vergangenheit, deren Konsequenzen nun spürbar werden.

Aus beruflichen, gesundheitlichen und sportlichen Gründen nahm die Zahl der aktiven Spieler ständig ab. In den letzten Jahren haben zunehmend nicht Golzower Spieler den Spielbetrieb aufrechterhalten. In der letzten Saison ist der FSV fünfmal zu Spielbeginn in Unterzahl gestartet.

"Nach mehreren Spielersitzungen mussten wir uns eingestehen, dass wir keinen geregelten Spielbetrieb mehr gewährleisten können. Gemeinsam mit dem Vorstand haben wir deshalb beschlossen, für die Saison 2017/18 keine Mannschaft zu melden", berichtete Hiller. Vorangegangen waren erfolglose Versuche zur Bildung einer Spielgemeinschaft mit Althüttendorf und die Suche nach neuen Spielern.

"Eigentlich ist es unverständlich, dass bei 34 gemeldeten Spielern keine Mannschaft zusammenkommt. So hat es keinen Spaß gemacht und das hat auch schließlich den Ausschlag zur Aufgabe gegeben", erklärte Hiller. "Nie mehr" will er nicht darauf antworten, ob es wieder einmal eine Golzower Fußballmannschaft geben wird. Aber der Pessimismus ist im Verein in den letzten Wochen durchgeschlagen.

"Wir hatten da einen Aufruf gestartet, aber die Resonanz war sehr gering. Jetzt hoffen wir, dass sich vielleicht nach der Sommerpause noch einige melden, damit wir wenigsten seine Freizeittruppe zusammenhaben", sagte der Vereinschef Mike Hilliges zur Zukunft der "Golzower Löwen".

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