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Abgeordnete verhindern Firmenexpansion in Bötzow

Behält vorest seine Größe: Das Gelände von Baustoffhandel Winzler an der Wansdorfer Chaussee im Bötzower Gewerbegebiet wird nicht erweitern werden können. Gemeindevertreter lehnten das Vorhaben der Firma ab.
Behält vorest seine Größe: Das Gelände von Baustoffhandel Winzler an der Wansdorfer Chaussee im Bötzower Gewerbegebiet wird nicht erweitern werden können. Gemeindevertreter lehnten das Vorhaben der Firma ab. © Foto: Marco Winkler/OGA
Marco Winkler / 28.07.2017, 06:30 Uhr
Bötzow (OGA) Die Betriebserweiterung der Firma Winzler im Bötzower Gewerbegebiet an der Wansdorfer Chaussee ist endgültig gestoppt. Bürgermeister Peter Leys (BfO) ist trotz eines eindeutigen Votums der Gemeindevertreter in ihrer jüngsten Sitzung nicht glücklich mit der Entscheidung.

Seit geraumer Zeit versucht die Baustofffirma Winzler, ihr Areal in Bötzow-West zu vergrößern. Heftig diskutiert wurde das Vorhaben im Ortsbeirat, der sich stets gegen das Vorhaben aussprach. Der jüngste Bauausschuss gab jedoch grünes Licht für die notwendigen Änderungen eines Flächennutzungs- und Bebauungsplans im Gewerbegebiet. Winzler betreibt hier unter anderem eine Kompostieranlage mit Sieb- und Brecherwerk. Anwohner befürchteten, bei einer Erweiterung der Firma komme es zu erheblichen Emissionen sowie einem erhöhten Verkehrsaufkommen.

Die Bedenken, auch von einer Bürgerinitiative stets laut geäußert, wurden mit der von den Gemeindevertretern beschlossenen Ablehnung ausgeräumt. Wie die Firma Winzler zur gestoppten Erweiterung steht, war am Donnerstag nicht zu erfahren. Geschäftsführer Hans-Joachim Winzler wolle sich gegenüber der Zeitung nicht über Einzelheiten zum Fortgang des Unternehmens äußern.

Peter Leys lässt das Hin und Her der Betriebserweiterung leicht ratlos zurück. "So etwas habe ich noch nicht erlebt", sagt er. Es sei ein außergewöhnlicher Prozess gewesen. "Es blieben zu viele Fragen offen." Er selbst habe auch gegen den Satzungsbeschluss gestimmt. Eine Entscheidung, die ihn mit gemischten Gefühlen zurück lässt. Schließlich brauche Bötzow Firmen wie Winzler, unter anderem wird der Baustoffhandel für größere Baumaßnahmen benötigt.

Schon im Vorfeld rumorte es in Bötzow, da Genehmigungen ausgesprochen wurden, die nicht im Interesse der Gemeinde gewesen seien, so Leys. So wurde die Betriebszeit am Sonnabend bis 18 Uhr festgelegt. "Winzler wäre aber, so stand es auch im Satzungsentwurf, nach einem positiven Bescheid bereit gewesen, die Betriebszeiten zu reduzieren", so Leys. Ein Nachteil der Satzung wäre gewesen, dass Winzler auf einer Nachbarfläche ein Zwischenlager für 75 000 Tonnen Material errichten wollte. "Wenn wir den B-Plan beschlossen hätten, hätte die Gemeinde wenig Argumente gehabt, sich dagegen auszusprechen." Das Zwischenlager, das von Lkw be- und entladen werden muss, sei ausschlaggebend für die Entscheidung der Gemeindevertreter gewesen.

Aber: Ein B-Plan hätte zumindest die Menge der in Bötzow verarbeiteten Materialien festlegen können. Ein weitere Pluspunkt wäre gewesen, dass die Wiederherstellung des Walls, der den Ort vor Staub und Lärm schützen soll, möglich gewesen wäre. Jedoch, so Peter Leys, habe er wohl eh keine Wirkung mehr. Selbst Bauzäune überragen den Wall mittlerweile. Dass Winzler nicht erweitert, dürfte zumindest einige Anwohner freuen. Peter Leys stellt klar: Die Verkehrslage sei zwar unzumutbar, besonders für die Schüler der Grundschule. "Das starke Verkehrsaufkommen in der Dorfaue wird sich deshalb aber nicht reduzieren." Schließlich würden nicht nur Winzler-Lkw den alten Dorfkern passieren. Vielleicht ein Fünftel der Fahrzeuge käme vom Baustoffhandel. Die restlichen wollen zu weiteren Firmen in Bötzow-West, ins Wansdorfer Gewerbegebiet oder einfach Maut sparen, indem sie Landstraßen nutzen.

Am Ende bleibt Skepsis, ob die Entscheidung für Anwohnersorgen, aber gegen wirtschaftliches Wachstum richtig gewesen ist. "Ideal wäre, es würde geeignetere Standorte für Firmen wie Winzler geben", so Leys.

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Isa Schroth 28.07.2017 - 09:18:28

Erfreuliches zum Wochenende...

Was für eine herrliche Nachricht an diesem schönen Freitag! Endlich! Endlich! Endlich mal was Positives! Endlich eine Entscheidung FÜR die Anwohner (sollte eigentlich nichts Ungewöhnliches sein). Vielen Dank an die Gemeindevertreter für die richtige Entscheidung! An Herrn Leys! Alles spricht ja heutzutage von Transparenz! Da können Sie jetzt mal mitmachen! Erklären Sie doch mal im Detail, was genau der Vorteil für Bötzow sein soll, wenn Firmen wie Winzler sich in Bötzow breit machen! Wieviel Geld erhält die Gemeinde von Winzler in Form von Steuern und Abgaben? Und wie hoch ist der Gewinn dieser Winzler-Betriebsstätte im Gegensatz dazu? Welchen finanziellen Ausgleich hat der von Umweltschäden und Lärm- und Verkehrsbelastung betroffene Bötzower zur Entschädigung bisher erhalten (von Winzler oder der Gemeinde - egal)? - Nichts? Aha! Dann wird's mal Zeit! Kümmern Sie sich! Wieviele Bötzower stehen bei Winzler in Lohn und Brot? Welche Bauvorhaben in Bötzow und der Gemeinde benötigen dennn ein komplettes Erdenwerk zur Umsetzung? Und welche konkreten Vorteile haben dadurch die Bötzower, die eine solche Belastung aufwiegen würden? Ich bin gespannt auf das nächste Amtsblatt, wo Sie sich hoffentlich äußern werden. @Redaktion Soweit ich mich erinnern kann, wurde 2012 beschlossen, eine Umgehungsstrasse zwischen Schönwalde Dorf und Velten entlang der Bahnlinie zu bauen. Es gab da Konflikte mit Hennigsdorf und einer dortigen Bürgerinitiative. Das Land hat dann entschieden die dritte Variante (die große Umgehung) zu bauen. 2017 sollten die Arbeiten beginnen. Wie steht's damit? Können Sie da mal recherchieren? Im Netz findet man gar nichts.

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