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Lieblings-Snack Banane mit Salz

Dirk Schaal / 28.07.2017, 19:14 Uhr
Klosterfelde (MOZ) Nach 325 Kilometern in fünf Tages-Etappen im forschen Laufschritt kamen insgesamt 50 der 69 gestarteten Teilnehmer des Baltic-Run von Berlin aus ins Ziel auf der Insel Usedom. Mit dabei war die Klosterfelderin Silke Stutzke, die ihre persönliche Grenze des Ertragbaren auf einem Teilstück antestete.

Der Wetterbericht wurde im Vorfeld des Baltic-Runs argwöhnisch von den 69 Läufern zur Kenntnis genommen. Nichts Gutes wurde vorausgesagt, Regen sollte die Läufer auf ihren 325 Kilometern begleiten. "Warten wir mal ab, wie es wirklich wird", sagte die Klosterfelderin Silke Stutzke einige Stunden vor dem Start.

Los ging es dann für 63 Ultra-Läufer aus ganz Deutschland, Dänemark, den Niederlanden und der Schweiz am Sonntagmorgen fast pünktlich vom Berliner Dom in Richtung Usedom. An diesem ersten Ferien-Wochenende brachen sicher viele Berliner und Brandenburger in Richtung Ostsee auf, doch die wenigstens dürften dies zu Fuß erledigt haben.

Kurz nach dem Start zeigte das Wetter an, dass die Vorhersage stimmig war. Es regnete immer mal wieder, mal doller, dann wieder weniger, aber trockenen Fußes kam keiner der Läufer im ersten Etappenziel Joachimsthal an. Silke Stutzke freute sich schon vor dem Ziel auf ihren Eiskaffee: "Das ist so ein Ritual, eine kleine Belohnung für die gelaufenen Kilometer." Am Ende waren es etwa 63 Tages-Kilometer, die die 68 angekommenen Läufer in den Beinen hatten.

Punkt 5.15 Uhr war die Nacht für Silke Stutzke vorbei. "Das Aus-dem-Bett-kommen klappte nicht ganz so spritzig wie an normalen Tagen, aber nach einigen Schritten ging es eigentlich wieder", kommentierte die Klosterfelderin den Morgen des zweiten Tages. Eine halbe Stunde nach dem Wecken steht Frühstück auf dem Programm. "Kaffee und eine Scheibe Brot, mehr bekomme ich morgens nicht runter", berichtete Silke Stutzke. Notwendige Kalorien nimmt sie dann auf der Strecke zu sich. Etwa alle sieben oder acht Kilometer waren auf allen Etappen Verpflegungspunkte aufgebaut, die neben Getränken, Gummibärchen, kleinem Imbiss auch um die Mittagszeit Pellkartoffeln im Angebot hatten. Ein beliebter Snack der Klosterfelderin ist Banane mit Salz. "Salz ist wichtig und so schlecht schmeckt das auch gar nicht", verteidigte die 49-Jährige ihre kulinarische Vorliebe beim Dauerlauf. Neben dem Eiskaffee freute sie sich nach der Ankunft in Prenzlau auf eine warme Dusche. Die fiel dann aber auch eiskalt aus, da gerade an der Heizungsanlage der Unterkunft, einer Schule, dringend benötigte Reparaturarbeiten mit den Ferien begonnen hatten.

An ihre Grenzen kam die Klosterfelderin auf der dritten Etappe von Prenzlau nach Eggesin. "Es hat 8,5 Stunden nur geschüttet, dazu war es kalt, das hat mich doch mächtig demoralisiert", gab die Läuferin mit der Startnummer zwei zu. Doch am Ende erreichte sie wie weitere 55 Läufer nach etwa 65 Kilometern das Ziel. Nach einer unruhigen Nacht im eigenen Auto sah es am darauffolgenden Tag wettertechnisch auch nicht besser aus.Es gesellte sich ein böiger Wind zum Regen, aber schließlich war mehr als die Hälfte der Gesamtstrecke geschafft.

Wie an jedem Morgen gab es vor der vierten Etappe zwei Startergruppen. Um 7 Uhr wurden die langsameren Läufer auf die Strecke geschickt, die anderen folgten eine Stunde später. Entlang dem Usedom-Radweg, der auch oftmals direkt am äußersten Straßenrand verlief, ging es für die Läuferschar auf dem letzten Teilstück (etwa 70 Kilometer) nach Usedom. Trotz einiger behördlicher Auflagen hatten die Helfer Markierungspfeile auf der Straße hinterlassen dürfen, jedoch nur mit der strengen Auflage, diese sofort wieder restlos nach den letzten Läufern zu entfernen. Und diese ließen auf dieser Etappe lange auf sich warten. "Eigentlich wird eine Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Stunde als Sollzeit angesetzt, aber an diesem Tag war es für einige Läufer nicht möglich, diese Auflage zu erfüllen", erklärte Silke Stutzke. Die Wetterverhältnisse waren einfach zu schlecht, da konnten kleine Aufmunterungen von Anwohnern der Strecke nicht wirklich helfen. "Ab und an standen Stühle mit Erfrischungen am Wegesrand", erklärte die Klosterfelderin. Auch bei ihr machten sich die Strapazen des Laufes bemerkbar. Aufgescheuerte Füße durch die stetig nassen Laufschuhe, aber nach 9:42:52 Stunden erreichte sie als 32. auch Usedom.

Fast drei Stunden länger brauchte Gerhard Bracht (Jahrgang 1950) aus dem baden-würtembergischen Schwaikheim, als er als Letzter der 4. Etappe um 19:26:33 die Zielzeitmessung auslöste. Trotz Überziehung der Sollzeit beschlossen die Lauf-Organisatoren, dass alle Zieleinläufer am nächsten Morgen den letzten Tour-Abschnitt in Angriff nehmen.

Mit der Gewissheit, dass die selbstauferlegten Qualen am Abend ein Ende finden werden, gingen die Läufer auf die letzte Etappe über etwa 60 Kilometer nach Karlshagen. Die letzten Mahlzeiten von den Verpflegungspunkten standen an und der schnellste Läufer war bereits schon zur Mittagszeit im Zielort angekommen. Fabian Benz kam unter fünf Stunden (4:59:22) in Karlshagen an.

Nach knapp acht Stunden (7:50:51) folgte auch die Klosterfelderin Silke Stutzke. Insgesamt brauchte sie 42:37:35 Stunden von Berlin nach Karlshagen, 25. Platz im Feld und Achte bei den Frauen. "Jetzt erst einmal Urlaub hier oben, die Blessuren verarzten und in zwei Wochen fange ich wieder langsam an zu laufen", erklärte die 49-Jährige.

Ihre Laufschuhe sind im Müll gelandet, das Glas Wein im ZielGeschichte und nun gehen die Planungen in Richtung 24-Stunden-Lauf in Gotha.

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