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Linder Kirche vor ungewisser Zukunft

Siegfried Becker vom Förderverein Kulturleben Linde vor der Kirche.
Siegfried Becker vom Förderverein Kulturleben Linde vor der Kirche. © Foto: Wiebke Wollek
Wiebke Wollek / 29.07.2017, 12:16 Uhr
Linde (MOZ) Genau 20 Jahre ist es her: Im Sommer 1997 hat der Berliner Künstler Joachim-Fritz Schultze-Bansen die marode Fachwerkkirche in Linde gekauft und damit vor dem Verfall gerettet. Seit 2013 verpachten die Erben das historische Gebäude an den Förderverein, streben aber einen Verkauf an.

Ein Schlafplatz auf der Empore und ein kleines Bad mit Eckbadewanne, durch Rigipswände abgetrennt vom Kirchensaal, der noch heute mit vielen seiner Skulpturen verziert ist - das sind die Überbleibsel von dem, was der Bildhauer Joachim-Fritz Schultze-Bansen und seine Frau Heidi geschaffen haben. Fernab der Großstadt wollte das Paar die 1847 gebaute Fachwerkkirche im Löwenberger Land zur Kunsthalle mit Schlafgelegenheit umgestalten. Doch nur zwei Jahre nach dem Kauf starb 1999 Schultze-Bansens geliebte Frau. Der Künstler, damals bereits Anfang 70, hatte nicht mehr die Kraft, seine Pläne fortzuführen.

"Nach zwei Jahren war es vorbei, auch wenn Schultze-Bansen noch oft vor Ort war und sich um das Gebäude gekümmert hat", erinnert sich Siegfried Becker vom Förderverein Kulturleben Linde. "Die meiste Zeit war die Kirche abgeschlossen", sagt der 66-Jährige. Erst Anfang 2013, als sich der Verein gegründet hat, ist das Gotteshaus wieder aus dem Dornröschenschlaf erwacht und endlich zu dem geworden, was sich wohl auch Schultze-Bansen gewünscht hätte, der 2005 verstarb: ein Ort, an dem Künstler ihre Werke ausstellen, Musik erklingt und Gemeinschaft groß geschrieben wird. Im Juni hatte das Jugendkammerorchester der Kreismusikschule ein beeindruckendes Konzert gespielt.

Wenn es nach Siegfried Becker geht, könnte der Verein noch unzählige Kulturveranstaltungen in der Kirche organisieren. Doch er ist sich darüber im Klaren, dass irgendwann wieder andere Zeiten anbrechen. Denn die heutigen Besitzer Dieter und Manfred Bierwisch, Brüder von Schultze-Bansens Frau, möchten die Kirche verkaufen. Mit ihnen hat der Verein derzeit einen Pachtvertrag. Um selbst die Kirche samt Grundstück zu kaufen, fehlt das Geld. Auch zwei weitere Interessenten seien bereits wieder abgesprungen, teilt Dieter Bierwisch auf Nachfrage mit. "Wir möchten keinen Profit aus dem Verkauf schlagen, aber zum Verschenken ist es auch zu schade." Bierwisch ist froh, dass sich der Verein so gut um das Haus und den Nachlass von Schultze-Bansen kümmert. "Wir möchten Herrn Becker und seine Mitstreiter auch ungern herausschmeißen", betont Bierwisch. Auf der anderen Seite hätte ein neuer Eigentümer natürlich auch das Recht zu entscheiden, was mit der Kirche geschieht. Eine Bedingung bleibt jedoch: "Ein Käufer müsste auch Schultze-Bansens Kunstwerke übernehmen und sich um deren Erhaltung bemühen", sagt Bierwisch. 20 000 Euro für Grundstück und Gebäude setzen er und sein Bruder als Verhandlungsbasis an. Interessenten können sich an den Förderverein unter 033094 70440 wenden.

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