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Gedenkfeier Hohenwutzen mit Besuch der Deich-Abbruchstelle und Straßenfest

Erinnern an die Oderflut

Heike Jänicke / 31.07.2017, 06:00 Uhr - Aktualisiert 31.07.2017, 10:03
Hohenwutzen (MOZ) Nach 20 Jahren haben die Hohenwutzener die Oderflut Revue passieren lassen und jenen gedankt, die das Oderbruch gerettet haben. Zur Gedenkfeier am Sonnabend war ein Teil von ihnen gekommen, unter anderem Generalinspekteur a. D., Hans-Peter von Kirchbach.

Fröhliche Gesichter, angeregte Gespräche, Kaffee, Canapés - das Wiedersehen nach 20 Jahren an der Gaststätte "Am Bahnhof Nr.1" in Hohenwutzen fühlt sich an wie eine Familienfeier. Schulterklopfen und herzliche Umarmungen. "Weißt du noch, wie ich mit meinem gelben Regenmantel und den Gummistiefeln am Deich gestanden habe", fragt Siegmar Tilgner, damals Wasserwirtschaftler beim Landesumweltamt, Hartmut Niesche, der 1997 im Umweltministerium tätig war. Niesche fängt an zu lachen. "Ja, natürlich." Kurz darauf steht Siegmar Tilgner neben ihm, im gelben Regenmantel und Stiefeln. Beide waren mit Bernd Schmidt, 1997 stellvertretender Ortswehrführer von Bad Freienwalde, und "Deichgraf" Hans-Peter Trömel am Deich im Einsatz. Dort, wo alle Einsatzkräfte ein Wunder vollbracht haben. So nennt Hans-Peter von Kirchbach die Rettungsaktion des Oderdeiches. Der heute 75-Jährige verantwortete damals als General den Einsatz der Bundeswehr, die neben dem Technischen Hilfswerk und den freiwilligen Feuerwehren für Tage das Geschehen beherrschte.

"Hohenwutzen war der Wendepunkt des Odereinsatzes. Dort mussten wir Krisenbewältigung machen. Dass das gelungen ist, war damals ein Wunder und ist auch heute noch ein Wunder", so von Kirchbach zu den Gästen, darunter Landrat Gernot Schmidt (SPD) und Bad Freienwaldes Bürgermeister Ralf Lehmann (parteilos). Damals habe sich der Krisenstab die Frage gestellt, wann eine solche Operation gewonnen sei. Nämlich dann, "wenn wir nicht mehr den einzelnen Krisen nachlaufen, sondern wenn wir in der Lage sind, vorbeugend dort tätig werden, wo die nächste Krise entstehen könnte. Reitwein war so ein Beispiel", so von Kirchbach.

Mit einer Bitte wendet er sich ans THW und an die Feuerwehr. "Für künftige Katastrophen sind und bleiben Sie ungemein wichtig. Wir brauchen Helfer in Strukturen. Denn die Bewältigung von Katastrophen leisten Helfer in festen Strukturen." Und wenn man über die Jugend schimpfe, finde er, dass es weniger berechtigt sei. Er kenne viele junge Leute, die tolle junge Leute seien. "Die brauchen aber Aufhänger, brauchen Organisationen, wo sie sich beweisen können, Organisationen wie die Feuerwehr und das THW."

Zu den Feuerwehren, die 1997 die Kräfte vor Ort unterstützten, gehörte die aus Sülze. Seit der Wende ist sie die Partnerwehr von Hohenwutzen. Über Willi Rollin von der heutigen Feuerwehr Altglietzen-Hohenwutzen war der Kontakt zustande gekommen. Sein Onkel, Leo Döhner, war damals Ortsbrandmeister von Sülze. Am Sonnabend sind Sebastian und Hartmut Kaben, Heino, Christina und Sebastian Hohls aus Sülze an die Oder gekommen, um Altglietzen-Hohenwutzens Ortswehrführer, Wolfhard Böning, eine Erinnerungstafel zu überreichen.

Überhaupt ist es ein Tag des Erinnerns und Innehaltens. Denn obwohl die Deiche ertüchtigt worden seien und es ein gutes Hochwasserabwehrsystem gebe, wie Landrat Gernot Schmidt eingangs sagt, dürfe die Gefahr, die von der Oder ausgehe, nie vergessen werden. Eine Gefahr, wie sie sich 1997 darstellte. Vor Ort, am Deichkilometer 70,4, rekonstruieren am Sonnabend Willi Rollin und Hans-Peter Trömel für alle geladenen Gäste noch einmal die Situation vom 30. Juli, als es zum großen Böschungsabrutsch gekommen war.

Eine Gefahr, die die Bürger von Hohenwutzen, die in unzähligen Stunden Sandsäcke gefüllt und sich um die Versorgung der Einsatzkräfte gekümmert haben, nicht vergessen. Das meint jedenfalls Elfriede Klopper. Die 76-Jährige weilt am Sonnabendnachmittag mit ihrem Mann Werner (77) beim Fest in der Neuglietzener Straße. Es sei schon eine schlimme Zeit gewesen, sagt die 76-Jährige. Aber der Zusammenhalt der Menschen sei einmalig gewesen. Den wünschte sie sich auch heute. Andrea Schüler aus Hohenwutzen erinnert sich ebenso an den Juli 1997. Damals habe sie in Neuenhagen gewohnt und immer wieder die Hubschrauber gehört. An einem Tag habe aber so eine gespenstische Stille geherrscht, dass alle glaubten, der Deich sei gebrochen. Renate Boche aus Hohenwutzen erklärt Malerin Elizabeth Punkhurst in der Ausstellung des THW "Ein Fluss verbindet" die Situation von damals und blickt ernst. "Jetzt kommt alles wieder hoch", sagt sie.

Vor allem den Bürgern, nicht nur den Hohenwutzenern, dankt Petra Lunow für den Zusammenhalt, der notwendig gewesen sei, um die Katastrophe 1997 abzuwenden. Petra Lunow hatte mit Unterstützung vieler den Tag organisiert.

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