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Diabeteskranke Kinder erholen sich in Bremsdorf

Hollywood im Schlaubetal

Im Medizin-Stützpunkt: Elias Charrik und Margarete Milek (Medizinstudentin) helfen der Schülerin Celina (15/Mitte) beim Katheter-Wechsel.
Im Medizin-Stützpunkt: Elias Charrik und Margarete Milek (Medizinstudentin) helfen der Schülerin Celina (15/Mitte) beim Katheter-Wechsel. © Foto: MOZ
Ralf Loock / 01.08.2017, 06:13 Uhr
Bremsdorf (MOZ) 105 Kinder aus ganz Deutschland nehmen an dem Kids-Camp in der Jugendherberge Bremsdorfer Mühle teil. Das Motto lautet "Hollywood", die Kinder versuchen sich als Regisseure, Kameramänner und junge Diven. Alle sind an Diabetes Typ 1 erkrankt, sie brauchen Insulin-Spritzen oder -Pumpen.

Fröhliche Schüler toben auf dem Gelände der Jugendherberge, spielen Federball, laufen um die Wette und kichern über neue Witze. Doch sie sind besondere Gäste. Alle brauchen Insulin, jeden Tag. In diesem Kids-Camps sollen sie nun erfahren: "Ich bin nicht alleine, ich kann auch außerhalb meines Elternhauses klarkommen, ich kann toben, lachen, schwimmen wie andere Kindern auch." Dies seien die großen Ziele, erläutert Facharzt Dr. Karsten Milek. Er und seine Frau Dr. Susanne Milek organisieren dieses Ferienlager - bereits zum 26. Mal. Seit neun Jahren kommen sie nach Bremsdorf. "Wir wollen, dass die Kinder eine tolle Zeit haben", sagt er.

Natürlich hat man sich viel vorgenommen - schwimmen, wandern und einen Ausflug mit Überraschungsziel. Doch die ersten Tage waren geprägt vom Regen, "da mussten wir natürlich unser Programm ändern", sagt Karsten Milek. Der Regen war und ist eines der großen Themen, beispielsweise für Reah (15) aus Hildesheim. Sie verfolgt aufmerksam die Nachrichten aus ihrem Heimatort: "Meine Mutter berichtete mir am Telefon, dass mein Kinderzimmer überflutet ist." Da kann man sich natürlich über die Regenfälle im Schlaubetal ärgern, aber sie kann sich freuen, dass sie hier trocken und sicher ist. "Mir gefällt es auch in diesem Jahr wieder ganz toll", sagte Reah, die bereits zum vierten Mal dabei ist.

Sie hat wie viele andere auch ein ganz neues Gerät: "Das ist ein Freestyle Libre, so groß wie eine 2-Euro-Münze", erläutert Karsten Milek. Das Gerät wird im Unterhautgewebe im Oberarm befestigt und misst den Blutzucker. Damit entfällt die Messung mit einem Stich in einen Finger. Diese war üblicherweise etwa acht bis zehn Mal täglich notwendig. Das neue Gerät wird etwa alle vierzehn Tage gewechselt, auch schwimmen und duschen ist damit möglich.

Überhaupt ist der Aufwand beeindruckend, denn alle Schüler bedürfen einer intensiven medizinischen Betreuung. 40 Helfer, darunter vier Ärzte, sind anwesend. Ferner sind 15 Auszubildende der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, vier Diabetes-Beraterinnen, Erzieherinnen, Krankenschwestern und weitere Freiwillige im Einsatz, darunter zwei, die als Schüler schon teilgenommen haben: "Ich war vier Mal im Schlaubetal. Mir hat es so gut gefallen, dass ich jetzt als Dank etwas zurückgegeben möchte", sagt Elias Charrik (18). Er hilft mit bei den Messungen.

In einem Haus ist ein medizinischer Stützpunkt eingerichtet worden, So kann die medizinische Fachangestellte Sandra Lehmann auch mal ein blutendes Knie verbinden. Dass sie sich freiwillig gemeldet hat, hat Gründe: Sie arbeitet in der Praxis der Allgemeinmedizinerin Mandy Schwabe in Lützen, die mit im Camp ist. Auch der Sohn von Sandra Lehmann, an Diabetes Typ I erkrankt, ist dabei.

Um Kinder und Jugendliche spielerisch an das Thema Ernährung heranzuführen, hat Susanne Milek eine kleine Kochshow organisiert. Für den zweiten Durchgang am Freitag hatte sie unter anderem Staudensellerie, rote Bete, Pastinaken und Knoblauch eingekauft; aus den Reihen der Teilnehmer wurden drei Gruppen gebildet, ihre Aufgaben lautete aus diesen Zutaten nach ihren eigenen Rezepten und Vorstellungen eine Vorspeise, einen Hauptgang und einen Nachtisch zu kreieren. Da es eine Kochshow ist, braucht man auch eine Jury. Beim ersten Durchgang trat Eckhard Rockstädt von der Herbergsleitung als Experte und Verkoster auf, der alle Gerichte probierte und bewertete. "Hat er gut gemacht", lobte Susanne Milek. Wie überhaupt die Gäste das Team der Jugendherberge mit anerkennenden Worten bedenken.

Da das Motto in diesem Jahr Hollywood ist, wird am Dienstag ein Filmteam aus München das Kids-Camp besuchen. "Die werden einen Film über uns produzieren", erläuterte Karsten Milek. Und obendrein wollen die Profis mit den Schülern eine Szene aus Star Wars nachdrehen

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