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Blitzkarriere im Sattel von "Günni"

Hoch hinaus: Bei den Landesmeisterschaften in Neustadt/Dosse holte sich Isabell Krug auf ihrem "Günni" den Titel im Springen.
Hoch hinaus: Bei den Landesmeisterschaften in Neustadt/Dosse holte sich Isabell Krug auf ihrem "Günni" den Titel im Springen. © Foto: Angelique Rebentisch
Britta Gallrein / 01.08.2017, 19:13 Uhr
Elisenau (MOZ) Sie ist wohl eines der größten Nachwuchstalente im Reitsport in Berlin und Brandenburg. Die erst 14-jährige Isabell Krug vom RV Elisenau begann erst vor zwei Jahren mit dem Reiten - am Wochenende startete sie bei der Global Champions Tour mit Ludger Beerbaum und Co.

Wenn Isabell Krug von ihrem Wallach "Get up and Fly" spricht, kommt sie aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. "Er ist mein Herzenspferd, unglaublich brav, gutmütig, mutig und er macht einfach alles für mich. Ich freue mich jeden Tag, dass ich ihn habe", kann die Schülerin aus Eggersdorf bei Strausberg die Begeisterung für den 12-jährigen Vierbeiner nicht verleugnen.

Dabei hatte Isabell zu Pferden früher so gar keinen Draht. "Ich habe mich immer über Leute lustig gemacht, die zum Reiten gegangen sind. Ich fand das eher doof, weil das so ein totaler Mädchensport ist", erinnert sie sich. Schlagzeug und Boxen, das war mehr so ihr Ding. Doch dann schenkte ihr eine Freundin zum Geburtstag einen Gutschein für eine Reitstunde. Isabell ging hin und fand es plötzlich gar nicht mehr doof, sondern war Feuer und Flamme. Der Pferde-Virus hatte zugeschlagen.

Sie lernte Reiten, bekam von den Eltern Pony Montana geschenkt und wechselte nach einem halben Jahr nach Elisenau in den Stall von Alexander Gibson. Der Trainer, der schon einige Kinder erfolgreich in die Turnierszene brachte, erkannte schnell das Talent der Zwölfjährigen.

Weil sie für Montana schnell zu groß wurde, vermittelt Alexander Gibson ihr den Wallach "Get up and fly" - ein echter Glücksfall. Der ruhige Fuchs erwies sich als ausgezeichneter Lehrmeister für Isabell. Der Vierbeiner weiß, worauf es ankommt und macht seinen Job zuverlässig, während seine junge Reiterin schnell immer besser wurde. So gut, dass der erste Turnierstart anstand. Vor einem Jahr startete die Schülerin des Fontane-Gymnasiums in Strausberg in ihrem ersten E-Springen (Hindernisse bis 90 Zentimeter).

Das war der Startschuss für eine tolle Karriere im Sattel. Seitdem geht es steil bergauf. Es folgten die ersten A- (1 Meter), L- (1,20 Meter) und schließlich M-Springen (1,40 Meter). Von E bis M in nur einem Jahr - andere Reiter brauchen dafür Jahre.

In diesem Jahr sei die jetzt 14-Jährige schier über sich hinausgewachsen, berichtet Alexander Gibson. Im Juni wurde Isabell Barnimer Kreismeisterin im Springen. "Da waren wir alle überrascht. Schon das war ein ganz, ganz toller Erfolg", freut sich ihr Trainer. "Mit mehr hatten wir eigentlich gar nicht gerechnet."

Zu den Landesmeisterschaften nach Neustadt/Dosse sei man daher auch mit nicht besonders großen Erwartungen gereist. "Sie wollte mitreiten, mehr war nicht geplant", erinnert sich Gibson. Doch dann legte seine Schülerin in allen drei L-Springen tolle Runden hin, war dreimal gut platziert und holte sich so in der Endabrechnung den Titel als Landesmeisterin in der Altersklasse Children.

Isabell Krug kann den Erfolg immer noch nicht so richtig fassen. "Ich hätte mir das niemals träumen lassen", erzählt die 14-Jährige. "Ich war sprachlos. Das war wie ein Traum. Ich kann es auch heute noch nicht so richtig glauben." In zwei Jahren von den ersten Runden auf einem Pony zur Landesmeisterin - das soll ihr auch erstmal einer nachmachen.

Am Wochenende folgte der nächste Traum. Die Neuntklässlerin (Lieblingsfächer Sport, Deutsch und Englisch) durfte bei "dem" Reitsportereignis in Berlin starten, der Global Champions Tour. Allein die Kulisse sei atemberaubend gewesen, berichtet Isabell. "Das ganze Drumherum, die vielen Leute und dann lächelt dich auf dem Abreiteplatz Ludger Beerbaum an - das war schon ein ganz besonderer Moment", sagt die Amazone. Zweimal Achte in den L-Springen - auch diesmal lief es wieder gut für Isabell. Ihr "Günni" ließ sie auch diesmal nicht im Stich. "Er hat sich von der Kulisse gar nicht beeindrucken lassen. Er hat so getan, als würde er das alles schon kennen", schwärmt sie.

Mit ihren tollen Leistungen hat die 14-Jährige auch Landestrainer Bernd Peters auf sich aufmerksam gemacht, der die Eggersdorferin für die Deutschen Meisterschaften nominierte. Ob sie daran teilnimmt, steht aber noch nicht fest. "Die Prüfungen dafür sind auf M-Niveau", erklärt Alexander Gibson. "Isabell ist zwar vor zwei Wochen ihr erstes M-Springen geritten, aber ihr fehlt natürlich noch viel Erfahrung. Die Meisterschaften sind Anfang September. Wenn sie bis dahin nicht so weit ist, lassen wir das lieber."

Eine Meinung, die auch Isabell teilt. "Klar würde ich mich riesig freuen, wenn ich die Meisterschaften reiten könnte. Aber ich bin schon sehr stolz auf das, was ich in der kurzen Zeit alles geschafft habe. Wenn es also in diesem Jahr noch nicht klappt, ist das so. Ich muss eben noch viel lernen und viele Erfahrungen sammeln."

Und schließlich sei Turnierreiten ja auch nicht alles. "Ich gehe auch mit Günni gerne einfach mal ins Gelände oder mache gar nichts. Er soll ja den Spaß nicht verlieren."

Ziel der talentierten Nachwuchs-Amazone: "Einmal eine gute Runde im S-Springen reiten", sagt sie und fügt lachend hinzu. "Aber Mama ist dagegen. Der musste ich am Anfang versprechen, dass ich nicht höher als einen Meter springe." Aber dafür ist es ja nun sowieso schon zu spät.

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