Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Strausberger Ortsverband des Deutschen Amateur Radio Clubs muss aus der Schule am Wäldchen raus

Funker suchen neue Vereinsräume

Funken im Verein: Christian Puttin und Silvio Kunze (v. l.) unterm Dach der Grundschule Am Wäldchen. Sie suchen neue Vereinsräume, die sie möglichst dauerhaft nutzen können
Funken im Verein: Christian Puttin und Silvio Kunze (v. l.) unterm Dach der Grundschule Am Wäldchen. Sie suchen neue Vereinsräume, die sie möglichst dauerhaft nutzen können © Foto: MOZ/Jens Sell
Jens Sell / 01.08.2017, 19:23 Uhr
Strausberg (MOZ) Spätestens mit dem Umbau der Grundschule Am Wäldchen zu einem Schulcampus wird es nicht nur eng für die Amateurfunker Strausbergs: Sie verlieren ihren Vereinsraum. Sie suchen händeringend einen Neuen.

Die voll gestellte Dachkammer in der Grundschule Am Wäldchen teilen sich die Amateurfunker noch mit Musikern einer Band, die ihr Material dort abstellen, und dem Server-Schrank für die Computer der Schule. Es bleiben ihnen etwa acht Quadratmeter, auf denen ihr breiter Arbeitstisch und ein kleiner Abstelltisch, ihr Kurzwellen- und UKW-Funkgerät, mehrere Flachbildschirme und ein PC ohne Internetanschluss, Dutzende ihrer Pokale und kleinere UKW-Funkgeräte Platz finden müssen.

Und natürlich die Mitglieder des Strausberger Ortsverbandes des Deutschen Amateur Radio Clubs selbst. Es sind 28 an der Zahl, doch wie in den meisten Vereinen sei nur etwa jeder Dritte richtig aktiv. "Mehr als zwei oder drei finden hier sowieso kaum Platz", sagt Vereinsmitglied Silvio Kunze, der im Distrikt Brandenburg für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. "Aber wir klagen nicht, sind wir doch dankbar, dass wir überhaupt hier noch arbeiten dürfen." Christian Puttin unterdessen plaudert gerade auf Englisch ins Mikrofon, dass er in Strausberg am östlichen Stadtrand von Berlin lebe, nur eine Fensterantenne habe und das Wetter gerade sehr durchwachsen sei. Mit "QSL, QSL" beendet er das Gespräch, das er mit einem südfranzösischen Amateurfunker, der nahe dem Mittelmeer lebt, geführt hat. Er nimmt ein Buch und fängt an, eine Tabelle auszufüllen, dann eine Ansichtskarte. Auf der ist eine Stadtansicht vom See aus zu sehen, darüber in Großbuchstaben die Kennung der Strausberger Station DL0MOL. Auf der Rückseite füllt er wieder eine Tabelle aus und unterschreibt. "Das ist die QSL-Karte, mit der noch einmal ganz herkömmlich schriftlich der Funkkontakt bestätigt wird", erläutert Silvio Kunze. Die Karten würden kostenlos über die Verbände verschickt, neulich sei eine allerdings mal erst nach 50 Jahren angekommen.

Man kann auf so beschränktem Raum weltweiten Amateurfunk betreiben, aber selbst dieser engste Raum ist dem Verein gekündigt, weil die Schule umgebaut wird. Dann müssen sie dort raus, müssen die Antennen vom Dach demontieren und möglichst in neue Räume umziehen. "Natürlich wären Räume in einer Schule schön", sagt Silvio Kunze, "dann könnten wir unsere Jugendarbeit wieder beleben." Er selbst betreut schon den Sohn eines Kollegen. Er ist fasziniert von diesem Hobby. "Bei uns geht es nicht darum, vorm Computer zu hocken oder im Internet zu surfen, bei uns geht es um das Verstehen der Funktionsweise von Funktechnik und die Nutzung ihrer enormen Möglichkeiten", sagt Silvio Kunze. Ein Amateurfunker nehme nicht nur Kontakt zu Funkern in aller Herren Länder auf, sondern könne selbst Antennen und Funkgeräte bauen. Im Katastrophenfall, wenn tatsächlich längerfristig der Strom ausfalle und kein Internet oder Telefon nutzbar wären, könnte ein Amateurfunker mit einer Zwölf-Volt-Autobatterie, seinem Funkgerät und einem Stück Draht noch tagelang Nachrichtenverbindungen aufrechterhalten.

Amateurfunk ist ein Nischen-Hobby, das meist den späteren Berufswunsch beeinflusst. "Bei uns sind die Kinder gut aufgehoben, die weder musikalisch noch sportlich sind", schmunzelt Kunze, "und Wettkämpfe gibt es bei uns auch." Nur: Die jetzigen Räume sind nicht wettkampffähig, neue Pokale kommen also vorerst nicht hinzu.

Für neue Räume nennt Silvio Kunze nicht als erstes Kriterium die Größe: "Wir brauche die Möglichkeit, Antennen aufzubauen, die Räume sollten abschließbar sein und Sanitäreinrichtungen haben. Und natürlich brauchen wir einen Stromanschluss." Ein ganz wichtiger Wunsch wäre aber auch die Dauerhaftigkeit. Die Strausberger Amateurfunker sind oft genug herumgeschubst worden.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG