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Karin-Elfi Kockel und ein Dorfleben mit Schwung

"So kennen mich die Leute": Mit dem Fahrrad ist Karin-Elfi Kockel unterwegs zum Sportlerheim, wo sich die Ortsgruppe der Christlichen Bürgerhilfe einmal im Monat trifft.
"So kennen mich die Leute": Mit dem Fahrrad ist Karin-Elfi Kockel unterwegs zum Sportlerheim, wo sich die Ortsgruppe der Christlichen Bürgerhilfe einmal im Monat trifft. © Foto: Wiebke Wollek/MOZ
Wiebke Wollek / 01.08.2017, 22:00 Uhr
Häsen (OGA) Ein verträumtes Dorf mit 280 Einwohnern, ohne Kirche, dafür mit einem schönen Sportplatz nebst Spielmöglichkeiten für Kinder - das ist Häsen auf den ersten Blick. Doch Karin-Elfi Kockel und andere Ehrenamtliche bringen mit vielen Ideen Leben ins Dorf.

Seit über zehn Jahren leitet sie den Ortsverein der Christlichen Bürgerhilfe, beteiligt sich an der Organisation von Dorffesten und hat immer ein offenes Ohr für ihre Mitmenschen. Auch wenn es Karin-Elfi Kockel aus Häsen etwas unangenehm war - um die Nominierung zur Auszeichnung für Ehrenamtler der Gemeinde Löwenberger Land kam die 71-Jährige nicht herum. Sie erinnert sich noch genau an den Anruf von Ortsvorsteherin Claudia Weiß, denn der kam am Geburtstag ihres Mannes im November. Die Ortsvorsteherin hatte Karin-Elfi Kockel zur Ehrung vorgeschlagen und wollte sie darüber informieren. "Ach Frau Weiß", sprach diese in den Hörer. "Das muss aber nicht sein." Mitte Juli gratulierte ihr dann Bürgermeister Bernd-Christian Schneck mit einem Blumenstrauß.

Schon immer hat sich die gelernte Krankenschwester um andere Menschen gekümmert. In Häsen ist Karin-Elfi Kockel aufgewachsen, bis ihre Familie nach Bötzow zog. Nach der Lehre bekam sie mit 20 Jahren ihren ersten Sohn, mit 23 folgte Sohn Nummer zwei. Beruflich hatte es sie aber nicht ins Krankenhaus, sondern zunächst ins Perwenitzer Rathaus verschlagen, denn dort wurde sie mit 23 Jahren Bürgermeisterin - von 1969 bis 1991. Dafür absolvierte sie berufsbegleitend ein Studium der Staatswissenschaft.

Ab 1991 startete sie dann aber wieder in ihrem erlernten Beruf durch. Für ihre Stelle in der häuslichen Krankenpflege fuhr sie jeden Tag früh morgens 60 Kilometer bis nach Börnicke, mit ihrem Dienstfahrzeug nochmal bis zu 60 Kilometer von Patient zu Patient und am Nachmittag wieder 60 Kilometer nach Hause. "Was Arbeit betrifft, da kann mir keiner was vormachen", sagt Karin-Elfi Kockel schmunzelnd. Sie ist es gewohnt, anzupacken. Schon lange hatte sie einen Wunsch, den sie sich im Ruhestand verwirklichen wollte: "Ich trete in den örtlichen Rentnerverein ein", sagte sie sich und setzte diesen Plan 2006 in die Tat um. Rentnerverein, Gluckentreffen, Klatschverein - hinter all diesen scherzhaft angehauchten Namen verbirgt sich die Häsener Ortsgruppe der Christlichen Bürgerhilfe Löwenberg. Ob sie denn auch alle christlich seien? Über diese Frage kann Karin-Elfi Kockel nur herzhaft lachen. "In Häsen gibt es ja nichtmal eine Kirche." In der Ortsgruppe ist jeder herzlich willkommen. Während andere Gruppen am liebsten Würfeln und Karten spielen und wieder andere ihre Zeit mit Handarbeiten verbringen, haben sich die Häsener eigene Schwerpunkte gesucht. "Wir hören uns gerne Vorträge an", erzählt die 71-Jährige. Hin und wieder kommt Ortschronist Günther Hackbarth für eine Gymnastikstunde vorbei. Im Sommer treffen sich die 18 Mitglieder zwischen 54 und 82 Jahren draußen am Sportlerheim, im Winter sitzen sie drinnen. "Wir sind ausschließlich Frauen, die Männer lassen wir zu Hause." Die Ortsgruppe organisiert Feste zum Fasching, Frauentag oder Weihnachten.

Gerade laufen die Vorbereitungen für das Dorffest am 16. September. Dort steuern die Damen Kuchen bei. "Wir helfen gerne", sagt Karin-Elfi Kockel. Ihr ist es wichtig, vor allem ältere Menschen zu motivieren, am Leben teilzunehmen und sich nicht allein in der Stube zu verkriechen. "Die Gesellschaft verroht und vergreist sonst immer mehr", warnt die 71-Jährige. Mit ihrem Engagement möchte sie Häsen beleben und Menschen, die nach Hilfe oder Gesellschaft suchen, eine Anlaufstelle geben. "Das ist für mich nichts besonderes, ich mach es gerne."

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