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Greiffenberger Mühlenfreunde lassen Pferdestärken klingen

Kraftvolle Seufzer geretteter Motoren

Zünden, kurbeln und dann kommt er: Christian Koch (l.) von den Mühlenfreunden startet einen Motorveteranen
Zünden, kurbeln und dann kommt er: Christian Koch (l.) von den Mühlenfreunden startet einen Motorveteranen © Foto: Stefan Csevi
Oliver Schwers / 07.08.2017, 06:06 Uhr - Aktualisiert 07.08.2017, 08:45
Greiffenberg (MOZ) Mit einer brennenden Lunte nähert sich Christian Koch dem schweren gusseisernen Gehäuse. Das Feuer verschwindet in einem kleinen Loch. Dann dreht und zieht der Monteur an ein paar Hebeln und es erklingt ein freundliches Blubb. Dann noch eins. Immer schneller. Blubbblubb. Auf den Gesichtern der älteren Herren mit Hut und Stock erscheint ein freundliches Grinsen. Den Ton kennen sie noch aus Kindertagen. Der kraftvolle Dieselmotor gewinnt an Umdrehungen und kommt in Schwung. Christian Koch ist zufrieden. Denn ganz so einfach wie ein heutiger Motor lässt sich der aus dem Jahre 1920 stammende Muskelprotz nicht anwerfen. Das Originalstück, das die Freunde der Greiffenberger Erdholländermühle einst an Ort und Stelle als Wrack geborgen und später mit großer Unterstützung aufbereitet haben, läuft wieder. Solange die Mühle keine eigenen Flügel besitzt, können Besucher auf dem Hügel den 24-PS-Antrieb der Kieler Motorenwerke bewundern. Der letzte Müller beschaffte das gute Stück und musste dafür tief in die Tasche greifen, sogar einen Kredit aufnehmen. Nur noch dreimal soll der Typ in ganz Deutschland vorhanden sein.

Das 2. Stationärmotortreffen an der Greiffenberger Mühle fand am 05.08.2017 statt. Auch die Motoren der Erdholländermühle wurden in Betrieb genommen.
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Stationärmotortreffen an der Greiffenberger Mühle

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Gleich daneben steht inzwischen ein gebrauchter Elektro-Motor, geborgt aus einer anderen noch erhaltenen Mühle. Auch der funktioniert einwandfrei, um die großen Transmissionsriemen in Betrieb zu setzen. Die wiederum laufen über Wellen und drehen schon mal den Antrieb des später angedachten kompletten Mahlgangs. So wächst die einst fast untergegangene Mühle wieder Stück für Stück empor, unterstützt von vielen Helfern und Sponsoren.

Vor der Tür und am Fuße des Mühlenhügels macht es ebenfalls Blubb. Dort haben Technik-Fans alter Motoren aller Art ihre transportablen Lieblingsstücke aufgebaut. Aus Solidarität zu dem großen Dicken im hölzernen Bauwerk lassen sie ihre PS erklingen. Versammelt sind Nachbauten, erhaltene und restaurierte Exemplare mit Gasantrieb und Benzinschlucker. Zum zweiten Mal findet das Stationärmotorentreffen in Greiffenberg statt. Ein ganz eigenes Spektakel von historisch bewussten Menschen, Technikern und Sammlern. Hans-Werner Lindner hat inzwischen zwölf Stück auf seinem Grundstück in Potzlow. Hier in Greiffenberg lässt er einen schwedischen Albin-Bootsmotor aus dem Jahre 1930 laufen. Den setzte er einst instand und freut sich über das leichtgängige Rumoren. Warum sammelt man alte Motoren? Lachen als Antwort. "Es macht Spaß", sagt Lindner. Vielleicht ist es auch der Reiz, festsitzende Maschinen wieder in Gang zu bringen. Die meisten bekam er im Schrottzustand. Jetzt drehen sie sich wieder, ohne richtig arbeiten zu müssen. Der Sammler baut sogar Vergaser selbst. Die Freude an der Technik erfasst die Besucher ganz automatisch.

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