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"Viva Nabucco" - König Nebukadnezar auf dem Domstiftsgut

Gabi Herrmann / 07.08.2017, 15:55 Uhr
Mötzow (MOZ) (geh) Große Gefühle, große Gesten, große Musik auf dem Domstiftsgut. Für jeden Klassikfan ist klar: Man muss NABUCCO mit dem weltberühmten Gefangenenchor wenigstens einmal unter freiem Himmel und in einer großartigen Inszenierung erlebt haben. Die renommierte Festspieloper Prag brachte die Oper von Giuseppe Verdi auf die Open-Air-Bühne und ermöglichte so ein großes Werk, ganz ungezwungen zu erleben. "Va, pensiero, sull'ali dorate" - "Flieg, Gedanke, getragen von Sehnsucht, lass dich nieder in jenen Gefilden, wo in Freiheit wir glücklich einst lebten, wo die Heimat uns'rer Seele ist" - so beginnt der wohl bekannteste Chor der Operngeschichte sein mitreißendes Lied gegen Tyrannei und Willkür in Verdis Nabucco. Die Oper gilt als Verdis Meisterwerk und als sein, wie wir heute sagen würden, Comeback. Giuseppe Verdi hatte sich vor dem Schreiben der Oper auf einem Tiefpunkt befunden, beruflich und privat. Innerhalb kurzer Zeit waren seine beiden Kinder und seine Frau gestorben. Das Textbuch für "Nabucco" brachte Verdi die Begeisterung für seine Passion zurück. Die Geschichte der Oper spielt in Jerusalem und Babylon etwa 587 vor Christi und rankt sich unter anderem um die Verfolgung und geplante Vernichtung der Hebräer durch Babylonier, enttäuschte Liebe, die Rivalität zweier Schwestern, menschliche Machtgier, Wahnsinn, Erleuchtung, Tod und am Ende Befreiung der Hebräer sowie Hoffnung auf Frieden. Die ausgesuchten Solisten, Chorsänger und Orchestermusiker aus namhaften Opernhäusern Tschechiens erweckten das alte Babylon und den Freiheitskampf der Israeliten zum Leben. Das Bühnenbild war etwas spartanisch, aber pragmatisch und passend gestaltet. Mit wenigen Handgriffen ließ sich die Szenerie umbauen, sodass die Szenen nahezu ungestört ineinander übergehen konnten. Zugegeben erreichte die musikalische Klangfülle nicht die eines der großen Opernhäuser, dies tat dem besonderen Erlebnis aber keinen Abbruch. Denn Nabucco lebte auch in Mötzow von den Gefühlen und Gesten der Protagonisten. Beeindruckend war zum Beispiel der Bass Juri Kruglov, der den hebräischen Hohepriester Zaccharias nicht nur gesanglich, sondern auch schauspielerisch äußerst gelungen verkörperte. Einen weiteren Höhepunkt setzte Liana Sass als Abigaille mit ihrer Mimik und klaren Sopranstimme. Überrascht und erschrocken waren viele, als plötzlich die Rückwand der Bühne einbrach und Nabucco der König von Babylon, zu deutsch Nebukadnezar, erschien und in das Geschehen eingriff. Nabucco ist auch eine Oper, die auch von ihren Chören lebt. Alle freuten sich natürlich auf den Gefangenenchor aber auch zum Schluss ist der mächtige a capella Chor mit seinen "Immenso Jehovah" durchaus ebenbürtig. Es war eine lockere, entspannte Atmosphäre für die Zuschauer und viele, die sich bisher nicht ins Opernhaus trauten, konnten ohne Zwang der wunderschönen Musik lauschen und diese lieben lernen: "Viva Nabucco".

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