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Motorrad-Fans bescheren den Lobetaler Bewohnern einen unvergesslichen Nachmittag

Senioren biken durch Lobetal * Überschrift 18pt

Felix Schönfelder / 08.08.2017, 06:44 Uhr
Lobetal (MOZ) Unter dem Motto "Bodelschwingh trifft Luther - Bewohner trifft Biker" erwartete die Bewohner des Seniorenwohnparks "Am Kirschberg" am vergangenen Sonnabend ein ebenso aufregendes wie einmaliges Erlebnis. Mit knatternden Motoren ging es durch den Nachmittag.

Viel Engagement legen die Motorrad-Fans an den Tag, um den Bewohnern einen unvergesslichen Nachmittag mit Ausfahrten, Musik und viel guter Laune zu bescheren. Zwar ist der Himmel über dem Seniorenwohnpark an diesem Sonnabend wolkenverhangen und grau, doch das Geschehen am Boden steht dazu in krassem Gegensatz, vor allem für ein Seniorenwohnheim. Zu Dutzenden sind die Bewohner der Anlage auf den Hof geströmt, um nichts von dem großen Spektakel zu verpassen. Dazu gesellen sich Anrainer und Bewohner der Eingliederungshilfe. Chromblitzende Motorräder und Trikes stehen aufgereiht im Innenhof des Wohnheims. Dazwischen stechen die Biker und Bikerinnen in ihren zumeist schwarzen Motorradjacken sofort hervor.

Zusammengekommen sind sie alle auf Einladung von Wohnheimleiterin Karin Abromeit und Gemeindepastorin Birgit Sturmberg, um gemeinsam nicht nur das Reformationsjahr, sondern auch das 150-jährige Jubiläum der Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel auf etwas andere Art zu begehn. Vor allem aber ist man heute zusammengekommen, um einander eine Freude zu bereiten und die Gemeinschaft zu zelebrieren.

Die Idee für die unorthodoxe Feier mit gemeinsamer Motorrad-Ausfahrt kommt von Gemeindepastorin Birgit Sturmberg: "Ich kenne das Konzept schon aus anderen Städten und Bundesländern und als ich das hier vorgeschlagen habe, ist das auf sehr fruchtbaren Boden gefallen", verrät die 43-Jährige, die selbst begeisterte Bikerin ist. "Tatsächlich wurde die Idee mit soviel Hurra aufgenommen, dass ich eigentlich gar nicht mehr viel machen musste." Das bestätigt Karin Abromeit, ohne mit der Wimper zu zucken: "Ich fand die Idee sofort super. Bloß weil manche unsere Bewohner nicht mehr so können, wie sie möchten, muss das ja nicht heißen, dass sie nicht trotzdem am Leben teilhaben können. Notfalls müssen wir das Leben eben hierher bringen", bekräftigt sie.

Dafür haben sich die beiden engagierten Frauen ordentlich ins Zeug gelegt. So hat Birgit Sturmberg ihre Kontakte zu befreundeten Motorradfahrern und -clubs angezapft und bikende Mitglieder der Rotarier, des AWO-Stammtischs und der Polizei - die Blue Knights - mobilisiert. Und auch der ein oder andere Motorrad-affine Mitarbeiter der Hoffnungsthaler Anstalten ist mit von der Partie. Heimleiterin Abromeit hat dazu mit Livemusik, Kuchen und Grill den passenden Rahmen organisiert, lediglich das Wetter will nicht ganz mitspielen.

Doch das tut der Stimmung keinen Abbruch. Beim Gottesdienst, den Pastorin Sturmberg stilecht in Motorradjacke und mit einem stählernen Kruzifix um den Hals hält, erinnert sie daran, dass man auch trotz widriger Umstände nicht aufgeben sollte. Und so lassen sich denn auch die motorradbegeisterten Senioren nicht lange vom Wetter hindern und klettern für eine kurze Tour über das Gelände in Beiwagen und auf Rücksitze.

Unter den Wagemutigen ist auch Wilfried Plötz (79) in Begleitung seiner Tochter Sabine Nemitz. "Mein Vater ist früher selbst Motorrad gefahren und hat auch gleich gesagt, dass er auf jeden Fall mal eine Runde mitfahren möchte", verrät die 54-jährige, während ihr Vater den Rollator gegen den Motorradbeiwagen eintauscht. "Es ist wirklich schön, dass so etwas für die älteren Leute angeboten wird", zieht Sabine Nemitz ihr Fazit.

Angetan vom Engagement der Biker ist auch Marlen Mischling. Die Bernauerin leitet die Pflege im Seniorenwohnpark. "Der Motorensound beim Auffahren war schon beeindruckend", gesteht die 36-Jährige. "Und die Bewohner finden das erst recht toll, gerade der Anblick der Motorräder mit Beiwagen weckt alte Erinnerungen", sagt Marlen Mischling. "Eine Bewohnerin hat uns erzählt, dass sie so ihren Mann kennengelernt hat, über eine Fahrt im Beiwagen."

Begeistert von dem Event sind auch die Biker wie Ulrich Wehner. "Das ist Kirche zum Anfassen, die auf die Leute zugeht und mit einem anderen Alltag bekannt macht", schwärmt der 58-jährige Berliner. "Ich kann mir vorstellen, dass sich die Bewohner über diesen Tag noch lange unterhalten."

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