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Fast 45 Jahre nach Schließung der Börnicker Schule ist das Lehrer-Ehepaar Ewert noch immer in aller Munde

"Schule hat richtig Spaß gemacht"

Sabine Rakitin / 08.08.2017, 06:58 Uhr
Börnicke (MOZ) 2018 jährt sich die Schließung der Dorfschule in Börnicke zum 45. Mal. Doch vergessen ist die Schule nicht. Am Wochenende trafen sich an die 60 Frauen und Männer im Gutshaus zum Schultreffen. Es war das siebte seiner Art.

Ulrich Ewert ist der Mittelpunkt. Um den 92-jährigen, hochgewachsenen Mann mit dem schlohweißen Haar und seine zierliche Frau Christine (97) sammeln sich die Frauen und Männer, die am Sonnabendnachmittag in das Gutsverwalterhaus gekommen sind. Sie schwärmen für ihren alten Lehrer und der für seine einstigen Schüler. Fast jeden kennt Ulrich Ewert mit dem Namen. "Ach Olaf, das ist aber schön, dass du gekommen bist", begrüßt er einen Mittsechziger, der aus Baden-Württemberg angereist ist. "Mit Dir habe ich gar nicht gerechnet. Olaf ist nämlich Dialyse-Patient", schickt Ulrich Ewert erklärend hinzu. Doch sein ehemaliger Schüler winkt ab und klopft dabei mit der Hand auf seine rechte Nierenseite. "Ich gehe schon sechs Jahre nicht mehr zur Dialyse. "Ich habe eine neue Niere bekommen", sagt er strahlend. "Das ist ja wunderbar", freut sich Ulrich Ewert mit dem Mann.

An der rechten Seite des verehrten Lehrers sitzt Ragnar Kubel. Der 53-jährige Diplom-Ingenieur, der mit seiner Familie Anfang der 1990er Jahre wegen besserer Arbeitsmöglichkeiten nach Nordrhein-Westfalen zog und dort sesshaft wurde, besuchte die Börnicker Schule von 1970 bis 1972. "Schule hat mir hier richtig Spaß gemacht", sagt der gebürtige Bernauer. "Jede Pause war Hofpause", erzählt er. Auf der Wiese hinter dem Haus lagen Auto- und sogar Traktorreifen. "An denen haben wir uns geschafft." "Und mit den Pappelhölzern habt ihr Häuser gebaut", erinnert sich Ulrich Ewert.

Der Kontakt zwischen dem Schüler und dem Lehrer ist nie ganz abgerissen. Als Ulrich Ewert vor ein paar Jahren einen Wochenendkurs zum Erlernen der Sütterlinschrift anbot, konnte Ragnar Kubel zwar nicht dabei sein. "Aber Herr Ewert hat mir kurzerhand die Unterlagen geschickt, so dass ich es zu Hause lernen konnte", erzählt er. Seitdem erfolgt die Korrespondenz zwischen beiden in der alten deutschen Schrift. "Aber einen Fehler machst Du: Du verwechselst das S. Das Rund-S geht nach vorne", belehrt der Lehrer seinen Schüler freundlich.

Ragnar Kubel gehört zu den letzten Erstklässlern, die in Börnicke eingeschult wurden. Dass der Bernauer Junge jeden Tag mit dem Schulbus zum Lernen aufs Dorf fuhr, hatte einen Grund. Es gab immer weniger Kinder in Börnicke. Wenn es ihm gelänge, die 1. Klasse mit Schülern aus Bernau aufzufüllen , bleibe die Schule bestehen, spornte der Kreisschulrat seinen Lehrer und Schulleiter Ewert an. Der ließ sich das nicht zweimal sagen. Er ging nach Bernau und warb für die kleine Dorfschule. "Wir bekamen die 36 Plätze voll", erzählt er schmunzelnd. So saßen in der letzten Klasse vor der Schließung der Schule 1973 Kinder aus Börnicke neben Kindern aus Bernau-Nibelungen. Und weil es in dem Stadtteil keinen Kindergarten gab, machte Ulrich Ewert in Börnicke auch noch eine Vorschule auf. "In der ersten Reihe der Klasse saßen die Vorschüler, dahinter die ABC-Schützen", erinnert er sich. "Und was soll ich sagen? Das war die disziplinierteste Klasse, die ich je hatte", schwärmt der 92-Jährige.

Doch 1973 war es dann doch vorbei. Die Börnicker Schule wurde endgültig geschlossen. Christine Ewert, die die Kinder im Hort betreute, zog mit ihnen in die Marie-Brendel-Schule um - die heutige Schule an der Hasenheide. "Unsere Materialien habe ich auch dorthin gebracht. Die Bänke gingen an die Kita. Und der Rest, der übrig blieb, steht im Schul-Museum", erzählt Ulrich Ewert.

Da unterrichtete Heidrun Schumacher längst in Berlin. Sie ging in die Börnicker Schulgeschichte ein, weil sie 1957 ihren Dienst als Lehrerin im Alter von 17 Jahren antrat. "Fräulein Mims, wie sie damals hieß, kam in Rock mit Petticoat, Absatzschuhen und trug Lippenstift. Die war der Hammer. Wir haben sie geliebt", schwärmen die in die Jahre gekommenen Schüler noch heute. Heidrun Schumacher lebt in Marienwerder. Die 77-Jährige besucht die Ewerts regelmäßig. "Er ist eine Fundgrube", schwärmt auch sie von ihrem einstigen Chef.

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