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Landespolitiker erntet Gurken

Gurkenernte wie im Spreewald: Benjamin Raschke zu Besuch im havelländischen Hohennauen.
Gurkenernte wie im Spreewald: Benjamin Raschke zu Besuch im havelländischen Hohennauen. © Foto: weber
Simone Weber / 08.08.2017, 16:52 Uhr
Hohennauen (MOZ) "Da kommt man als Spreewälder ins Havelland, und was macht man - Gurken ernten", scherzte Benjamin Raschke. Der 35-Jährige aus Schönwalde bei Brand (Landkreis Dahme-Spreewald), der seit 2014 für Bündnis'90/Die Grünen im Landtag sitzt, ist auf Sommertour. Den Fraktionssprecher für Landwirtschaft und den ländlichen Raum zieht es zu Agrarbetrieben im Land. Eine der acht Stationen war am Montag der Demeter-Biohof von Kai Dech in

Unter dem Motto "Grün liebt regional" will der Landespolitiker, der Philosophie, Politik und Jura studierte, vor Ort und ganz praktisch etwas von Landwirten erfahren, die ihre Produkte nicht nur regional erzeugen, sondern auch in der Region vermarkten oder auch selbst verarbeiten. "Ich biete den Landwirten einen Tag lang meine Arbeitskraft an, um herauszufinden, welche Rahmenbedingungen die Politik jetzt ändern muss, um regionale Lebensmittel auf den Brandenburger Tellern zum Alltag werden zu lassen", so Raschke. "Hier auf dem Hof habe ich erfahren, dass es mehr Bedarf an regional erzeugtem Bio-Gemüse gibt, als in Brandenburg produziert wird. So lohnt es sich für Kai Dech noch rund 80 Kilometer von Berlin entfernt für den Markt der Hauptstadt zu produzieren."

Ab 9.30 Uhr war der Bündnisgrüne als Erntehelfer auf den Feldern im Einsatz. Da hieß es unter anderem Kartoffeln sortieren, Gurken und Schalotten ernten. "Die Hälfte von dem, was ich hier gelernt habe, kann ich selbst im eigenen Garten umsetzen", so Benjamin Raschke. "Mein Uropa war selbst noch Landwirt. Jetzt lebe ich als frisch gebackener Vater mit meiner Frau als Hobbygärtner auf dem Hof."

Für den Bauern "auf dem zweiten Bildungsweg", der regional und Bio lebt, wäre wichtig, wenn die Gesellschaft bereit ist, den Bauern die eine nachhaltige Leistung zum Erhalt der Natur und der Artenvielfalt erbringen, diese auch finanziell zu honorieren. Und die Politik müsse dafür die Rahmenbedingungen schaffen. "In Brandenburg werden, bedingt durch die landwirtschaftliche Produktion über Jahrzehnte zu DDR-Zeiten, zu wenig landwirtschaftliche Erzeugnisse regional verarbeitet und vermarktet", beklagte Kai Dech. "Es wird auch zu wenig Lagergemüse angebaut. Eine Förderung für Lagerhallen oder den Anbau in Gewächshäusern würde manch Bauern dabei helfen."

In Brandenburg gibt es, als einem der wenigen Bundesländer, nicht einmal eine grundsätzliche Förderung zur Neugründung von landwirtschaftlichen Betrieben. "Die 25 Milchkühe, die ich noch halte, sind eher eine Art Hobby. Bei den aktuellen Milchpreisen kann man kaum Geld verdienen. Die wirtschaftliche Basis des Betriebs ist die Spezialisierung auf den Gemüseanbau", so Dech weiter. "Das System der massiven Förderung der Landwirtschaft durch die EU nach dem Gießkannenprinzip ist fragwürdig. Da sind andere Konzepte gefragt. Wir brauchen auch einen Kulturwandel, was unsere Ernährung betrifft."

Kai Dech bewirtschaftet mit seiner Ehefrau, drei festen Saisonkräften und weiteren Saisonkräften seit knapp 25 Jahren seinen Demeter-Biohof mit insgesamt 150 Hektar Fläche. Auf etwa der Hälfte des Ackerlandes baut er auf 14 Hektar Gemüse wie Broccoli und Blumenkohl für den Bio-Großhandel in Berlin an. Dazu kommen Frühkartoffeln auf sechs Hektar und der Anbau von verschiedenen Kohlsorten. Jedes Jahr verarbeitet Dech in Kooperation mit der Agrargenossenschaft Großderschau etwa 80 Tonnen Weißkohl zu Sauerkraut. Mit Gurken, Tomaten, Zucchini, Kürbissen, Zwiebeln, Schalotten und weiterem Gemüse beliefert er die "Märkische Kiste", die in Berlin rund 2.000 Abokunden hat, sowie eigene Abokunden in der Region.

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