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Kleine Herde des Brodowiner Ökobetriebs liefert täglich um die 1000 demeter-Eier / Nachfrage weit größer

Frische aus dem Hühnermobil

Viola Petersson / 11.08.2017, 06:33 Uhr
Chorin (MOZ) Die Regale bei Aldi und Co. sind wieder gefüllt. Das Ei ist zurück. Viele Verbraucher sind indes nach dem Skandal um das belastete Lebensmittel verunsichert. Die Nachfrage nach Bio-Eiern steigt. Auch im Ökodorf Brodowin, einziger Eier-Produzent im Oberbarnim.

"Wir könnten die doppelte Menge vermarkten", sagt Dirk Boldt, Bereichsleiter Hühner im Landwirtschaftsbetrieb Ökodorf Brodowin. Die Nachfrage nach Bio-Eiern, insbesondere nach sogenannten demeter-Eiern, sei groß. Nicht erst seit dem jüngsten Fipronil-Skandal. Allein: Brodowin kann nicht mehr liefern. Um die 1000 Eier am Tag, mehr sei aufgrund der Größe der Geflügeleinheit nicht drin.

Der Hühnerhof, seit einigen Jahren in Serwest, umfasse insgesamt um die 2000 Tiere: gut 1500 Legehennen sowie 500 Bruderhähne. Ein weiteres Wachstum sei derzeit nicht geplant, so Geschäftsführer Peter Krentz. Denn: Gerade diese kleine Einheit sei ein Plus. Keine Massentierhaltung, sondern eine überschaubare Größe, Freilandhaltung - Gackern auf sattem Grün, viel Auslauf fürs Federvieh sowie mobile Ställe. Weshalb Krentz das Federvieh auch "unsere Campinghühner" nennt.

Alnatura, ein Handelsunternehmen, das bundesweit mehr als 100 Bio-Märkte betreibt, habe beispielsweise 2013 mit Brodowin einen Kooperationsvertrag geschlossen, wonach der Barnimer Betrieb Alnatura mit demeter-Eiern beliefert. Für den Berliner Markt. Voraussetzung für diese Zusammenarbeit waren und sind vor allem kleine Herden in dörflichen Strukturen sowie Regionalität. "Der Kunde kann diese Prämissen auch auf der Verpackung nachlesen", zeigt Krentz auf den eigens für Alnatura entwickelten Vierer-Eier-Karton. Im Gegenzug habe der Handelspartner die Anschaffung zweier mobiler Ställe gefördert.

Die anderen Eier werden über den Hofladen in Brodowin sowie über den unternehmenseigenen Ökokorb direkt vermarktet, finden reißenden Absatz. Unter anderem wegen der Frische. "Was die Hühner heute legen, ist morgen oder spätestens übermorgen beim Kunden", sagt Boldt. Zwei Mal täglich sammelt er in den insgesamt sechs Ställen Eier ein. Stempeln, wiegen, verpacken und ab in den Laden oder in die Abo-Kiste. Schneller ginge es nicht.

Trotz der großen Nachfrage - betriebswirtschaftlich sei die Hühnerhaltung ein schwieriges Feld, räumt der Geschäftsführer ein. Denn Brodowin arbeitet nicht mit sogenannten Hybrid-Legehennen, Krentz nennt diese "Hochleistungssportler", sondern mit Rassen des sogenannten Zweinutzungshuhns. Die weiblichen Tiere legen Eier, die männlichen, die Bruderhähne, sollen Fleisch ansetzen. Zumindest etwas. Die Ergebnisse liegen freilich unter denen von besagten "Hochleistungssportlern". Aber: Bei dieser Form der Haltung werden die Bruderküken eben nicht getötet, sondern bekommen eine Lebenschance.

Ein Gedanke, dem sich Brodowin verpflichtet fühlt. Und damit gleichsam einen wissenschaftlichen Beitrag leistet. So hatte 2011 auch alles in Brodowin begonnen: mit einer Kooperation mit der Eberswalder Hochschule HNE. Hühnerhaltung im Dienste der Forschung. Anfangs scharrten die zunächst 400 Hühner auf einer Streuobstwiese in Brodowin, später wurden die Herde sowie die Packstation nach Serwest umgesetzt.

Im Laufe der Jahre habe man verschiedene Rassen ausprobiert. "Und wir befinden uns immer noch in der Experimentier-Phase", so Krentz. Die Erfahrungen, die der Betrieb mit den verschiedenen Rassen etwa in puncto Leistung und Futterverwertung sammelt, werden u. a. an die Zuchtbetriebe sowie die HNE gemeldet. Ziel sei es, ein "bodenständiges", klassisches Zweinutzungshuhn zu finden.

Und wie sieht es mit Kontrollen aus? Die gebe es regelmäßig, versichern Boldt und Krentz unisono. Und zwar von den verschiedensten Behörden. Veterinäramt Barnim, Landesamt für Landwirtschaft, Öko-Verbände. Dazu Eigenkontrollen. Alles werde unter die Lupe genommen und geprüft: Futtermittel (aus dem eigenen Haus), Tierwohl, Haltung, Packstelle und natürlich das Ei selbst. Das Ei, sagt Peter Krentz, genieße bei den Verbrauchern in puncto Frische den höchsten Stellenwert. Noch vor der Milch. Deshalb sei das Interesse bei Hofführungen auch an den Hühnern besonders groß.

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