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Weißstörche leiden fünftes Jahr in Folge an extremer Witterung / 33 Totfunde / 20 Nester ohne Nachwuchs

Adebar macht sich rar

Abflug ohne Nachwuchs: Ein Weißstorch startet von der Wiese in Zützen. Viele Storchenpaare im Nationalpark und in der Nachbarregion blieben in diesem Jahr ohne Nachwuchs. Zahlreiche Jungvögel starben durch die Folgen der nassen Witterung.Foto: MOZ/Oliver
Abflug ohne Nachwuchs: Ein Weißstorch startet von der Wiese in Zützen. Viele Storchenpaare im Nationalpark und in der Nachbarregion blieben in diesem Jahr ohne Nachwuchs. Zahlreiche Jungvögel starben durch die Folgen der nassen Witterung.Foto: MOZ/Oliver © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Michael Dietrich / 12.08.2017, 06:51 Uhr
Criewen (MOZ) Die Nationalparkregion erlebt 2017 das fünfte schlechte Storchenjahr in Folge. Naturschützer zählten zwar 55 Horstpaare und 80 Jungstörche, also etwas mehr als ein Jahr zuvor. Das nasskalte Wetter aber sorgte dafür, dass 33 Jungvögel starben, 15 mehr als 2016.

So hoffnungsvoll, wie das Storchenjahr 2017 gestartet war, so trostlos scheint die Lage zum Ende der Saison kurz vor dem Abflug der Sympathieträger Richtung Süden. Im Mai sorgte die Meldung von einem zweiten Stadtstorch in Schwedt noch für Hoffnung. Zum Horstpaar vom Flinkenberg, das von der Wohnungsgenossenschaft Wobag "Flinky" getauft und zum Maskottchen wurde, gesellte sich eine Storchendame mit Partner auf dem Horst in der Schlosswiesensiedlung. Störchin "Babett" war beringt, daher wusste man auch, dass sie drei Jahre alt ist und aus Lüneburg stammt. Die Westdame und ihr Partner hatten sogar Bruterfolg. Bis, ja bis der Sommer kam und mit ihm der Regen.

Nach seiner Zählung der Nestbestände Anfang August muss Uwe Schünmann, ehrenamtlicher Storchenbeauftragter des Naturschutzbundes die traurige Nachricht verkünden, dass von einer Erholung der Bestände auch in diesem Jahr wieder keine Rede sein könne. Ganze 55 Horstpaare wurden 2017 in der Ostuckermark registriert. 20 Horstpaare blieben gänzlich ohne Bruterfolg. 33 Jungstörche wurden tot aufgefunden. "Ich habe ja gelernt, auch in den schlechten Nachrichten noch etwas Gutes zu finden. Immerhin gab es ein Horstpaar und ein paar Jungstörche mehr als 2016", erklärt der Naturschützer. Doch auch er weiß, dass das ein schwacher Trost ist. Fast jeder dritte Jungstorch fiel der nassen Witterung zum Opfer. Allein im Storchendorf Criewen starben sechs Jungtiere, drei davon durch Pilzbefall. Wenn es tagelang in Strömen regnet, verklammen die Jungvögel oder verhungern, wenn die Storcheneltern im Regen nicht fliegen, also auch nicht füttern können.

So wie die Landwirtschaft unter so einem nassen Sommer leidet, litten auch die Störche. "Wenn es den Bauern gut geht, dann meist auch den Störchen", sagt Uwe Schünmann und hofft weiter, dass sich das Blatt doch irgendwann einmal wieder wenden wird. Doch das kann dauern. Der starke Rückgang der Jungstörche seit 2013 wird sich auch in den nächsten Jahren noch bemerkbar machen. Es ist so wie bei der Bevölkerungsentwicklung. Die jungen Frauen, die Schwedt seit der Wende verließen, kriegen in Schwedt auch keine Kinder, die die natürliche Bevölkerungsentwicklung wieder aus den negativen Zahlen bringen könnten.

Zumindest gibt es aber auch Hoffnungsschimmer. Die Brut in der Schlosswiesensiedlung ist zwar der nassen Witterung zum Opfer gefallen. Aber immerhin wurde die vor ein paar Jahren aufgestellte Nisthilfe von einem Storchenpaar angenommen. Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr mit dem Nachwuchs. Genauso konnte sich das Dorf Grünow 2017 wieder über ein Horstpaar freuen, wenn es auch nicht mehr geklappt hat mit dem Nachwuchs.

Die beringte "Babett" lässt bei Naturschützern Hoffnung keimen, dass die Weststörche, deren Population seit Jahren gesundet, zunehmend auch in die Brutgebiete an der Oder ziehen.

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