Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Seit einer Woche schweigt die eben erst eingeweihte Kirchturmuhr nachts / Anwohner hatten mobil gemacht

Streit um Glockenschlag in Döbberin

Der ganze Stolz und Streitobjekt zugleich: Die neue Uhr am Döbberiner Kirchturm.
Der ganze Stolz und Streitobjekt zugleich: Die neue Uhr am Döbberiner Kirchturm. © Foto: Helke Baltz
Ines Weber-Rath / 12.08.2017, 07:30 Uhr
Döbberin (MOZ) Die Döbberiner waren stolz und glücklich, als Ende Juni ein digitales Uhrwerk eingeweiht wurde, das ihnen über die neue Kirchturmuhr nach 60 Jahren wieder die Stunde schlug. Doch dann gab es Streit im Dorf: Anwohner sahen ihre Nachtruhe gestört.Seit einer Woche schweigen die Glocken jetzt nachts.

Ortsvorsteher Mario Hartmann hatte im Vorfeld der Uhrwerk-Einweihung eine Umfrage unter den Döbberinern gestartet. Etwa 80 Prozent hätten sich für ein durchgehendes Stunden-Geläut ausgesprochen, sagt er. Die Anwohner der Kirche waren vermutlich nicht unter den Befürwortern. Zwei von ihnen warteten die zur Einweihung vereinbarten 14 Tage Probezeit gar nicht erst ab.

"Sie kamen schon am nächsten Tag mit 40 Unterschriften und der Forderung, den Uhrschlag nachts abzuschalten", berichtet Mario Hartmann. Man habe ihm sogar mit "Schikane" in Form von nächtlichem Telefonterror gedroht, falls er das Abschalten verweigere: Der Ortsvorsteher ließ die Glocken nachts schweigen, berief aber zugleich eine Einwohnerversammlung ein.

Zu der seien "so viele wie nie zuvor" da gewesen, erinnert sich Hartmann. Es habe eine kontroverse Debatte und am Ende den Mehrheits-Beschluss zur 14-tägigen Probezeit gegeben. Unmittelbar danach gingen die in ihrer Nachtruhe gestörten Anwohner wieder auf Unterschriftensammlung durchs Dorf. "So einen Krieg hat's hier noch nie gegeben", resümiert der Ortsvorsteher später.

Auch wenn mancher, wie ein älterer Herr aus dem Zeschdorfer Ortsteil, meint, dass eine Mehrheitsentscheidung nicht der richtige Weg sei, der Schutz der Anwohner Vorrang hätte - es gab eine weitere Einwohnerversammlung und Abstimmung. In der sprach sich eine knappe Mehrheit der anwesenden Döbberiner fürs Abschalten des Stundenschlags zwischen 22 und 6 Uhr aus. Seit einer Woche ist es in Döbberin nachts wieder still.

"Mehr ist mit mir nicht verhandelbar", sagt Mario Hartmann angesichts weitergehender Forderungen nach Glockenschlag-Pausen über die Mittagsruhezeit und bis morgens 8 Uhr.

Wäre der Streit über den nächtlichen Stundenschlag vor Gericht gegangen, hätten die Anwohner gute Karten gehabt. Denn das so genannte nicht sakrale Glockengeläut genießt im Unterschied zum sakralen keinen juristischen Schutz. Dafür findet das Immissionsschutzrecht Anwendung. Dem zufolge dürfen die Allgemeinheit oder die Nachbarn nicht gefährdet oder in erheblichem Maße belästigt werden. Es gelten die nächtlichen Lärmrichtwerte für Wohn-, Dorf- und Mischgebiete.

In Zeiten, da jeder Mensch über eine Uhr verfügt, ist der Stundenschlag nicht mehr nötig, urteilten die Richter schon.

In Seelow habe es nach der Wiedereinweihung des Kirchturms samt Uhr 1998 auch Protest gegen den nächtlichen Stundenschlag gegeben, erinnert sich Pfarrerin i.R. Dorothea Dressel. Der Brief kam allerdings anonym. Dennoch habe sich der Gemeindekirchenrat damals entschlossen, den Seelowern ihre Nachtruhe zu gönnen: Nach Mitternacht schweigen die Glocken in der Kreisstadt seitdem bis 6 Uhr morgens.

In den von ihm betreuten Dörfern gebe es ansonsten keinen Stundenschlag der Kirchenglocken, sondern zumeist nur das so genannte Feierabendgeläut, werktags zu 18 Uhr, sagt der Mallnower Pfarrer Martin Müller. Er betreut inzwischen als Vakanzpfarrer auch Seelow und insgesamt 14 Predigtstellen in der Region.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG