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Pietro Girardi ist Gastkind der zweiten Generation / Seine Mutter und Jessica Möwisch lernten sich vor 20 Jahren kennen

Italiener macht Ferien in Brunow

Heike Jänicke / 13.08.2017, 07:27 Uhr
Brunow (MOZ) Vor 20 Jahren weilte seine Mutter Francesca Giugni als italienische Austauschschülerin bei Familie Liebig in Brunow. In dieser Woche kam nun ihr Sohn, Pietro Girardi, in den kleinen Ort. Für eine Woche erlebte der Elfjährige Ferien mal ganz anders.

Noch etwas müde sieht er aus, der Junge aus dem italienischen Brescia (196 480 Einwohner). Zusammen mit Jessica Möwisch, ihrer Mutter Marina Liebig, ihrem Mann Christian Möwisch und ihren Kindern Gustav und Edgar sitzt er am Frühstückstisch in der Gartenveranda von Familie Liebig in der Wölsickendorfer Straße 16 in Brunow. Dort hat Pietro Girardi für eine Woche sein Zuhause gefunden. Mozzarella mit Tomaten, frische Brötchen, Schinken, Wurst, italienischer Hartkäse, gekochte Eier, Milch, Tee und Joghurt stehen zur Auswahl. Pietro greift beherzt zu. Er liebt das deutsche Frühstück. Die Italiener nehmen morgens lediglich ein Biskotti, ein kleiner Keks, zu sich, trinken Kaffee, Saft oder Wasser.

Es ist Dienstagmorgen. Viel Zeit zum ausgedehnten Frühstück bleibt diesmal allerdings nicht. Heute geht es in den Museumspark nach Rüdersdorf. Nur ein Punkt, der auf dem Programm steht. Seine Gastfamilie will Pietro so viel wie möglich zeigen und mit ihm erleben.

Pietro Girardi ist zum ersten Mal allein in Deutschland, in Brunow. Der Kontakt zu Familie Liebig besteht allerdings schon seit vielen Jahren. Seine Mutter, Francesca Giugni, kam 1997 als italienische Austauschschülerin für einen Monat nach Brunow und besuchte das Bertolt-Brecht-Gymnasium in Bad Freienwalde. In dieser Zeit entwickelte sich zwischen der Tochter von Marina und Heiko Liebig, Jessica, und Francesca eine tolle Freundschaft. Die besteht bis heute. Inzwischen sind die beiden erwachsen, verheiratet und haben Familie - Jessica hat zwei Jungs und Francesca zwei Jungs und zwei Mädchen. Pietro ist mit elf Jahren der Älteste der vier Geschwister.

In Brunow fühlt er sich wie Zuhause. Seine Brüder auf Zeit, Edgar (10) und Gustav (6), wie überhaupt alle, machen ihm seinen Aufenthalt so angenehm wie möglich. Für Heimweh ist zwischen Mähdrescher lenken, Fahrradtouren und Ausflügen in die Region kein Platz. Auf den Besuch im Museumspark freut er sich besonders. Eine solche Anlage kenne er noch nicht, versucht er mit wenigen Worten zu erklären. Auch für Edgar und Gustav wird es das erste Mal sein. Die Jungs sind gespannt. Am Nachmittag ist Fußball spielen angesagt, beim Beiersdorfer Sportverein. Das sei überhaupt kein Problem, ihn mitzubringen, sagt Jessica Möwisch.

Schnell erzählt Edgar noch, dass er am Montag seinen 10. Geburtstag gefeiert hat. Toll, dass den auch Pietro miterleben durfte. Die Kinder kennen keine Sprachbarrieren. Geredet wird in Deutsch und Englisch. Auch ein bisschen Italienisch. "Carriola" geht den Brunower Jungs inzwischen ganz locker über die Lippen, wie Pietro auch das deutsche Wort dafür "Schubkarre". Und wenn die Vokabeln ausbleiben, helfen Hände und Füße. Und vor allem lachen. Das versteht jeder. Überhaupt entsteht nicht der Eindruck, dass Pietro fremd sei. Im Gegenteil. Die Jungs albern ausgelassen herum, haben Spaß miteinander. So soll es sein.

Mit strahlenden Augen beobachtet Jessica Möwisch die Jungs. Vor 20 Jahren lernte sie Francesca kennen. Damals hat wohl keine der beiden daran gedacht, dass irgendwann die eigenen Kinder einmal Zeit miteinander verbringen, Freunde werden. Dass es heute so ist, dafür haben Jessica, ihr Mann Christian sowie Heiko und Marina Liebig vieles getan und den Kontakt nie abbrechen lassen. Als Jessica und Christian 2006 heirateten, weilte nicht nur die erste Gasttochter der Liebigs, Jeniffer Jenson aus Wisconsin, unter den Gästen, sondern auch Francesca und ihr seit 2004 angetrauter Ehemann Paolo und Francescas Eltern. "Wir haben uns alle sofort verstanden und waren uns sympathisch", erinnert sich Marina Liebig. Es gebe eine sehr innige familiäre Beziehung zu Francesca, ihren Eltern, Tanten und Onkeln. Diese Verbundenheit ist an diesem Morgen zu spüren - hier sitzt eine große Familie am Tisch.

Die Reise nach Deutschland haben Heiko und Marina Liebig ihrem italienischen Gastkind der zweiten Generation zu dessen Kommunion im Mai geschenkt. An den Aufenthalt wird er sich wohl sein Leben lang erinnern. Und während Pietro sich vorgenommen hat, im nächsten Jahr wiederzukommen, träumen seine Mutter Francesca, Jessica Möwisch und Jennifer Jenson von einer gemeinsamen Ferienzeit ihrer Kinder.

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