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Spektakel oder Debakel?

Noch ausbaufähig: die neu ins Leben gerufenen Lindower Wassertage.
Noch ausbaufähig: die neu ins Leben gerufenen Lindower Wassertage. © Foto: MZV
Daniel Dzienian / 14.08.2017, 16:59 Uhr
Lindow (RA) Hinter den Kulissen der Lindower Wassertage rumort es zwei Wochen später noch gewaltig. Die einen sagen, für die kurze Vorbereitungszeit und die geringe Unterstützung war das Fest in Ordnung. Andere erinnern sich an einen schlechten, zu kurzfristigen Termin Ende Juli statt wie immer Mitte August, fehlende Beteiligung aus dem Ort, Schaden an einem Boot durch Feuerwerk und einen ausgelaufenen Toilettenwagen am Festplatz.

Vor allem Tourismusmanagerin Andrina Loewe ist nicht einverstanden, dass ihr und ihrem Team in aller Öffentlichkeit die Schuld an vielen Pannen gegeben wurde. Dazu gehört die niedrige Teilnehmerzahl beim Bootskorso sowie die Tatsache, dass nur drei Mann zum Badewannenrennen kamen. Sie könne auch dafür nichts, dass sich nur ein Team zum Drachenboot-Wettkampf anmeldete und Veranstalter Lutz Arndt diesen Teil des Events eine Woche vorher wieder abmeldete. "Viele Urlauber planen ihren Aufenthalt in Lindow nun mal nach dem Hafenfest Mitte August", sagt Loewe. Das habe allen klar sein müssen. Auch Gewerbetreibende bleiben skeptisch: Veranstalter Arndt habe gar nicht versucht, sie mit ins Boot zu holen.

Was war da los? Die Stadt Lindow hatte für 2017 signalisiert, wohl kein Budget für ein Hafenfest zu haben. Um die Lücke zu füllen, gab Arndt Mitte Juni die Idee bekannt, Ende Juli ein dreitägiges Event aus dem Boden zu stampfen.

Doch wer organisiert was? Die Beteiligten erinnern sich unterschiedlich: "Wir haben die Anmeldung der Boote übernommen, wir haben Pokale und Preise für die Sieger besorgt. Die Stadt finanzierte das", schildert Loewe. Zudem wurde bei Genehmigungen geholfen, darunter für das Feuerwerk. In jedem Gespräch habe sie klargestellt, dass sie an dem vom Veranstalter favorisierten Wochenende privat nicht da sei. Die verbale Prügel kassierte sie in Abwesenheit.

Um den Rest vom Fest habe sich Veranstalter Arndt allein kümmern wollen, sagt die Managerin weiter. Der erinnert sich ganz anders: "Die Stadt hatte immer den Bootskorsos organisiert", sagt er. Da dachte er, das sei auch diesmal so. Vor allem als es am Freitagabend kein Juryboot gab, sei ihm der Kragen geplatzt.

Gewerbetreibende habe er angefragt, sagt der Organisator. Doch niemand habe sich beteiligen wollen. Der neue Betreiber der Bootsvermietung Jetbay hatte vorher abgesagt. Christoph Wulschke vom Yachthafen Lindow meint indes: "Auf uns kam niemand zu." Er findet, solche Probleme sollte man intern regeln - und nicht in der Öffentlichkeit. Kathrin Koebe-Ploch vom Gasthaus am Gudelacksee unterstützte das Fest noch in letzter Minute mit einem Preis fürs Rennen. Sie findet es grundsätzlich schön, wenn jemand etwas auf die Beine stellt, sagt sie. "Wir hätten aber gern mehr gemacht, uns auch mit den Kindern mit einem Boot beteiligt", sagt sie. Von den Wassertagen vor ihrer Haustür erfuhr sie auf einem Flyer. Den entdeckte sie im Neuruppiner Eisladen Il Gelato.

Fehlende Beteiligung, schlechte Organisation, das hatte auch der Lindower Bernd Pelzer im RA kritisiert. Veranstalter Arndt meint: "Die Anderen können vergessen, einfach dazuzukommen und das Geld abzufassen." Das komplette Fest sei mit einem Bierwagen des Lindow-Event Veranstaltungsservice finanziert worden. Pelzer, der selbst zuvor Veranstaltungen ausrichtete habe, hätte sich gern einbringen dürfen, meint Arndt. "Ich habe ihn nicht gesehen." Für berechtigte Kritik will er aber offen sein, sagt er. Der Böller, der aufs Boot flog, sei am Ende nicht so schlimm. Die Polizei bestätigt: Einen Schaden gab es nicht. Der Toilettenwagen lief aus, weil ein betrunkener Gast einen Ablauf verstopft hatte. Das könne mal passieren, findet Arndt.

Bürgermeisterin Heidrun Otto (CDU) war es, die den Tourismusservice öffentlich gescholten hat. Sie bleibt dabei und deckt Arndt den Rücken: "Wer meckert, soll nachmachen, was sein Team in so kurzer Zeit geschafft hat." Kinderprogramm, Ponys, Musik, Feuerwerk, Versorgung - alles sei nicht zu beanstanden. Der Bootskorso am Freitag - vielleicht ein Fehler, sagt sie. Die Kritik an den "kleinen Pannen" - Böswilligkeit. Die Begeisterung der Einheimischen habe sich in Grenzen gehalten. Gäste waren aber angetan vom Fest, so Otto. "Ich war jeden der drei Tage dort. Ich kann es beurteilen", sagt sie. Und fügte hinzu: "Man sollte besser miteinander reden." Ein löblicher Ansatz fürs nächste Mal. Das Fest soll 2018 wiederholt werden - diesmal an zwei Tagen.

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