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Keine Flüchtlinge mehr: Block 18 geht vom Netz

Bald leer: Anfang Juli lebten noch 150 Menschen in Block 18, jetzt sind es nur noch 16 Flüchtlinge. Weil die Zahl der Asylbewerber sinkt, nimmt der Kreis Unterkünfte vom Netz.
Bald leer: Anfang Juli lebten noch 150 Menschen in Block 18, jetzt sind es nur noch 16 Flüchtlinge. Weil die Zahl der Asylbewerber sinkt, nimmt der Kreis Unterkünfte vom Netz. © Foto: MZV
Burkhard Keeve / 18.08.2017, 19:56 Uhr
Lehnitz (OGA) 2016 war rasches Handeln angesagt. Um Unterkünfte für Geflüchtete zu schaffen, kaufte der Landkreis auch alte Kaserneblöcke in Lehnitz. So wurde unter anderem Haus 18, in dem früher Soldaten ihre Stuben hatten, zunächst als Notunterkunft und später als Gemeinschaftsunterkunft umfunktioniert. Ende August geht Block 18 vom Netz. Allerdings nicht ganz geräuschlos.

Nach dem merklichen Rückgang der Asylbewerberzahlen schraubte Oberhavel 2017 die Platzkapazität zurück. So wurde bereits der Betrieb der Einrichtungen am Spargelhof Kremmen, hinterm Schloss Oranienburg und in der Hubertusallee in Birkenwerder eingestellt. Auch die Blöcke 16 und 17 auf dem ehemaligen Kasernengelände in Lehnitz wurden aufgegeben. Block oder Gebäude 18 folgt jetzt.

Anfang Juli lebten dort noch rund 150 Geflüchtete. Ihnen hatte die Verwaltung mitgeteilt, dass sie raus müssen. Dabei kam es zu Irritationen. Alle, die noch keine Entscheidung über ihren Asylantrag in der Tasche hatten, haben einen Anspruch auf eine Unterbringung in einer anderen Einrichtung in Oberhavel. Anerkannte Flüchtlinge haben allerdings keinen Anspruch. Hier haben sich Sozialarbeiter und Betreuer bei der Suche nach Wohnungen in ganz Brandenburg eingeschaltet, und auch wer immer noch keine Wohnung gefunden hat, dem hat der Kreis die vorübergehende Nutzung einer anderen Gemeinschaftsunterkunft angeboten. Doch wie sich herausstellte, wollten einige Bewohner des Blocks 18 "trotz intensiver Bemühungen aller Beteiligten" ihre Wohnungen in Lehnitz nicht verlassen, informierte Matthias Rink (CDU) in einem Schreiben alle Fraktionsvorsitzenden im Landkreis.

Aus formellen Gründen schickte Rink den "Einzelfällen" eine unmissverständliche Aufforderung, das Gebäude bis 30. August zu verlassen, sonst könne es zu einer "Zwangsräumung" kommen und zwar "mit Hilfe der Polizei", wie Rink schrieb. "Wir arbeiten an deren Motivation", die Wohnungen zu verlassen, sagte Rink auf dem Kreisausschuss am 19. Juli. Im Mittelpunkt stünden dabei einige junge Männer, die "keine große Bereitschaft versprühen", sich zu bewegen. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen/Piraten im Kreistag, Thomas von Gizycki, hatte sich über die Androhung einer Zwangsräumung mit Polizeigewalt gegenüber den Flüchtlingen geärgert. Rink hatte in seinem Schreiben von Transparenz und einem "verwaltungsrechtlichen Vorgang" gesprochen.

Das Problem scheint indes mittlerweile gelöst. Inzwischen seien die meisten Bewohner umgezogen. Mit Datum vom 17. August lebten noch 16 Geflüchtete im Haus, die in den kommenden Tagen ebenfalls umziehen werden.

"Mit allen Bewohnern konnten inzwischen Lösungen für Alternativunterkünfte gefunden werden. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass jemand den Auszug verweigern wollte", heißt es jetzt nunmehr weichgespült aus der Kreisverwaltung Oberhavel.

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