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Ehrenamtler unterstützen Veranstaltungsreihe am Choriner Kloster auch in 54. Auflage

Helden des Musiksommers

Nach dem Konzert verstauen Steffen Manteufel und Natalie Beerbaum die Stühle für die Orchester-Musiker wieder unter der Bühne.
Nach dem Konzert verstauen Steffen Manteufel und Natalie Beerbaum die Stühle für die Orchester-Musiker wieder unter der Bühne. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Julia Lehmann / 21.08.2017, 08:00 Uhr - Aktualisiert 21.08.2017, 21:51
Chorin (MOZ) Ohne sie geht es nicht. Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer würde beim Choriner Musiksommer womöglich vieles vor Ort nicht so glatt laufen. Manche sind neu hinzugekommen. Andere engagieren sich seit über 50 Jahren für den musikalischen Höhepunkt am Choriner Kloster.

Schon mehrere Stunden vor Beginn des Konzerts um 16 Uhr ist der Hof des Klosters Chorin am Sonnabend belebt. Gäste, die für den Auftritt des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt gemeinsam mit Burhan Öçal und dem Istanbul Oriental Ensemble einen guten Platz auf der Klosterwiese ergattern wollen, sind bereits da. Es werden Decken ausgebreitet, Klappstühle aufgestellt, Kuchen herausgeholt.

Etwa 3000 Besucher besuchten am Wochenende die beiden Konzerte des 54.Choriner Musiksommers. Am Sonnabend war das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt mit dem Istanbul Oriental Ensemble zu Gast. Am Sonntag sorgte Star-Trompeter Ludwig Güttler für ein volles Haus. Am kommenden Wochenende finden die beiden letzten Konzerte des diesjährigen Musiksommers statt.
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54.Choriner Musiksommer

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Besucher machen es sich bequem, während Gerd Müller auf einem Stuhl im Klostergang Platz genommen hat. Neben ihm steht sein Rollator. Der 78-Jährige ist ein bekanntes Gesicht beim Musiksommer. Viele Menschen sprechen ihn an. "Sag mal, arbeitest du denn immer noch hier?", fragt jemand. Gerd Müller berichtet, dass ihn etliche Operationen an Bandscheibe, Hüfte und Knie nun an die Gehhilfe binden. Er sei deshalb nur noch als Gast hier, sagt er. 52 Jahre - wobei in diesem Jahr die 54. Auflage der Veranstaltung stattfindet - war der Eberswalder ehrenamtlicher Helfer, opferte dafür jedes Jahr Freizeit und Urlaub. Damals war er im Institut für Forstwissenschaft beschäftigt, das den Musiksommer ursprünglich für seine Mitarbeiter aus der Traufe gehoben hatte und gleich neben der Klosterruine ansässig ist (heute Landeswaldoberförsterei). Müllers Frau Angelika ist bis heute aktiv dabei. "In diesem Jahr bin ich an neun von 19 Konzerten da", sagt die 65-Jährige.

Am Kirchenschiff regelt Antje Schmidt den Einlass. Die 32-jährige Eberswalderin ist über ihre Mutter zum Musiksommer gekommen, die seit 40 Jahren, schätzt Antje, mithilft. Auch sie war beim Forstinstitut beschäftigt. "Es ist eine tolle Arbeit, weil sie keine ist", sagt Antje Schmidt. Sie sagt, sie verschiebe sogar ihren Urlaub dafür. "Mir gibt das hier viel Kraft, weil es so schön ist", sagt die gelernte Grafikdesignerin. Meist haben die Gäste Verständnis für die Regeln, die Antje Schmidt vorgibt. Während eines Stücks soll der Publikumsbereich beispielsweise möglichst nicht verlassen werden.

Am Sonnabend lauschten die Besucher den Stücken des Brandenburgischen Staatsorchesters gemeinsam mit Burhan Öçal und dem Istanbul Oriental Ensemble. In der zweiten Hälfte des Konzerts brachten die Musiker Burhan Öçal (Percussion), Volkan Gümüslü (Bratsche), Savas Özkök (Canun: türkische Zither) und Emre Demir (Ud: Laute) den Zuhörern original türkische Musik nahe. Etwa 950 Gäste kamen am Sonnabend. Das Konzert am Sonntag mit Trompeter Ludwig Güttler war bereits vorab ausverkauft. In diesem Jahr leide der Musiksommer etwas unter dem Wetter. Die Besucherzahlen des Vorjahres von 24 000 über alle Konzerte würden nicht erreicht werden, sagt Lars Döbler, Geschäftsführer des Vereins Choriner Musiksommer.

Die schöne Atmosphäre sei es, die Sibylle Wenk fasziniere. Auch sie ist über den Forstbetrieb in den Choriner Musiksommer integriert worden - 1983 war das. Nur zwei Jahre, so die 52-Jährige habe sie ausgesetzt, als ihre Tochter geboren wurde. "Als sie laufen konnte, haben wir sie immer mitgenommen", sagt Sibylle Wenk. "Es ist wie in einer großen Familie." Dieses Gefühl sei so stark, dass sie auch nach ihrem schweren Schlaganfall die Mithilfe nicht beenden wollte.

Abiturienten, Studenten, vor allem viele Ältere packen mit an. Es gebe zwar eine Ehrenamtvergütung. Die sei aber gering. Auf 60 Helfer kann der Verein zurückgreifen. Im Mai 2018 treffen sie sich wieder und bereiten den nächsten Musiksommer vor. Wieder mit freiwilliger Unterstützung: "Ohne Ehrenamt gäbe es keinen Musiksommer", sagt Lars Döbler.

Letzte Konzerte 2017: Sonnabend, 26. August, 16 Uhr: Thomanerchor, Sonntag, 27. August, 15 Uhr, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

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