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Experte befürchtet bei vielen Vogelarten einen Verlust von 50 Prozent des Bestandes

Windräder als Todesfalle

© Foto: MOZ/Ralf Loock
Ralf Loock / 23.08.2017, 06:22 Uhr
Mixdorf (MOZ) Die geplanten Windenergie-Standorte bei Schneeberg, Grunow-Dammendorf und Mixdorf werden eine Gefährdung für Raubvögel sein. "Die meisten Todesopfer sind bei Greifvögeln zu erwarten", so die Prognose des Mixdorfer Ornithologen Hans-Peter Grätz.

Der 82-Jährige erforscht seit Jahrzehnten die Vogelwelt im Schlaubetal und den angrenzenden Regionen. Aktiv ist er im Raum bis hin zu Oder und Neiße zwischen Guben und Frankfurt. Fast 20 Jahre lang hat er ehrenamtlich für die Wissenschaft die Tiere beringt, fast 14 000 Vögel in 160 verschiedenen Arten. Er kennt diese Zusammenhänge wie kaum ein anderer. Das Schlaubetal und die angrenzenden Regionen sind für Greifvögel gute Standorte.

Doch diese Situation würde sich nach seiner Einschätzung durch die Errichtung der geplanten Windkraftanlagen in den Erschließungsgebieten 50 und 61 stark verändern. Neun Greifvogelarten und zwei Falkenarten brüten regelmäßig im Einzugsgebiet dieser beiden Standorte, ihr "Brutvorkommen wären durch die Errichtung von Windparks erheblich gefährdet", erklärte Hans-Peter Grätz jetzt. In diesem Einzugsgebiet gibt es verschiedene Vogelarten mit etwa 20 Brutpaaren. "Dies ist eine außergewöhnlich hohe Siedlungsdichte", betonte der Experte, denn diese naturbelassene Region sei für die Tier sehr vorteilhaft.

Viele Vögel würden die Gefahr, die ihnen von den Rotorblättern droht, nicht richtig einschätzen. Gefährdet seien sicher auch kleinere und mittlere Arten, besonders aber große, schwere Exemplare. Denn leichtere Tiere könnten noch durch ein schnelles Wendemanöver einem drohenden Zusammenprall ausweichen. Hans-Peter Grätz geht davon aus, dass die Blätter eine Sogwirkung entfalten, der sich die schweren Vögel kaum mehr entziehen können. Er befürchtet, dass sich dieser Bestand durch die Windräder in den ersten zwei bis drei Jahren um rund 50 Prozent reduzieren wird.

Denn allein der Ausfall eines Elternteils bedeute mit einiger Wahrscheinlichkeit den Tod für den Nachwuchs: "Während der Brutzeit verhungern beim Tod der Altvögel die Jungvögel in den Nestern. Jede Brut braucht fast immer beide Elternteile zur Aufzucht."

Einen besonderen Fall stellen Fischadler dar. Sie sind mit mehreren Brutpaaren in der Region vertreten, aber sie überfliegen die geplanten Windanlagen "nur sehr gelegentlich. Ich habe deshalb diese Vogelart hier nicht als gefährdet eingestuft."

In Kreisen der Naturschützer kursiert die Meldung, dass man bereits in den Arealen 50 und 61 damit begonnen habe, die Horstbäume der Greifvögel zu fällen - damit bei Baubeginn diese verschwunden sind. Diese Anschuldigung wird vom Landkreis als unzutreffend zurückgewiesen: "Der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Oder-Spree liegen gegenwärtig keine Erkenntnisse über Beschädigungen oder Beeinträchtigungen von Horststandorten geschützter Greifvogelarten vor, die in Zusammenhang mit Windkraftanlagenstandorten zu bringen sind", versicherte Mario Behnke, Pressesprecher des Landkreises, dazu jetzt auf Anfrage.

Elf Arten

Übersicht in Brutpaaren im Einzugsbereich der geplanten WindenergieStandorte 50 und 61:Wespenbussard1Wiesenweihe1Rohrweihe 2Habicht 1Sperber 1Rotmilan 2Schwarzmilan 2Seeadler 1Mäusebussard 5 - 6Baumfalke 1Turmfalke 1 - 2(Vogelart und Zahl der Brutpaare in der Region)

Kommentare

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Daniel Deppe 31.08.2017 - 10:27:41

Na, da ist doch das Postfaktische von dem ich Anfangs sprach.

Es ist nicht nur spannend, ihre Polemik zu lesen, Herr Schneider, sondern auch bezeichnend, dass Sie direkt auf eine persöhnliche Ebene treten, mit Scheinargumenten um sich werfen und keine Lösungen bieten. Sie sind also jemand, der entgegen der fundierten Wissenschafts-Gemeinde von über 97% mit mehr als 30jähriger Forschung davon ausgeht es gibt keinen menschgemachten Klimawandel. Okay, dann sollte ich darauf verzichten, Sie zu fragen, ob Sie es auch für eine "steile These" halten, dass Umweltzerstörung, Wassermangel und der Kampf um Ölreserven auch Gründe für die Zerstörung von Lebensgrundlagen im Nahen Osten und Afrika sein könnten? Darüber hinaus, denke ich, dass die energetische oder CO2 Amortisierung von Windrädern gemeint ist. Das hat wenig mit BWL zu tun... Meinungsfreiheit halte auch ich für eines der höchsten Güter, aber doch bitte mit mehr Fakten..

Frank Schneider 29.08.2017 - 20:22:09

Verhältnismäßigkeit

auf dem Campus der Humboldt-Uni wird sicher niemals ein Windrad die Gegend verschandeln, Vögel zerstückeln oder die in der Umgebung wohnenden Menschen mit Infraschall zermürben. Von der großen Stadt bzw auch deren Rotweingürtel aus lässt es sich aus sicherem Abstand herrlich von der Couch aus schwadronieren und seine grünen Wolkenkuckucksheime pflegen. Schade dass es dabei nur zu den üblichen Tränendrüsen- und Betroffenheits-Satzbausteinen gereicht hat. Die üblichen Ammenmärchen über den Klimawandel, die eigenen Kinder werden sogar argumentations-verstärkend ins Feld geführt und zum Schluss noch die steile These, dass die Flüchtlinge wegen des Klimas nach Europa strömen. Und von der angeblichen 100%-Effizienz der Windräder nach einem Jahr kann ich nur ablesen, dass BWL nicht Ihr Fach ist. Wir haben zum Glück Meinungsfreiheit in unserem Land und deshalb sei Ihnen die Ihrige gegönnt. Sorry dass ich (diese nicht teile.

Paul Müller 29.08.2017 - 18:15:49

Hm 1,1 Grad Temperaturerhöhung in 130 Jahren ...

... wenn man Global betrachtet das von (-273 C) 0K bis 16 Mio K (Sonnenkern) alles drin ist, im Verhältnis sehr wenig. Wir sprechen hier von dynamischen Systemen der Extreme, durch die Kernfusion der Sonne schwindet die eigene Masse stetig, die Sonne bläht sich aufgrund der Gravitationsverluste immer weiter auf, kommt der Erde näher, aktuell ist glaube Halbzeit :) Die tektonische Plattenverschiebung der Erde sorgt für eine Änderung der Meeresströmungen, in Europa wird es z.B. dann kälter, in anderen Regionen staut sich die Hitze, sollte der Golfstrom irgendwann abebben. Brennstoffe wie Kohle oder Erdöl waren im übrigen schon mal CO2, durch Urlebewesen gebunden. Da diese Millionen von Jahre gebraucht haben, kann das Klima damals, mit viel CO2 in der Luft auch nicht viel schlechter gewesen sein ;) Besser die Natur solange wie möglich erhalten, eine exponentiell wachsende Weltbevölkerung zerstört unsere Umwelt sowieso, bis ein Bürgerkrieg das zerstörte Gleichgewicht wieder herstellt :)) falls uns nicht vorher ein Meteorit auf den Kopf fällt oder ein Atomkrieg mit Korea ausbricht - puh wie komplex doch alles ist ;)

Josef Kaliski 29.08.2017 - 15:14:14

Verhältnismäßigkeit

Sehr geehrter Herr Schneider, ich bin 27. Ich gehöre damit zur ersten Generation die die Folgen des menschengemachten Klimawandels erlebt, und zur letzten die etwas gegen die drastischen Folgen unternehmen kann. Außerdem bin ich Vater. Mein Kind soll in einer Welt aufwachsen, die nicht abwechselnd unter Hitzewellen und Landstriche überschwemmenden Starkregen leidet (mit allen daraus resultierenden Konsequenzen, wie direkten Todesopfern, Ernteausfällen, Fluchtbewegungen, …) Folglich befürworte ich einen Umstieg auf 100% Erneuerbare, wobei der Windenergie mit energetischen Amortisationszeiten von deutlich unter einem Jahr eine wichtige Rolle zukommen m u s s. Dabei tut es mir Leid um jeden Vogel der durch menschliches Handeln stirbt („geschreddert“ wird). Ich sehe dabei die Windkraftanlagen als e i n e n Risikofaktor. Ich sehe aber auch, dass – so der Bund Naturschutz - Haustiere, v.a. Katzen, (mit mindestens dem 20-fachen an Opfern), Glasscheiben (das 30-fache), Freileitungen (mindestens das 75-fache) und der Straßenverkehr (das 100(!)-fache an Opfern) deutlich relevantere Faktoren sind. Die Vögel die hier zermatscht, gegrillt, und zerfetzt werden sollten nicht unerwähnt bleiben. Und schließlich ist mir bewusst, dass der Klimawandel, so er nicht abgeschwächt wird, mit Abstand die größte Gefahr für a l l e Lebewesen auf der Erde darstellt. Einschließlich des Menschen. Lasst uns also die größte Gefahr angehen. Klimaschutz ist Menschenschutz!

Frank Schneider 23.08.2017 - 13:27:00

Dunkelziffer

Wenn die zerschredderten Tiere gezählt werden, fehlen dann schon diejenigen, die gefressen wurden. Die Verluste müssen gewaltig sein, das interessiert die Windradbefürworter aber wenig.

Daniel Deppe 23.08.2017 - 10:58:25

Postfaktisch ist wohl Mode.

Ich kann nicht nachvollziehen, dass die MOZ einem Hobbyornithologen, nur weil er offensichtlich Windkraftgegener ist, ein Sprachrohr gibt. Ich würde vorschlagen, dass die MOZ auch mal in echte ornithologische Gutachten von Biologen und Landschaftsplanern reinschaut, um eine differenziertere Betrachtung von Windenergievorhaben zu bekommen. Gegen einen Großteil von Herrn Grätz Aussagen spricht, dass wenn alles so wahr wäre, wie er es sagt, weder Eignungsgebiete für Windräder ausgewiesen, noch Vorhaben durch die Umweltprüfung kommen und genehmigt werden würden. Aber die Mischung von Wahrheit und Fiktion verschleiert das wirklich gut - ganz nach der Manier des aktuellen amerikanischen Präsidenten.

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