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Am Ende der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße liegt ein Dorf, das sich selbst zu helfen weiß

Zwischen Wald und Flüssen

Mit Notizbuch: MOZ-Redakteurin Eva-Martina Weyer unterhält sich mit Einwohnern, darunter Vivien Niemann und Erika Emeling (v. l.).
Mit Notizbuch: MOZ-Redakteurin Eva-Martina Weyer unterhält sich mit Einwohnern, darunter Vivien Niemann und Erika Emeling (v. l.). © Foto: Stefan Csevi
Eva-Martina Weyer / 24.08.2017, 06:45 Uhr
Friedrichsthal (MOZ) Zwei Flüsse bestimmen die Geschicke von Friedrichsthal - die Oder und ihre kleine Schwester, die Welse. Was die Dorfbewohner bewegt, erfragte die Zeitungsserie "Mit der MOZ übers Land".

Wie lebt es sich in einem Dorf ohne Fremdzuzug? Seit Jahren hat hier keiner mehr ein Haus gebaut, alles Alteingesessene. Die 21-jährige Vivien Niemann zählt sich dazu. Sie ist dort groß geworden und macht gerade eine Ausbildung zur Altenpflegerin in Wismar. Vivien Niemann schätzt die gute Nachbarschaft im Dorf. "Aber ohne eigenes Auto geht es nicht", sagt sie. "Obwohl der Bus ziemlich oft fährt, muss man selbst mobil sein."

Friedrichsthal lebt mit dem Nationalpark Unteres Odertal. Drei Herbergsbetriebe gibt es dort. Vor Kurzem hat die Zimmervermietung Lazar direkt am Oder-Neiße-Radweg eröffnet. Sie punktet wie die Pension Liebold und der Ferienhof "Zur Tabakblüte" mit dem, wonach sich Stadtmenschen sehnen - nach Ruhe und einzigartiger Landschaft. Bei Jens-Uwe Dietrich vom Ferienhof "Zur Tabakblüte" machen gerade Leute aus Wiesbaden, Jena und Anklam Urlaub. Lysann Greiner aus Dessau ist mit ihrer kleinen Familie dort und sagt: "Wir haben uns übers Internet informiert und gebucht. Unsere Erwartungen haben sich erfüllt. Unser Sohn hat sich vom ersten Tag an wohl gefühlt."

Beim Dorfrundgang mit Ortsvorsteherin Angelika Hampel und Vivien Niemann rauschen Fahrradfahrer vorbei. "Alles Touristen vom Oder-Neiße-Radweg. Das erkennen wir an den Helmen. Von uns fährt hier keiner mit Helm", lacht Angelika Hampel und Ortsbeirat Lutz Zimmermann ergänzt: "Es werden immer mehr Touristen. Viele satteln von Fernzielen um auf Urlaub in der Heimat, weil die Welt so unsicher geworden ist." Und weil der Oder-Neiße-Radweg so belebt ist, will Friedrichsthal die Zuwegung zum Wasser für Autos ertüchtigen und eine Ausweichstelle schaffen. Die jetzige Zuwegung führt über zwei Privatgrundstücke. Dieser Zustand ist nicht mehr haltbar. Für die Bauarbeiten sind 75 000 Euro veranschlagt. Davon müsste die Stadt Gartz, zu der Friedrichsthal gehört, 25 Prozent aufbringen. "Nicht zu schaffen", sagt Lutz Zimmermann, der auch Gartzer Stadtverordneter ist. Die Leichenhalle müsste ebenfalls saniert werden. Sie hat Risse im Mauerwerk und ein undichtes Dach. "Wir brauchen diese Halle", macht Zimmermann deutlich. "Aber es ist kein Geld da, sodass wir das Projekt in der Stadtverordnetenversammlung immer geschoben haben." Erika Emeling ist Kirchenratsmitglied und sorgt regelmäßig für frische Blumen auf dem Altar der kleinen Kirche. Sie bedauert: "Hier fehlt es überall an Geld, auch für Renovierungen am Dorfkulturhaus." Angelika Hampel nickt. Das Dorfkulturhaus haben einst jene Einwohner gebaut, die heute um die 80 sind. "Wenn im Kulturhaus Havarie ist, finden sich immer Leute, die das reparieren. Nur so reichen wir mit den 500 Euro, die wir zur Verfügung haben. Aber das ist keine Dauerlösung." Meist helfen sich die Friedrichsthaler selbst. Sie mähen vor dem Kulturhaus, wenn sie, wie Christine Emeling dort Silberhochzeit feiern, und helfen sich gegenseitig mit Technik und Transporten aus. "Die Dörfer leben davon, dass sie ein Wir-Gefühl haben", weiß Lutz Zimmermann.

Rosemarie Nitz ist in der Kirche konfirmiert und getraut worden. "Obwohl wir seit 55 Jahren in Schwedt wohnen, sind wir den ganzen Sommer über in Friedrichsthal. Heimat ist Heimat. In Schwedt wohne ich, in Friedrichsthal bin ich zu Hause." Norbert Plath kann sich kein anderes Zuhause vorstellen. Er ist weit und breit der einzige Spargelbauer, hat den Betrieb vom Vater übernommen. Neun Gaststätten beliefert er mit Spargel, der Rest ist Hofverkauf. Oft halten Fahrradfahrer an.

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