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Vereinsgelände am Flemsdorfer See beliebter Treffpunkt für Einheimische und Gäste

Kaffeeklatsch mit Haien

Versammelt am langen Tisch: Das Vereinsgelände am Haussee in Flemsdorf ist ein Treffpunkt für das ganze Dorf geworden. Hier gibt es am Wochenende immer frischgebackenen Kuchen. Der Erlös wird investiert und kommt allen zugute
Versammelt am langen Tisch: Das Vereinsgelände am Haussee in Flemsdorf ist ein Treffpunkt für das ganze Dorf geworden. Hier gibt es am Wochenende immer frischgebackenen Kuchen. Der Erlös wird investiert und kommt allen zugute © Foto: MOZ/Kerstin Unger
Kerstin Unger / 25.08.2017, 06:20 Uhr
Flemsdorf (MOZ) Am Flemsdorfer Haussee steppt in den Sommermonaten der Bär. Vor allem an den Wochenenden. Auch am vergangenen Sonntag war das Gelände wieder äußerst belebt. MOZ-Redakteurin Kerstin Unger hat angehalten und aus dem "MOZ-Frühstück" kurzerhand ein "MOZ-Kaffee" mit den Flemsdorfer Haien gemacht.

In der Küche des Vereinshauses wirbelt Ines Golling zwischen Kuchenblechen und Kaffeekannen. Vor dem Haus plaudern Leute in gemütlicher Runde, und schauten Freizeitvolleyballern auf dem Sandplatz zu. Im See planschten Kinder.

So eine Wochenend-Idylle hat nicht jedes Dorf. Auch in Flemsdorf gibt es sie noch nicht allzu lange. Allerdings trafen sich hier schon seit etlichen Jahren im Winter Eishockey-Verrückte. "2003 haben wir den Verein gegründet, um regelmäßig zu spielen und Versicherungsschutz zu haben", erinnert sich Kay Manteufel, der zehn Jahre lang Vereinsvorsitzender der Flemsdorfer Haie war. Dann hat Daniel Schultze das Amt übernommen. Der Verein lud auch zu geselligen Treffen am Haussee ein, wie das Osterfeuer oder das Weihnachtsbaumverbrennen. Dann wurden es immer mehr Aktivitäten.

Vor zehn Jahren entschlossen sich die Mitglieder, die alte GST-Sanitärbaracke, die aus DDR-Zeiten übriggeblieben war, auszubauen, anstatt sie abzureißen. "Bis aufs Dach und Sanitärarbeiten haben wir das selbst gemacht", sagt Kay Manteufel. Das Amt Oder-Welse gab Unterstützung.

Im Laufe der Zeit wuchsen die sportlichen Strukturen. Zwei Männerteams spielen in der Uckermarkliga Eishockey. Frauen und Männer sind im Breitensportbereich aktiv. Kinder treiben hier wöchentlich Sport. Derzeit steigt die Nachfrage bei Kindern, die auch auf das Eis wollen. Mandy Scheibner, lizensierte Übungsleiterin, die auch Trainerin im Erwachsenenbereich ist, nimmt sich ihrer an.

Heute hat der Verein mehr als 120 Mitglieder und viele Unterstützer sowie Sponsoren, die angesichts des fehlenden Gewerbes im Ort von außerhalb kommen.

In den vergangenen Jahren wurde das Gelände am Haussee weiter gestaltet. Der Trampelpfad durch Schutt zum Wasser wich einer gepflegten Grünanlage mit Sportmöglichkeiten und Sitzgelegenheiten. Die Flemsdorfer haben die Aktivitäten des Vereins unterstützt. Deshalb haben sich die "Haie" entschlossen, etwas zurückzugeben. An den Wochenenden kann hier jeder nachmittags gegen eine Spende frischen Kuchen essen und Kaffee trinken. Vor allem die älteren Leute aus dem betreuten Wohnen nutzen das Angebot gerne auf ihrem Spaziergang.

Zehn bis zwölf Frauen sind die fleißigen Kuchenbäckerinnen. Sie stellten einen Plan auf, wer wann dran ist. Grit Munkelberg und Anka Karg haben den Hut auf. "Jeder macht es, wenn er kann", sagt Ines Golling. In der WhatsApp-Gruppe stimmt man sich ab. Dass kein Kuchen da war, ist noch nie passiert. Allerdings ist es wetterabhängig, wie lange er reicht. Die Einnahmen werden zum Beispiel in Stühle oder neue Tassen investiert. Nächstes Jahr müssen neue Sitzkissen angeschafft werden und Farbe für die Bänke.

Flemsdorf hat zwar noch eine Kneipe. Allerdings führt sie keine Speisen. Dort trinkt man sein Feierabendbier. Das Kaffeetrinken am Haus am See ist vor allem im Sommer zum Dorftreff geworden, wo man Bekannte wiedersieht, neue Leute kennenlernt und nützliche Kontakte knüpfen kann, zum Beispiel zu einem Reiseunternehmen, das den Verein bei Fahrten ins Trainingslager unterstützt. Am Herrentag haben die Haie hier ihren neuen Mannschaftsarzt gewonnen. Professor Hartmut Goos aus Schwedt betreut die Eisjockeyspieler seit dieser Saison.

Manchmal wird der Grill angeschmissen. Dann kann es schon mal bis in die Nacht gehen. Im Winter, wenn der See zugefroren ist, kann man Schlittschuh laufen und sich beim Glühwein aufwärmen.

Die Flemsdorfer Haie ersetzen quasi den Dorfverein und kooperieren mit den Vereinen in Felchow und Schöneberg. Jeder richtet seine Veranstaltungen für die ganze Gemeinde aus. Was für Schöneberg Frauentagsfeier und Bratapfelfest und für Felchow Halloween sind, ist für Flemsdorf das Kinderfest und das Weihnachtsbaumverbrennen. "Es ist ein Netzwerk. Wir stimmen uns ab und unterstützen uns gegenseitig. Jedes Jahr geben wir gemeinsam einen Vereinskalender heraus", sagt Kay Manteufel. Er hat inzwischen seinen Kaffee ausgetrunken und greift zum Werkzeug. Die Arbeit ruft selbst am Wochenende. Es wird schon wieder gebaut, diesmal ein Windschutz an der Wetterseite des Hauses.

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