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Für vier Euro gibt's in der Hönower Thälmannstraße große Kunst in kleinen Schachteln

Unikate aus dem Automaten

Hatten Spaß beim Aufstellen: Norbert Norden, Gabriele Stolze, Andreas Petzke und Raymund Stolze (v. l.) in der Hönower Thälmannstraße 52
Hatten Spaß beim Aufstellen: Norbert Norden, Gabriele Stolze, Andreas Petzke und Raymund Stolze (v. l.) in der Hönower Thälmannstraße 52 © Foto: MOZ/Edgar Nemschok
Margrit Meier / 25.08.2017, 07:13 Uhr
Hönow (MOZ) Was verbindet Köln, Hamburg und Hönow? Für Gabriele und Raymund Stolze, Norbert Norden und Andreas Petzke ist das seit Donnerstagmittag klar: Ein Kunstautomat. Der wurde in der Thälmannstraße 52 installiert.

Kunst am Straßenrand - dieses alle paar Wochen neu ausgestattete Schaufenster - derzeit hängt dort Manfred Rothers "An der Steilküste" - hat seit Donnerstagmittag einen neuen Nachbarn. Dort hängt ein kunterbunter Automat. Frank Rexin hat ihn künstlerisch gestaltet. Eine bekannte Karikatur hat er adaptiert, man sieht die Rennbahn im Grünen, Pferde, von Weitem den Fernsehturm, Blümchenwiese und nagende Hasen. Und die Aufschrift L'art automatique, Art in the Box und auf deutsch: Kunstautomat.

Bekannte und weniger bekannte Künstler stellen Unikate bzw. Kunstwerke in Kleinstauflagen her, die in eine Schachtel in Zigarettenpackungsgröße passen. Bilder, Plastiken, Keramiken können das sein. Und wer vier Euro hat, der kann an diesem Automaten ein solches Kunstwerk erwerben. "Das ist doch mal eine tolle Idee für Leute, die schon alles besitzen, die ein Geschenk suchen, ein Mitbringsel brauchen", freut sich Gabriele Stolze. Mit ihrem Raymund war sie am 50. Kennenlerntag in Brandenburg an der Havel unterwegs. Das war im April dieses Jahres. Da entdeckten die beiden einen solchen Kunstautomaten und waren sich sofort einig: Das brauchen wir in Hoppegarten auch.

Was lag also näher, um die vorhandene Straßengalerie in der Thälmannstraße da mit zu nutzen. Eigentümer und Gemeindevertreter Norbert Norden hatte nichts dagegen und so wurden Bande zu Andreas Petzke und Lars Kaiser geknüpft. Petzke ist der Automatenfachmann, Kaiser betreut die Künstler, die diese Automaten bestücken. Die beiden haben alle Hände voll zu tun, denn "in Deutschland hängen von Nord bis Süd rund 180 Kunstautomaten", erzählt Andreas Petzke, der am Donnerstag extra von Oschersleben losgefahren ist, um in Hönow den Ersten im Landkreis Märkisch-Oderland zu installieren.

Der, der nach aufwendigen Bohr- und Schraubarbeiten dieses Gerät gegen Mittag einweiht, ist Pflasterer Frank Deickert. Er steckt vier Euro in den Münzschlitz, zieht kräftig an der Ausgabetaste und hält ein rot-weißes Päckchen in den Maßen 8 x 5 x 2 Zentimeter in der Hand. Drauf steht: "Kunsttick, Kunstautomat - das Original." Dazu noch ein Warnhinweis: "Diese Kunst kann verwirren, erhellen, aufregen und süchtig machen! Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie sich selbst und schreiben Sie uns die Antwort. Jegliche Haftung ist ausgeschlossen. Innenliegende Kunst ist direkt vom Künstler verpackt worden. Jedes Päckchen enthält ein Unikat. Es gehört jetzt Dir."

Deickert hält ein Mini-Porträt in der Hand, gezeichnet von Mattheo M. Maaz, einem in Berlin lebenden Künstler. In jeder Schachtel findet sich neben dem Kunstwerk auch ein kleiner Zettel, auf dem sich der Schaffende in Wort und Bild kurz vorstellt.

"Wir hoffen nun, dass sich viele regionale Künstler an der Bestückung dieses Automaten beteiligen", sagt Gabriele Stolze, die dies auf alle Fälle tun wird. Wer Interesse hat, nimmt direkt mit Lars Kaiser Kontakt auf, E-Mail: info@sek-kunst.de.

Raymund Stolze fragt sich, ob solche Automaten nicht auch noch an anderen Stellen in der Gemeinde Hoppegarten stehen könnten. Am S-Bahnhof oder am Haus der Generationen etwa. Vom zuständigen Ausschuss hat er jedenfalls bisher noch keine Reaktion erfahren. Das ist umso bedauerlicher, weil die Kosten für die Automaten die beiden Akteure Petzke und Kaiser tragen.

Und warum engagiert sich Stolze so für die Kunst in der Region? "Man muss sich im Alter gewisse Verrücktheiten erhalten, sonst ist das Leben nicht mehr lebenswert." - Vielleicht sollte er auch mit weisen Sprüchen den Automaten bestücken!

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