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Vom Leben an der ostukrainischen Front berichten junge Helfer in der Hoffnungstaler Stiftung in Lobetal

Krieg vor der Haustür

Kristina Shigolesa von der ukrainischen Jugendorganisation "Smile" verpackt Kleidung und Schuhe im Gebäude der Ukraine-Hilfe Lobetal.
Kristina Shigolesa von der ukrainischen Jugendorganisation "Smile" verpackt Kleidung und Schuhe im Gebäude der Ukraine-Hilfe Lobetal. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Patrizia Czajor / 27.08.2017, 08:00 Uhr
Lobetal (MOZ) Ein ukrainisches Jugendteam hilft Kindern, die entlang der umkämpften Front in der Ostukraine leben. Mit Hilfsgütern und Geld steuert auch die Ukraine-Hilfe der Hoffnungstaler Stiftung zu der Initiative bei. Dafür bedanken sich die jungen Helfer aus der Ukraine jetzt persönlich.

Es war zu Beginn nur eine imaginäre Linie. Doch im Laufe der Jahre - mit jedem, der wegen ihr sterben musste - wurde die Linie zementiert und schließlich zu einer Grenze, die sich durch die Ukraine zieht. Mittlerweile gehört sie zum Alltag, doch das hindert das ukrainische Jugendteam"Smile" nicht daran, mit allen Mitteln zu versuchen, sie aufzubrechen - wenn auch nur symbolisch. Die Arbeit der insgesamt 16 Mitglieder, die sich schon seit Beginn des Konflikts an der Frontlinie zwischen der Ukraine und den von Separatisten besetzten Gebieten engagieren, besteht laut Andrey Stoev zum Beispiel darin, Kinder und Jugendliche jenseits der umkämpften Fronten in Jugendcamps zusammenzubringen. "Wir müssen die Vorurteile abbauen, die teilweise noch durch Medien verstärkt werden", beteuert der 31-jährige Mann. Als Mitglied von "Smile" ist ihm wichtig, ausdrücklich zu betonen, dass die Initiative keine politischen Ziele verfolge. Es ist das Gemeinsame, das laut Stoev im Vordergrund steht, obwohl er Unterschiede nicht leugnet.

Da das Engagement an den Brennpunkten des Kriegsgeschehens seit nunmehr drei Jahren von der Ukraine-Hilfe in Lobetal mit Sach- und Geldmitteln unterstützt wird, haben die Mitglieder von "Smile" beschlossen, ihre treuen Unterstützer aus dem Barnim in dieser Woche auch einmal persönlich kennenzulernen und mit anzupacken. Die jungen Helfer, die zwischen 18 und 31 Jahre alt sind, konnten bei dieser Gelegenheit die Hilfsgüter, die sie sonst aus Deutschland bekommen, einfach mal selbst verpacken.Verschickt werden die Kartons mit Kleidung und Schuhen schließlich an Kinder, die unmittelbar an der umkämpften Frontlinie in Heimen leben, obwohl sie den Sinn dieser Grenze nicht einmal begreifen können.

Durch die Versorgung mit Lebensmitteln, aber auch die Veranstaltung von Festen möchte das Team gerade ihnen "Hoffnung und Liebe geben", wie Elisabeth Kunze, Geschäftsführerin der Ukraine-Hilfe Lobetal, die Worte von Stoev übersetzt.

Die Helfer selbst haben die Folgen dieses Krieges am eigenen Leib zu spüren bekommen. Wie Stoev kommen sie alle aus der Stadt Druzhkova, die zeitweise von den Separatisten besetzt worden war und nur 40 Kilometer von der Front entfernt ist. Die Phase der Besetzung bezeichnet Stoev als gesetzlos. "Wir waren umzingelt von Menschen mit Waffen", erzählt er. Sein Bruder sei auf der Straße von einem Auto gerammt und willkürlich zusammengeschlagen worden. Als die Stadt schließlich "befreit" wurde, waren er und seine Familie sehr erleichtert.

Dass die "Not, die keiner sieht" weiterhin groß ist, merkt Kunze gerade im Gespräch mit den Helfern. Kristina Shigolesa arbeitet als Erzieherin in Druzhkovka und beschreibt, wie sie dort regelmäßig Bombenübungen mit den Kindern durchführt. "Ich wünsche mir, dass meine Kinder so etwas nicht mehr erleben."

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