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Besucher schauen Dörte Rieck (46) am Fischerhaus über die Schulter / Weihe am 1. Oktober

Salzwedelerin bindet Altranfter Krone

"Ährensache": Dörte Rieck (l.) ist zum Binden der Erntekrone aus Salzwedel nach Altranft gereist. Tochter Merle (2. v. r.) und Isa David reichen ihr Getreide- und Strohblumensträuße.
"Ährensache": Dörte Rieck (l.) ist zum Binden der Erntekrone aus Salzwedel nach Altranft gereist. Tochter Merle (2. v. r.) und Isa David reichen ihr Getreide- und Strohblumensträuße. © Foto: MOZ/Heike Jänicke
Heike Jänicke / 28.08.2017, 06:09 Uhr
Altranft (MOZ) "Ährensache" hieß es am Sonntagmittag am Fischerhaus in Altranft. Dazu hatte das Oderbruch Museum eingeladen. Mitglieder des Altranfter Traditionsvereins kamen dort mit dem Binden der Erntekrone einer sehr alten und vor allem zeitaufwendigen Tradition nach.

Bestimmt schon zwölf Erntekronen habe sie für den Verein gebunden, sagt Dörte Rieck, die eigens für diese außergewöhnliche Aufgabe auch dieses Mal wieder aus Salzwedel in ihren Heimatort Altranft gereist ist. Dort leben ihre Eltern, Hannelore und Arnim Hoffmann. Während die 46-Jährige in geübten Handgriffen mit Draht die getrockneten Getreidesträußchen um das Kronengestell bindet, sorgen ihre Tochter Merle (12) und Isa David für Nachschub. Die 72-Jährige hat gemeinsam mit zehn weiteren Mitgliedern des Altranfter Traditionsvereins unzählige Sträuße aus Weizen, Rogen, Gerste, Triticale, Hafer und Dinkel gebunden. Hinzukommen kleine Gebinde aus Strohblumen. "Die haben wir von Hartmut Korn und Renate Werner bekommen", erzählt Joachim "Cäsar" Schmidt vom Traditionsverein. Auf jeden Strang, insgesamt sind es vier, komme eine Sorte Getreide. Zwischen 300 und 400 Sträuße werden für einen Strang benötigt, berichtet der 79-Jährige. Wichtig für eine schöne Erntekronen-Struktur sei, so Schmidt, dass das Getreide vier Wochen vor der Ernte geschnitten und mit den Ähren nach unten getrocknet werde. Nur so seien die Ähren dann noch so fest, dass das Korn nicht herausfällt. Das Getreide habe er von Landwirt Hans-Joachim Schulz aus Mädewitz geholt. Der Dinkel stammt von Landwirt Hans-Georg von der Marwitz aus Friedersdorf. "Das ist Dinkel? Der sieht aber toll aus", meint Astrid Kirsch. Sie war gemeinsam mit Olaf Schüler mit dem Fahrrad aus Schiffmühle nach Altranft geradelt. "Ich finde es schön, dass man mal sehen kann, wie eine Erntekrone entsteht", sagt sie und streicht noch einmal über den braunen Dinkel. Es sei toll, dass eine solche Tradition nicht aussterbe und sie an die Kinder weitergegeben werde.

Und dann fällt ihr Blick auf den massiven Ständer. "Das ist doch ein Weihnachtsbaumständer", mutmaßt sie bei dessen Anblick, muss aber dann von Dörte Rieck erfahren, dass es sich dabei um einen Ständer für einen großen italienischen Sonnenschirm handele. Stabil müsse dieser schon sein, mischt sich Joachim "Cäsar" Schmidt ein. Immerhin wiege eine solche Erntekrone bis zu 30 Kilogramm. "Sie sollte aber nicht höher als 80 Zentimeter sein und einen Durchmesser von 50 bis 55 Zentimeter haben", so der Experte.

Geweiht wird das 2017er-Exemplar zum Erntedankfest am 1. Oktober in der Kirche, bevor sie dann während des Ernte-Umzugs für jedermann zu sehen sein wird. Seiner Meinung nach hätten viele das Geschick zum Binden einer Krone, aber die meisten würden es sich nicht zutrauen, so Schmidt und freut sich über die Unterstützung von Dörte Rieck.

Die lässt sich über die Schulter schauen und beantwortet geduldig die Fragen der Besucher. Und die lassen es sich bei Sonnenschein, Grillwürsten, Kaffee und frisch gebackenem Streuselkuchen in verschiedener Rezeptur gut gehen. Für die passende musikalische Unterhaltung sorgt ein bekanntes Gesicht - Klaus Schluchter aus der Kurstadt.

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